NPD marschiert in Barlachstadt

NPD-Kundgebung auf dem Marktplatz in Güstrow. Foto: Jens Griesbach
NPD-Kundgebung auf dem Marktplatz in Güstrow. Foto: Jens Griesbach

Wie ein Heuschreckenschwarm kamen sie über Güstrow und genauso schnell verschwanden sie auch wieder. Zurück ließ die NPD am Sonnabend neben ihren Hasstiraden vor allem wütende Bürger. Ein Großaufgebot der Polizei riegelte den Demonstrationszug und die Kundgebung auf dem Markt ab. Bilanz der Polizei: keine Verletzten und weitestgehend störungsfrei.

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19. Juli 2008, 06:30 Uhr

Güstrow - Knapp 500 Polizisten aus ganz M-V, Hamburg sowie der Bundespolizei trennten die rund 150 NPD-Anhänger und ungefähr genau so vielen Gegendemonstranten, hielten die Kontrahenten besonders auf dem Markt auf Distanz. Vereinzelt flogen Flaschen und 19 Personen aus dem linken Spektrum mussten kurzfristig in Gewahrsam genommen werden, so der Güstrower Einsatzleiter Matthias Knöchelmann unmittelbar nach Beendigung des Einsatzes gegen 16.30 Uhr.

Versuchte Körperverletzungen aus den Reihen der Gegendemonstranten seien im Keim erstickt worden. „Als die NPD über die Liebnitzbrücke zog, mussten wir zudem 50 Personen festhalten, die den Aufmarsch stören wollten“, so Knöchelmann. Außer ihrem Auftreten selbst verzeichnete die Polizei von Seiten der Rechtsextremisten keine Provokationen. Vor der NPD waren bereits knapp 120 Gegendemonstranten durch die Stadt gezogen und hatten eine Kundgebung auf dem Franz-Parr-Platz abgehalten.

Die NPD-Kundgebung auf dem Markt rief teilweise wütende Proteste hervor. Vor allem auch, weil in der Woche vor dem Aufmarsch der jüdische Friedhof von Güstrow mit Hakenkreuzen geschändet und zwei Asia-Imbisse mit Hakenkreuzen beschmiert worden waren. Die Stadt zeigte Flagge und hatte das Rathaus mit Fahnen mit der Aufschrift „Bunt statt braun“ geschmückt. Ein breites Bündnis von Parteien, Vereinen, Initiativen und Einzelpersonen um den DGB setzte mit Informationsständen und Kundgebungen auf dem Marktplatz ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und rief zu gewaltlosem Widerstand auf.

Empört zeigte sich auch der 1. Stadtrat Andreas Brunotte, der die Reden der NPD von einem offenen Rathausfenster verfolgte: „In jedem zweiten Satz wird zu Ausländerfeindlichkeit und Gewalt aufgerufen. Die NPD steht gegen alle demokratischen Werte. Es ist beängstigend.“ Zahlreiche Stadtvertreter hatten sich im Rathaus versammelt. „Die NPD spricht kein einziges wirkliches Problem an. Es ist reine Demagogie“, so der Fraktionschef der SPD im Stadtparlament, Harald Weber.

Mutig zeigte sich der Tarnower Siegfried Rau, der das „offene Mikro“ der NPD nutzte und den Rechtsextremisten ins Stammbuch schrieb: „Mit ihren gestrigen Parolen bringen sie unser schönes Mecklenburg in ein schlechtes Licht!“

Gut besucht waren die gleichzeitig in der Pfarrkirche angebotenen Friedensgebete. Zudem wurde hier die Präsentation „Auswirkungen der nationalsozialistischen Ideologie in Güstrow“ gezeigt. Pastorin i.R. Elisabeth Taetow war betroffen vom NPD-Aufmarsch.„Die Rechtsextremisten sitzen uns wie eine Laus im Pelz. Die Sache sollte verboten werden“, sagte sie.

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