Oettelinerin besuchte ihr Patenkind in Gambia

Die  Begegnung: Simone Krug (l.) trifft zum ersten Mal ihr Patenkind Mariama. Die Achtjährige ist noch sehr zurückhaltend. Tochter Henny Krug (r.) hält den bewegenden Moment mit der Videokamera fest.  Foto: privat
Die Begegnung: Simone Krug (l.) trifft zum ersten Mal ihr Patenkind Mariama. Die Achtjährige ist noch sehr zurückhaltend. Tochter Henny Krug (r.) hält den bewegenden Moment mit der Videokamera fest. Foto: privat

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07. Mai 2008, 08:25 Uhr

Oettelin - Noch immer sind die Krugs aus Oettelin hin- und hergerissen. „Wir sind noch nicht richtig hier, aber eben auch nicht mehr dort“, sagt Simone Krug. Mit ihrem Mann Frank sowie den Kindern Henny (13) und Emma-Luise (10) sitzt sie im Wohnzimmer ihres Hauses in Oettelin. Sie schauen auf ein Foto. Simone Krug hockt vor einem schwarzen Mädchen, umringt von der Familie der Achtjährigen. „Das war die erste Begegnung“, sagt die 39-Jährige, und ihre Gedanken fliegen zurück in das kleine afrikanische Land Gambia, das die Krugs neun Tage lang besuchten.

Mariama heißt das Mädchen in dem blauen Kleid, das ein wenig verängstigt auf die Deutsche schaut. „Es war eine eigenartige Situation. Wir waren uns ja beide fremd“, erzählt die zweifache Mutter. Dabei hat sie das afrikanische Mädchen schon vor vier Jahren kennengelernt – beim Stadtfest in Bützow.

„Am Stand des Vereins ,Bützower für Gambia’ sah ich Mariama auf einem Foto“, erinnert sich Simone Krug. Aus einer Schublade holt sie das Foto hervor. Es zeigt ein etwa vierjähriges Mädchen mit traurigem Blick. Unter dem knielangen Kleid schauen Beine hervor. Die sind so stark gebogen, dass ein Ball ohne Probleme hindurchpasst.

Von der Vorsitzenden Monika Thomsen erfuhr die Oettelinerin von der Arbeit des Vereins in dem kleinen Dorf Labakoreh. Anhand des Foto erstellte die Assistenzärztin an der Reha-Klinik in Lohmen gemeinsam mit Kollegen eine erste Diagnose. Röntgenbilder und Blutproben, in Afrika gemacht, bestätigten später die Vermutung: Vitamin-Mangel führt zum Kalziumabbau, und das fehlt dann in den Knochen.

Simone Krug übernahm die Patenschaft über Mariama, schickt seitdem Medikamente nach Gambia. „Medikamente, die es in Gambia nicht gibt, und die sich der Vater auch nicht leisten kann“, erklärt die Ärztin. „Es geht um knapp 90 Euro im Jahr.“

Die Therapie schlägt an. Die Oettelinerin zeigt ein zweites Foto. Mariama vor einem Jahr am Strand. Die Beine sind bei weitem nicht mehr so gebogen. „Und sie wird ganz gesund, wird mit 17, 18 Jahren wieder ganz normal laufen können, hat ihr behandelnder Arzt versichert“, erzählt Simone Krug von der ersten Begegnung mit ihrem Patenkind.

Die ängstliche Zurückhaltung bei diesem ersten Treffen verschwand später. „Als wir sie beim Kinderfest am Ozean, den der Verein für die Mädchen und Jungen seit fünf Jahren organisiert, wiedertrafen, lachte sie und spielte ausgelassen im Wasser“, erzählt Simone Krug. Ihre Familie ist froh, dass sie mit für deutsche Verhältnisse geringen finanziellen Mitteln so gezielt helfen kann. „Das macht Sinn. Das machen wir weiter.“

In der Hand hält Simone Krug einen Brief. „Den hat mir Mariamas Vater gegeben. Er kann kein Englisch, hat ihn wohl schreiben lassen.“ In den wenigen Zeilen bedankt sich der Vater bei Simone Krug, wünscht ihr und ihrer Familie, dass Gott sie beschützen möge. „Als ich den Brief las, da musste ich einfach weinen.“

Die vielen Eindrücke zu beschreiben, falle schwer. „Vieles dort ist primitiv und ganz einfach, und doch sind die Menschen nicht unglücklich, sie hungern nicht, lachen.“ Die Krugs sind beeindruckt, was der Verein in Labakoreh leistet. „Gezielte Hilfe, wo man sieht, wo Spenden ankommen. Für 200 Euro, die uns Kollegen und Freude mitgaben, wurden vor Ort ein Tisch, vier Stühle und zwei Babybetten für das Gesundheitszentrum gekauft.“

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