Mitarbeiter der Leitstellen in MV : Notruf: Indianer am Küchentisch

  Lagedienstführer Karsten Brüning koordiniert in der Schweriner Leitstelle die eingehenden Notrufe.Landeshauptstadt
Lagedienstführer Karsten Brüning koordiniert in der Schweriner Leitstelle die eingehenden Notrufe.Landeshauptstadt

Wer unter der Telefonnummer 112 oder 110 um Hilfe ruft, der ist meistens ernsthaft in Not. Mitarbeiter der Leitstellen in MV wissen aus ihrem Alltag dennoch auch Skurriles zu berichten.

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11. Februar 2011, 09:31 Uhr

Wer unter der Telefonnummer 112 oder 110 um Hilfe ruft, der ist meistens ernsthaft in Not. Mitarbeiter der Leitstellen in Mecklenburg-Vorpommern wissen aus ihrem Alltag dennoch auch Skurriles zu berichten. So habe sich in der Polizeidirektion Neubrandenburg an einem späten Abend über 110 ein offenbar angetrunkener Mann gemeldet. Besorgt hätte er mitgeteilt, um seinen Küchentisch würde eine Horde Indianer reiten. "Der Anrufer glaubte ernsthaft, er werde die Rothäute nicht mehr los", berichtet die Neubrandenburger Polizeisprecherin Nicole Buchfink. Als Lösung schlug der einfühlsame Beamte dem Mann vor, Ruhe zu bewahren und ein Fenster zu öffnen. Kurz darauf habe der Mann erleichtert gemeldet, dass die Indianer durch das Fenster seine Wohnung verlassen hätten. Die Leitstelle riet dem Anrufer, nun endlich ins Bett zu gehen, und seinen Rausch auszuschlafen.

Mehr als 500 Notrufe gehen täglich bei den fünf Polizeidirektionen des Landes unter 110 ein. "Die Polizei nimmt jeden Notruf ernst und versucht jedem Anrufer aus seiner persönlichen Notlage zu helfen", sagt Niels Borgmann, Polizeisprecher in Schwerin.

Noch häufiger werden die neun Rettungsleitstellen der Landkreise und kreisfreien Städte über Notruf 112 alarmiert. Die größte Leitstelle des Landes, in Schwerin, die neben der Landeshauptstadt auch für die Landkreise Ludwigslust, Parchim, Nordwestmecklenburg sowie Wismar zuständig ist, bekam im vergangenen Jahr täglich mehr als 600 Notrufe. "Allein Rettungsdienstfahrzeuge wurden 2010 mehr als 79 900-mal alarmiert und eingesetzt", berichtet der Chef der Schweriner Berufsfeuerwehr Jürgen Rogmann.

Häufig geht es um Leben oder Tod. "Der Notruf ist das entscheidende Glied in der Rettungskette", sagte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) anlässlich des heutigen Tages des "Europäischen Notrufs 112". Diesen Tag gibt es auf Beschluss des Europäischen Parlaments bereits zum dritten Mal, um die einheitliche Notrufnummer besser bekannt zu machen. Denn nur 18 Prozent der Deutschen wissen, dass die 112 nicht nur im eigenen Land, sondern überall in der Europäischen Union sowie in Russland, der Schweiz, Norwegen, Island und Kroatien Hilfe bringt. "Kaum jemand weiß zudem, dass auch die 911 über Handy in Deutschland als Notruf funktioniert", berichtet Polizeisprecher Borgmann. Die 911 ist der einheitliche Notruf in den USA und Kanada und für Bürger dieser Staaten deshalb auch in Deutschland geschaltet. Die 911 kommt automatisch als 112 in den Leitstellen an.

Über noch eine Besonderheit berichtet Borgmann: Beim Notruf gibt es kein Besetztzeichen. Sollten ausnahmsweise alle Telefone in der Leitstelle der Polizei in Schwerin besetzt sein, dann werden die nächsten ankommenden Rufe an die Leitstelle in Rostock umgeleitet.

Anders als bei gewöhnlichen Anrufen wird bei einem Notruf eine möglicherweise aktivierte Unterdrückung der Rufnummer ignoriert, die Daten des Anschlussinhabers können in jedem Fall ohne Weiteres abgerufen werden. Zudem werden alle Anrufe aufgezeichnet. Häufig wurde dadurch Notruf-Missbrauch aufgeklärt. "Diese unnötigen Anrufe können unter Umständen auch die Leitungen blockieren, wenn jemand wirklich einen Notfall melden muss und auf Hilfe angewiesen ist. Daher drohen bei Missbrauch Geld- oder Freiheitsstrafen", sagt Jürgen Rogmann. Mehr als 100 Strafanzeigen wegen dieses Delikts bearbeiten die Beamten der Schweriner Polizeidirektion pro Jahr.

Ebenfalls problematisch für die Leitstellen sind ungenaue Angaben. "Da es häufig einen Ortsnamen zwei- oder dreimal gibt, sollte auch die nächstgrößere Ortschaft genannt werden", empfiehlt Nicole Buchfink. Wichtig bei jedem Notruf: Wer meldet den Notfall? Was geschah? Wo geschah es? Wie viele Verletzte gibt es? Welche Art der Verletzung liegt vor? Darüber hinaus sollte man auch auf Rückfragen der Leitstelle warten und das Gespräch nicht einseitig beenden.

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