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14. Dezember 2017 | 03:44 Uhr

Nur 100 Werft-Jobs in Warnemünde

vom

svz.de von
erstellt am 27.Mai.2010 | 07:28 Uhr

Rostock | Als der Pakt endlich besiegelt ist, können sich viele Schiffbauer am Warnemünder Werkstor noch immer nicht so recht über die neuen Job-Garantien freuen. Dass nach dem Ende der Nordic-Transfergesellschaften zum 1. August 700 unbefristete Stellen geschaffen werden sollen, stößt zwar auf Zustimmung. Weil nur 100 Verträge auf Rostock entfallen, hält sich die Zuversicht gestern aber in Grenzen.

"Die Stimmung ist verhalten", sagt Ex-Betriebsrat Harald Ruschel. Das zwischen der Gewerkschaft und Werfteigner Witali Jussufow ausgehandelte Abkommen gilt dennoch als wichtiges Etappenziel: Angesichts der Hängepartie um die Finanzierung neuer Aufträge soll der Mut zum Abschluss neuer Arbeitsverträge zeigen, dass Jussufow an die Zukunft des Unternehmens glaubt.

Falls es Nordic Yards gelingt, die immer wieder in Aussicht gestellten Bestellungen für Offshore-Anlagen oder Spezialschiffe an Land zu ziehen, will der russische Werftboss drauflegen. Abhängig von der Auftragslage sollen in Warnemünde 400 weitere Stellen und in Wismar 100 zusätzliche Jobs angeboten werden. Kehrseite der Medaille: Hält die Flaute an, sind selbst die vereinbarten Zahlen nicht gesichert. "Der Pakt ändert leider nichts daran, dass einige Leute arbeitslos werden", sagt Daniel Friedrich von der IG Metall. Vor der Insolvenz 2009 waren auf den Werften 2400 Schiffbauer beschäftigt, die auftragsgebundenen Angebote von gestern beziehen sich auf die Hälfte.

Jussufow, die Banken und die Politik müssten endlich handeln, mahnen Gewerkschaft und Ex-Betriebsrat. Auch der Wirtschaftsexperte der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Schulte, erneuerte seinen Appell: "Nun muss sich Wirtschaftsminister Brüderle bewegen und sich für die restliche Finanzierung einsetzen." Jussufow hatte zu Wochenbeginn 40 Prozent der Anzahlung für einen 100-Millionen-Euro-Auftrag zum Bau eines russischen Großtankers auf privates Risiko hin abgesichert. Doch aus Sicht zahlreicher Ex-Wadan-Kollegen ist das Vertrauen bereits verspielt. "Es gibt die Jobs ja erst, wenn es auch wirklich Aufträge gibt", sagt der 27-jährige Stefan Brust, der sich inzwischen auch bei der Marine beworben hat. Wer bis Mitte Juni den Brief mit einer Einladung zur "Jobbörse" bekommt, sei unklar. Brust bangt: "Etwas zu kriegen, wäre wie ein Sechser im Lotto".

Sicher scheint dagegen, dass Jussufow durch den Deal von einer Vertragsstrafe in Höhe von 15 Millionen Euro verschont bleiben dürfte. Die hatte ihm für den Fall gedroht, dass er die versprochenen 1200 Stellen nicht halten kann. Ob es zu einem Verzicht kommt, muss jetzt der Gläubigerausschuss entscheiden.

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