Nur die Hitze gibt es gratis

<fettakgl>Für 3 Euro</fettakgl> gibt es ein Stück geräucherten Lachs  aus dem Ofen mit Brötchen.
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Für 3 Euro gibt es ein Stück geräucherten Lachs aus dem Ofen mit Brötchen.

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09. Juli 2010, 08:35 Uhr

Prerow | Die Fantastischen Vier haben es gewusst: "Du spürst die Lebensenergie, die durch dich durchfließt, das Leben wie noch nie in Harmonie und genießt" singen sie in ihrem Chart-Stürmer "Tag am Meer". Den geschätzten 300 000 Hitze-Flüchtlingen, die an diesem Wochenende bei über 30 Grad die Strände im Nordosten bevölkern, wird es nicht anders gehen. Doch wie stark belastet ein Ausflug an die See die Geldbörse? Ein Test mit fiktiver vierköpfiger Familie im Ostseebad Prerow.

Zuerst ist das Auto dran. Die Sauna auf vier Rädern braucht Sprit. Von den beiden Kindern auf der Rückbank kommen an der Tankstelle erste Forderungen nach kalten Getränken. Die eigene Kühltasche ist undicht, die mitgebrachten Tetra-Paks lauwarm. 20 Liter Diesel und zwei Flaschen Wasser summieren sich zu den ersten 30 Euro.

Im Schneckentempo auf den Darß. Gerade, als die Quengeleien von hinten unerträglich werden, kommt Prerow in Sicht. Als "Begrüßungsgeld" besteht der grimmige Parkplatzwächter auf fünf Euro Gebühr für einen Stellplatz. Wenigstens ist einer im Schatten frei.

Auf dem Weg zum Wasser fällt auf: Außer zwei Federballschlägern gar kein Strandspielzeug dabei. Ein naher Kiosk schafft Abhilfe. Der Junge sucht sich eine Schaufel aus (ca. sechs Euro), das Mädchen möchte einen Schwimmreifen (ca. drei Euro). Die Eltern entscheiden sich für zwei Flaschen Sonnenmilch (ca. sechs Euro).

Weiter Zahltag am Strand. Kurtaxe in der Hauptsaison für beide Elternteile je zwei Euro, ein Kind über sieben Jahre einen Euro, das Mädchen bleibt kostenlos. Nicht so der Strandkorb: Tageskarte zehn Euro. Bevor der erste Millimeter Strand betreten wird, sind fast 60 Euro weg.

Die Familie stapft am Wasser entlang an ein paar Nackedeis vorbei zum Korb. Augen zu und durch geht nicht, Sandburgen stehen im Weg. Vor dem ersten Bad wird die Sonnenmilch auf vier Körpern verteilt. Danach ist eine Flasche halb leer.

Der gemütliche Teil. Planschen in der Ostsee, entspannte Lektüre im Strandkorb, Löcher buddeln. Zeit fürs Mittagessen. Keine fettige Bratwurst, der Vater schlägt Fisch vor. Die Kinder sind wenig begeistert. Das ändert sich, als sie lesen, dass es Fisch-Nuggets gibt. Der Vater bestellt zweimal geräucherten Lachs mit Brötchen und zweimal Fisch-Nuggets für die Kinder. Dazu teilt man sich eine große Cola. Gesamtkosten: etwa 17 Euro.

Zurück am Strandkorb wäre eine Pause angebracht. Doch die Kinder entdecken einen Bootsverleih. Auf die Banane traut sich der Vater nach dem Lachsbrötchen nicht, zu einer Stunde Tretboot (zehn Euro) kann er nicht Nein sagen.

An Land meldet sich der Hunger. "Eis, Eis!" Die Prioritäten sind klar. Eine Strandbude bietet außer Softeis mit glitzerndem Überzug einen Erdbeerbecher an. Die Familie nimmt viermal mit Sahne: 11,20 Euro.

Der Rest ist Entspannung. Bis auf zwei Flaschen Wasser keine Ausgaben. Der Tag am Meer endet, wie er begonnen hat: Mit einer Autofahrt.

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