Nur Volldampf in Lubmin

Seit Monaten wechseln sich Forderungen nach einem kleineren Kraftwerk und Umweltstudien ab. Jetzt spricht Dong Energy ein Machtwort: Der Investor hält für das geplante Steinkohlekraftwerk in Lubmin an der 1600-Megawatt-Variante fest. Ein Dämpfer für die Landes-SPD.

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29. April 2008, 08:37 Uhr

Lubmin - „Eine Halbierung auf 800 Megawatt wird es nicht geben“, sagte gestern Projektleiter Peter Gedbjerg. Ein Kraftwerk mit 800 Megawatt Leistung sei unwirtschaftlich und würde nicht in die Strategie des Unternehmens passen, in Deutschland zu expandieren. Es gebe aber Ideen, die Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern. Als Beispiele nannte er die mögliche Reduzierung der jährlichen Betriebstage oder den Einbau alternativer Filteranlagen, mit denen die Schadstoffemissionen gesenkt werden könnten.

Die Dänen, die das zwei Milliarden teure Kraftwerk 2012 ans Netz bringen wollen, erteilten damit Wünschen der SPD nach einer Halbierung der Kraftwerksleistung eine klare Absage. Die SPD reagierte mit Befremden. „Mit Blick auf die einzuholenden Gutachten wurde vereinbart, im Interesse der Sache zunächst die Vertraulichkeit zu wahren, bis Ergebnisse vorliegen“, sagte SPD-Landeschef Erwin Sellering. Die Äußerungen von Dong Energy seien „ungewöhnlich“. Die Linksfraktion im Landtag forderte die SPD auf, das Projekt nicht länger zu unterstützen.

Der Umweltverband BUND erneuerte unterdessen seine Kritik. Der BUND-Bundesvorstand habe beschlossen, den Landesverband politisch, juristisch und auch finanziell bei einer Klage gegen eine mögliche Genehmigung zu unterstützen, sagte der Bundesvorsitzende Hubert Weiger. Das Projekt sei ein „schlimmer Anschlag auf Natur, Landschaft und Mensch“. Die Quecksilberbelastung der deutschen Ostsee steige um das 17-fache.

Zu dem Teilgutachten des Instituts für Ostseeforschung (IOW), das von einer größeren Ausdehnung des erwärmten Kraftwerkskühlwassers in den Greifswalder Bodden ausgeht als Dong Energy, sagte Gedbjerg: „Es gibt zwischen dem IOW-Gutachten und unseren Berechnungen nur kleine Unterschiede.“ Der Endbericht des IOW soll am 15. Mai vorliegen. Dong Energy will laut Gedbjerg Mitte Mai das „erste umfangreiche Paket“ mit den von der Genehmigungsbehörde geforderten Projektergänzungen nachreichen. Bei der Suche nach Abnehmern der erzeugten Abwärme sieht sich Dong auf einem guten Weg. Es gebe zwei Interessenten, die möglicherweise in Lubmin Produktionsstätten errichten wollten. Einen Baubeginn für das Projekt halten die Dänen noch 2008 für möglich.

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