NPD-Kreischef vor Gericht

Der Angeklagte, NPD-Funktionär Andreas Theißen (l.), mit seinem Verteidiger Ingmar Knop vor dem Schweriner Amtsgericht.Foto: zvs
Der Angeklagte, NPD-Funktionär Andreas Theißen (l.), mit seinem Verteidiger Ingmar Knop vor dem Schweriner Amtsgericht.Foto: zvs

Der 35-jährige Vorsitzende des NPD-Kreisverbandes Westmecklenburg, Andreas Theißen, muss sich seit gestern wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Körperverletzung und der Nötigung vor dem Schweriner Amtsgericht verantworten. Er soll am Abend der Landtagswahl 2006 einen Kameramann gewaltsam abgedrängt haben, der sich dabei am Auge verletzte.

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27. März 2008, 07:44 Uhr

Schwerin - Der Abend nach der Landtagswahl im September 2006. Die rechtsextreme NPD hatte erstmals den Einzug ins Parlament von MV geschafft und wollte diesen Sieg auf einer Wahlparty feiern. In einer Gaststätte unweit des Schlosses. Vor dem Grundstück aber versammelten sich schon bald junge Leute, die nicht feiern wollten. Fahnen und Transparente weisen sie deutlich als Gegner der Rechtsextremen aus. NPD-Anhänger kommen die relativ steile Auffahrt vom Gasthaus hinunter. Die Polizei war vor Ort. Es war laut, die Stimmung aggressiv. So beschrieben es Zeugen. Und mittendrin Journalisten und Kameraleute, die von dem Geschehen berichten sollten, das nun ein juristisches Nachspiel hat.

Gestern, am ersten Prozesstag vor dem Schweriner Amtsgericht, ist die Stimmung nicht aggressiv, sondern höflich. Auf der Anklagebank sitzt im braunen Wollpullover ein NPD-Funktionär: Andreas Theißen, Vorsitzender des Kreisverbandes Westmecklenburg. Neben ihm sein Verteidiger Ingmar Knop, ein Rechtsanwalt, der auch über Erfahrungen in der Politik verfügt – als Landesvorsitzender der Deutschen Volksunion (DVU) in Sachsen-Anhalt und Mitglied des DVU-Bundesvorstandes. Einer Partei, die vom Verfassungsschutz ebenfalls als rechtsextrem eingeschätzt wird. Sein Mandant soll an jenem Wahlabend gewaltsam gegen einen Kameramann des NDR-Fernsehens vorgegangen sein. Fahrlässige Körperverletzung und Nötigung werden ihm vorgeworfen. Der 35-jährige Theißen hat der Anklage zufolge den Kameramann abgedrängt, der sich dabei am Auge verletzte.

Der Angeklagte bestreitet die Anklagevorwürfe. Er sei auf der NPD-Wahlfeier als Ordner eingesetzt gewesen, sagt er dem Gericht. Da habe er einen Anruf erhalten: „Linke Chaoten ziehen auf!“. „Also bin ich mit den Ordnern nach draußen gegangen. Leider waren auch sehr viele der eigenen Anhänger schon auf der Auffahrt.“ Die Ordner jedenfalls, so erzählt er, sollten eine Kette bilden, die beide Gruppen trennt. Der Kameramann habe aus nächster Nähe Aufnahmen gemacht. Dabei seien seine Leute von der Lampe an der Kamera, die Aufnahmen bei Dunkelheit ermöglicht, geblendet worden. Mehrfach habe er den Kameramann aufgefordert, die Leuchte auszumachen. Doch der habe auf die Pressefreiheit verwiesen und weiter gefilmt. Da habe er ihn am Arm gegriffen und dann etwa zehn bis 15 Meter die Auffahrt hinunter geschoben. Er selbst sei nicht in aufgeregter Stimmung gewesen, sagt Theißen. Als Vater von sechs Kindern bringe ihn nichts so schnell aus der Ruhe.
Der Kameramann, der einzige Zeuge gestern, hat das Geschehen anders in Erinnerung. Theißen habe ihn aufgefordert, nicht die NPD-Anhänger zu filmen, die sich in einer Reihe formierten. Er habe aber für den Beitrag beide Seiten zeigen wollen. Theißen habe ihm dann die Kamera gegen den Kopf gestoßen und ihn in einer Art Klammergriff von hinten ziemlich rüde 20 bis 25 Meter die Auffahrt hinunter bis zur Grundstücksgrenze geschoben.

Dass der NPD-Funktionär den Kameramann mit Gewalt wegschiebt, ist auf einer Filmsequenz eines anderen Fernsehteams zu sehen. Das Video wurde gestern im Gericht gezeigt. „Selbst wenn von ‚Blenden’ die Rede gewesen sein sollte, rechtfertigt das so etwas?“, fragte Staatsanwalt Michael Otte mit Blick auf die rüde Behandlung. Dem Verteidiger zufolge war dem Kameramann zuvor ein Platzverweis erteilt worden. Das Gericht will nun noch sieben weitere Zeugen hören. Der Prozess soll im April fortgesetzt werden.

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