Obama plant Siegesfeier vor Millionenpublikum

Plant John McCain bereits für die sich abzeichnende Niederlage? In der Wahlnacht jedenfalls will der Republikaner nur wenig Leute um sich haben. Barack Obama dagegen plant die größte politische Freiluft-Party Chicagos.

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06. November 2008, 06:30 Uhr

Am Wahlabend des 4. November will der in Umfragen weiter abrutschende Republikaner John McCain - anders als es die Bürger traditionell gewohnt sind - in seiner Heimatstadt Phoenix (Arizona) bei der als "Siegeswahlnacht" betitelten Veranstaltung nicht im großen Ballsaal des "Biltmore"-Hotels vor tausenden von Anhängern sprechen, sondern in einem kleinen Kreis von Mitarbeitern und Unterstützern mit nur einer Handvoll ausgewählter Reporter. Und Barack Obama? Der plant die größte politische Freiluft-Party, die Chicago bisher gesehen hat. Im weitläufigen Grant-Park am Ufer des Michigan-Sees könnten trotz vermutlich eiskalten Wetters bis zu eine Million Menschen den Senator umjubeln, wenn die Ergebnisse feststehen.

Dass diese, wenn abgerechnet wird, zugunsten des Demokraten ausfallen, daran zweifeln politische Beobachter und Demoskopen in den USA auch angesichts der desolaten Wirtschaftslage und neuer Börsen-Kursstürze kaum noch. Gestern stellte sich die linksliberale "New York Times", die noch im Frühjahr bei den Vorwahlen Hillary Clinton unterstützt hatte, lobend hinter Obama: "Er hat den Willen und die Fähigkeiten, einen breiten politischen Konsens zu schmieden, der wesentlich für die Lösung der Probleme des Landes ist." John McCain hingegen habe zuletzt vor allem den "Tunnelblick" der Rechtskonservativen präsentiert.

Ein weiterer Schlag für den 72-Jährigen: Der frühere Sprecher von Präsident George W. Bush, Scott McClellan, sprach sich für Barack Obama aus, der "mehr als McCain bewegen und Washington verändern kann". Dass Obama den Wahlkampf für zwei Tage unterbrach, um nach Hawaii ans Bett seiner schwerkranken 85-jährigen Großmutter zu eilen, dürfte ihm elf Tage vor der Entscheidung kaum schaden. Zum einen kann diese Entscheidung Sympathiepunkte beim Wähler bringen, zum anderen sprechen die Umfragen in den meisten Schlüsselstaaten wie Ohio und Pennsylvania mittlerweile für einen klaren Sieg Obamas. Dort liegt der Demokrat mit jeweils rund zehn Prozent in Führung. Auch im republikanisch geprägten Florida hat Obama jüngsten Erhebungen zufolge mit fünf Prozent die Nase vorn.

Als guter Gradmesser für einen Sieg wird zudem die Wahlbeteiligung in jenen 31 Bundesstaaten gesehen, in denen bereits die Stimmabgabe möglich ist. Einer Erhebung der "New York Times" zufolge haben deutlich mehr Demokraten als Republikaner bisher den Weg zu den Wahllokalen in Ohio, New Mexico, Iowa und North Carolina gefunden - allesamt Staaten, die George W. Bush noch in 2004 gewonnen hatte.

Vor allem Schwarze, von denen landesweiten Umfragen zufolge 94 Prozent für Obama stimmen wollen, gehen früh wählen - und nehmen dabei, wie Berichte aus Florida, Georgia oder North Carolina zeigen, Wartezeiten von bis zu sechs Stunden in Kauf. Statistiken zufolge betrug der Farbigen-Anteil an den Wählern in North Carolina bisher 31 Prozent, obwohl sie in dem Bundesstaat nur 21 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Ähnliche Zahlen werden aus Georgia berichtet. Dort haben bisher doppelt so viel Bürger abgestimmt wie im gleichen Zeitraum des Jahres 2004. 36 Prozent von ihnen waren Afro-Amerikaner, ihr Bevölkerungsanteil beträgt jedoch nur 30 Prozent. "Wir haben jeden Grund zur Annahme, dass die Wahlbeteiligung der Schwarzen in diesem Jahr alle Rekorde brechen wird, die es auf Landes- und Bundesstaats-Ebene gibt", prophezeit das Zentrum für Politische und Ökonomische Studien.

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