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Mehrfach vorbestrafter Abrissunternehmer in Schwerin vor Gericht : NPD-Mann gibt Straftaten zu

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Große Sprünge kann der ehemalige NPD-Funktionär Sven Krüger derzeit nicht machen. Das lassen schon die engen Fußfesseln nicht zu, die ihm erst im Gerichtssaal des Schweriner Landgerichts abgenommen werden.

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erstellt am 14.Jul.2011 | 08:02 Uhr

Schwerin | Große Sprünge kann der ehemalige NPD-Funktionär Sven Krüger derzeit nicht machen. Das lassen schon die engen Fußfesseln nicht zu, die ihm erst im Gerichtssaal abgenommen werden. Dort wird der Angeklagte sofort von Kameras umringt. Das große Medieninteresse zum Prozessauftakt gestern am Schweriner Landgericht hat weniger mit den vorgeworfenen Delikten zu tun - gewerbsmäßige Hehlerei und unerlaubter Waffenbesitz. Vielmehr mit der Person des 36-Jährigen selbst. Der mehrfach vorbestrafte Abrissunternehmer aus Jamel bei Grevesmühlen gilt seit langem als Aktivist der rechtsextremen Szene. Bis Mai saß er für die NPD im Kreistag von Nordwestmecklenburg. Das Mandat legte er nieder, als die neue Anklage auf dem Tisch lag. Da war er bereits in Untersuchungshaft. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten Ende Januar sein Anwesen in Jamel durchsucht. Neben offensichtlich gestohlenem Baugerät wurden auch Waffen sichergestellt - unter anderem eine Maschinenpistole, eine Pistole und gut 400 Schuss Munition. Das hochwertige Baugerät wie Trennschleifer, Kettensägen und Bohrmaschinen haben laut Anklage andere Täter gestohlen oder unterschlagen. Aber Krüger habe das gewusst, das Diebesgut trotzdem gekauft und zum Teil selbst genutzt, zum Teil im Internet versteigert. 19 Fälle listet die Anklage von 2008 an auf. Für jeden einzelnen droht laut Staatsanwalt mehrjährige Haft.

Überraschend legte Krüger gestern ein weitgehendes Geständnis ab, das sein Verteidiger Volker Tiek verlas. Waffen und Patronen habe er von seinem 2002 verstorbenen Vater geerbt und versteckt, als Haus und Hof durchsucht wurden. Gefunden wurden sie dennoch. Fragen zu den Taten will Krüger nicht beantworten. Nur die zur Person. Er habe zwei Häuser in Jamel gekauft, sagt er, in denen "Familien aus meinem Freundeskreis" wohnen. Und das sogenannte "Thing-Haus" in Grevesmühlen, in dem unter anderem das NPD-Bürgerbüro untergebracht ist.

Anwalt Tiek erklärt, dass sein Mandant schon Schadenswiedergutmachung geleistet und Geld an Geschädigte überwiesen habe. Pluspunkte, wenn das Gericht über das Strafmaß entscheidet. Mit Bewährung rechnet Tiek nicht. Dagegen sprechen schon die Vorstrafen. Zehnmal wurde Krüger bereits verurteilt - wegen Diebstahls zum Beispiel, Körperverletzung, Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Landfriedensbruchs. 1996 hat er mit rund 40 Anhängern der rechten Szene eine Jugendgruppe aus Nordrhein-Westfalen auf einem Campingplatz am Plauer See überfallen und zum Teil schwer verletzt. Ein Fall, der das Land bundesweit in die Negativ-Schlagzeilen brachte. Krüger wurde 1999 als Haupttäter zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Offensichtlich fällt es ihm zunehmend schwerer, sich mit dem Gefängnisalltag zu arrangieren. Er habe Frau und zwei Kinder. "Eine Familie", sagt er dem Richter, "die versorgt werden muss". In Jamel, einem rund 60-Einwohner-Dorf, das wegen rechtsextremer Aktivitäten immer wieder auffällt. Dorthin will Krüger möglichst rasch zurückkehren. Sein Geständnis wird das Verfahren abkürzen. Bislang ist das Urteil für Mitte August geplant.

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