Dragun: Streit um Leitungssystem auf privatem Grund und Boden : Notstand: Abwasserkanal bald dicht?

Dietmar und Carina Höhne  inspizieren den Kontrollschacht an der Weide mit Heike Tennstedt (M.). Sie  hoffen  auf  eine einvernehmliche Lösung, an der sich die Gemeinde Dragun im Sinne ihrer Bürger beteiligt. volker bohlmann
Dietmar und Carina Höhne inspizieren den Kontrollschacht an der Weide mit Heike Tennstedt (M.). Sie hoffen auf eine einvernehmliche Lösung, an der sich die Gemeinde Dragun im Sinne ihrer Bürger beteiligt. volker bohlmann

Die Debatte um die Abwasserentsorgung in der Ortslage Dragun geht weiter. Den Anwohnern des Schönfelder Weges droht die Kappung des Kanals per 30. August 2011.

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05. Mai 2011, 12:31 Uhr

Die Debatte um die Abwasserentsorgung in der Ortslage Dragun geht weiter. Den Anwohnern des Schönfelder Weges droht die Kappung des Kanals per 30. August 2011. Das lässt zumindest Grundstückseigentümer Christian Schacht jetzt den Anwohnern per Anwaltsschreiben mitteilen.

Die Eheleute Dietmar und Carina Höhne sind geschockt, denn ab Sommer 2011 droht damit ein Entsorgungsnotstand. "Wir brauchen einen Rechtsbeistand", sagt auch Heike Tennstedt. Sie wohnt im Bereich Seefeldstraße. Die Abwässer ihres Hauses werden wie die der Nachbarschaft nicht direkt straßenseitig, sondern über ein Leitungssystem unter der Weide von Christian Schacht ins kommunale Abwassernetz eingespeist. Bevor Höhnes und Tennstedts Abwasser, den von ihnen mitfinanzierten öffentlichen Draguner Abwasserkanal erreichen, durchlaufen sie somit ein circa 500 Meter langes Kanalsystem, für das sich seit Jahren niemand verantwortlich fühlt.

Ein Blick zurück: 2007 erwarb Christian Schacht ein Grundstück mit Weideflächen in Dragun ohne jegliche Eintragung von Grunddienstbarkeiten in Form einer Abwasserleitung. Als es 2009 zu einer Havarie im Leitungssystem auf dem Weideland kam, wurde der Draguner nach eigenen Angaben erstmals mit der Problematik konfrontiert. Einer der Vorbesitzer seines Grundstückes ließ einen Abwasserleitungsbau auf Grundlage des von der Gemeinde beschlossenen B-Planes aus den 1990er-Jahren bauen(wir berichteten).

Aufgrund vorhandener Entsorgungsverträge zwischen Anwohnern und der Gemeinde sieht Schacht das Thema Abwasserentsorgung aber als kommunale Aufgabe. Im Einvernehmen mit Gemeinde und Anwohnern sollte nach Lösungswegen gesucht werden, so Schacht gegenüber der SVZ. Er habe volles Verständnis für die Betroffenen, aber er wolle im Fall einer Havarie klare Regelungen bezüglich der Zuständigkeiten. "Die Leitung ist nicht eingetragen. Ich habe sie nie erworben und erst im Jahr 2009 davon erfahren", sagt Christian Schacht. Die Gemeinde Dragun mit Sabine Schirrmeister an der Führungsspitze sieht sich nicht in der Verantwortung. Folglich finden Angebote in Form eines Landtausches zwischen Schacht und Gemeinde oder gar finanzielle Regelungen bislang kein Gehör. Aus Sicht der Betroffenen "pure Ignoranz". Heike Tennstedt: "Wir zahlen Abwassergebühren. Da muss die Gemeinde uns helfen. Ein Gespräch im Gemeindebüro am 5. April verlief ergebnislos." Obwohl es nach SVZ-Recherchen bereits finanzielle Angebote des damaligen Notars gab, um das Problem aus der Welt zu schaffen. Nicht ausgeschlossen scheint damit, dass die Erarbeitung der Verkaufs-Unterlagen möglicherweise nicht fehlerfrei war und anscheinend ohne Prüfung diese zur Unterschrift gelangten.

Folglich steckt der Teufel im Detail. Bürgermeisterin Sabine Schirrmeister weist jede Kritik von sich und der Gemeinde: "Ich kann, darf und will dazu nichts sagen. Es handelt sich um eine rein privatrechtliche Angelegenheit." Die Kommune könne hier nicht aktiv werden. "Alles wurde vom Investor entsprechend des B-Planes gebaut", so Schirrmeister. Darüber hinaus glaube sie nicht, dass eine Abwasserleitung, selbst wenn diese auf privatem Grund und Boden verläuft, abgeschiebert werden darf. Weiteren Vermittlungsbedarf sehe sie nicht.

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