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Forscher wollen Vergangenheit der Uni Greifswald aufarbeiten : NS-Geschichte im Fokus

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Die bislang unzureichend erforschte Rolle der Uni Greifswald während der NS-Diktatur soll aufgearbeitet werden. Dazu werde eine Kommission von Fachwissenschaftlern untersuchen.

svz.de von
erstellt am 29.Jun.2011 | 10:47 Uhr

Die bislang nur unzureichend erforschte Rolle der Uni Greifswald während der NS-Diktatur soll wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Dazu werde eine Kommission von Fachwissenschaftlern in den nächsten beiden Jahren die Vorgänge und wissenschaftlichen Arbeiten von 1933 bis 1945 untersuchen, kündigte ein Universitätssprecher gestern an.

Nach einer Sichtung von Archivdokumenten gebe es zum Beispiel Belege dafür, dass sich Greifswalder Forscher seinerzeit intensiver als bekannt mit Themen beschäftigt hätten, die für die Umsetzung der nationalsozialistischen Herrschaftspolitik von zentraler Bedeutung gewesen seien. Dazu gehörten Arbeiten zur sogenannten Politischen Raumordnung in Osteuropa sowie zur "Rassenhygiene in der Medizin".

Unter anderem gebe es Vermutungen, dass am Anatomischen Institut für Forschungszwecke auch Leichen aus der Strafanstalt Berlin-Plötzensee und verschiedenen Gestapo-Dienststellen untersucht worden seien.

Bei der wissenschaftlichen Bewertung der Rolle der Alma mater wollen sich die Experten auf drei Komplexe konzentrieren. Im ersten Abschnitt soll die Gleichschaltung und Säuberung der Universität nach dem Systemwechsel 1933 untersucht werden, bei der zahlreiche Forscher aus dem Lehrkörper entlassen und durch NSDAP-Mitglieder ersetzt und Doktorgrade aberkannt wurden. Der zweite Komplex widmet sich der Ausrichtung der Lehreinrichtung nach den Bedürfnissen des NS-Staates, während sich ein weiteres Kapitel mit der Rolle der Universität im Krieg und für die Kriegsforschung beschäftigen soll. Unter anderem sollen erstmals auch Aufträge der Wehrmacht und der Einsatz von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern an der Universität untersucht werden.

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