OB-Kandidat beleidigt Schwule

Mitglieder des Vereins Christopher-Street-Day hissten kürzlich mit OB Wolfram Friedersdorff (r.) die Regenbogen-Flagge.
Mitglieder des Vereins Christopher-Street-Day hissten kürzlich mit OB Wolfram Friedersdorff (r.) die Regenbogen-Flagge.

Eklat im OB-Wahlkampf: Einzelbewerber Volker Goebel sorgt auf seiner Internetseite bei schwullesbischen Interessenvertretern und der Aidshilfe Westmecklenburg für Empörung. Mit Stammtisch-Parolen diffamiere er Homosexuelle und stelle fragwürdige Thesen zum Thema HIV auf. Goebel entschuldigte sich gestern auf SVZ-Anfrage und räumte „Polemik auf Kosten anderer“ ein.

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02. August 2008, 02:14 Uhr

Schwerin - Kaum ein OB-Kandidat gibt auf seiner Internetseite so viel von seinem Seelenleben preis wie Einzelbewerber Volker Goebel. Was bei einigen Internet-Lesern wegen der oft sehr detailreichen Bekenntnisse des Diplom-Ingenieurs mittlerweile schon Kultstatus genießt, finden Interessenvertreter von Homosexuellen in der Landeshauptstadt in einem Punkt alles andere als witzig: Auf eine Podiumsdiskussion mit allen OB-Anwärtern beim kürzlichen Christopher Street Day, dem Straßenfest der Schwulen und Lesben rund ums Pfaffenteich-Südufer, eingehend, sorgt sich Goebel auf seiner Homepage, dass ihm bei einem Treffen mit Schwulen die berüchtigte „Seife“ herunterfallen könne. Diese an Stammtischen gerne bemühte Abgeschmacktheit soll heterosexuelle Männer bekanntlich davor warnen, sich in Gegenwart von Schwulen zu bücken, um nicht sexuellen Übergriffen ausgeliefert zu sein. Goebel hat auch noch einen Tipp parat: „Besser ein Ersatzpäckchen mitnehmen!“ Seife, meint er damit.

Auch die von Goebel auf seiner Internetseite an den Klub Einblick, den Verein der Schwulen und Lesben in Schwerin, gestellten Fragen sorgen für Irritation. Beispiel: „Habt Ihr mal ausgerechnet, wie sich eine HIV-Infektion auf die Volkswirtschaft der BRD fiskalisch auswirkt?“ Oder: „Was gefällt Euch denn an den Frauen nicht? Warum muss es ein Mann sein? Das könnt Ihr mir bitte mal vorsichtig erläutern.“

Lars Stüber, Vorsitzender des Vereins Christopher Street Day, ist entsetzt: „Mit zweideutigen Witzen erweckt Goebel den Eindruck, heterosexuelle Männer seien ständig von sexuellen Übergriffen durch Schwule bedroht.“ Anstatt zu diffamieren, sollte der OB-Kandidat vielmehr Toleranz vorleben und Offenheit gegenüber anders lebenden Menschen beweisen, so Stüber.

Auch bei den Themen HIV und Aids seien die Ansichten des Einzelbewerbers „grenzwertig“, sagt Roy Rietentidt von der Aidshilfe Westmecklenburg. Denn Goebel beweise entweder erschreckende Unwissenheit oder betreibe bewusste Herabwürdigung, wenn er Schwulen pauschal die Frage stelle, ob sie sich der durch die Infektionen entstehenden Kosten bewusst seien. „Dass HIV vermehrt bei Schwulen auftritt, ist eine statistische Tatsache“, so Rietentidt. „Aber als Bewerber um den OB-Posten sollte er doch eher darauf hinweisen, das HIV existent ist, sich ausbreitet und viel zu wenig Aufklärung und Prävention an Schulen und im öffentlichen Leben stattfindet, die viele menschliche Tragödien verhindern könnte.“ Gern, so Rietentidt, würde er Volker Goebel in die Aidshilfe einladen, wo er mit Betroffenen reden könne. „Dann würde ich ihm auch erzählen, dass ich von drei rechten Schlägern verprügelt wurde, nur weil ich schwul bin“, so Rietentiedt.

Volker Goebel selbst gab sich gestern zerknirscht. „Für die von mir verbreitete Polemik auf Kosten anderer entschuldige ich mich“, so der OB-Kandidat. Er werde seinen Internet-Auftritt sofort überarbeiten. Goebel betonte zugleich, „dass mir die Arbeit des Klub Einblick am Herzen liegt“. Der Verein sei wichtige Anlaufstelle für Schweriner, denen in der Stadt oft mit Vorurteilen begegnet werde.

Beschäftigt hat das Thema gestern auch den Gemeindewahlleiter und amtierenden OB. Nach Anfrage unserer Zeitung, wie er die Äußerungen Goebels bewerte, lud Dr. Wolfram Friedersdorff den Einzelbewerber umgehend ins Stadthaus. „Es musste geklärt werden, ob der Bewerber grundsätzlich gegen das im Grundgesetz verankerte Anti-Diskriminierungs-Gebot verstößt“, so die Verwaltung. Nachdem Goebel sein Bedauern über manche Äußerungen bekundet habe und er belehrt worden sei, dürfe er aber weiter für das OB-Amt kandidieren.

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