Notreifes Getreide zwingt zur Ernte

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12. Juli 2010, 09:51 Uhr

Kurzen Trechow/Jürgenshagen | Landwirt Christian Schierning entdeckt derzeit immer häufiger Weizenpflanzen, die nicht gelb, sondern weiß aussehen. "Sie sind alle verbrannt", sagt er mit Blick gen Himmel. So wie ihm machen derzeit auch anderen Landwirten die Hitze und die Trockenheit zu schaffen. "Ich kann mich nicht erinnern, schon jemals so einen heißen Sommer erlebt zu haben", sagt Michael Cons tien. Der Jürgenshägener Landwirt beobachtet seit einigen Tagen einen früheren Ernteprozess bei den Pflanzen. "Die Gerste reift mit einer zügigen Geschwindigkeit und auch der Weizen wird notreif", erklärt Constien. Auch der Mais leide unter diesen extremen Temperaturen. Er habe zwar eine dicke Wachsschutzschicht angesetzt, doch bei der Dauerhitze werde auch sie angegriffen, fügt er hinzu.

Zustand der Pflanzen auch abhängig vom Standort

Dirk Schneekloth aus Bernitt hingegen macht sich um seine Maispflanzen noch nicht so viele Sorgen. "Einige Flächen sehen ganz gut aus", sagt der Landwirt. In seinen Augen sei für einen guten Pflanzenwuchs auch der Boden entscheidend. "Lehm speichert das Wasser länger, auf Sandböden läuft es eher oberflächlich ab", erläutert Schneekloth. Er kann auf seinen Feldern noch keinen großen Ausfall feststellen.

Das sieht bei Christian Schierning aus Kurzen Trechow ganz anders aus. Er rechnet beim Weizen mit einem Verlust von 20 Prozent in diesem Jahr. "Dieses Getreide ist einer der Hauptgeld-Bringer", schildert er. In seinen Augen lohne es sich jedoch nicht,eine Beregngnungsanlage auf den Feldern aufzubauen.

Bei diesen Temperaturen verdunste etwa 20 bis 30 Liter pro Quadrater. "So viel Wasser kann man gar nicht aufbringen", sagt er.

Ertragsausfälle sind nicht auszuschließen

"Wider Erwarten reift das Getreide sehr schnell", sagt auch Dr. Wolfgang Thiemann, Abteilungsleiter im Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg (StALU MM) in Bützow. Nach dem kühlen und feuchten Frühjahr habe man mit einem Erntetermin so ab frühestens 20. Juli gerechnet. "Gerade auf ertragsschwachen Böden beginnt aber schon die Noternte", sagt er. Gerade erst habe sich das Amt auf Feldern in Lüssow ein Bild von der Situation gemacht. Ertragsausfälle seien nicht auszuschließen, meint er. "Die Körner sind kleiner und leichter."

Beim Blick auf den Markt sei bereits festzustellen, dass die Aufkaufpreise für Raps und Getreide in letzter Zeit gestiegen seien. Auch dies sei ein Indiz dafür, dass mit keiner allzu guten Ernte gerechnet werde. "Wer da schon langfristige Verträge abgeschlossen hat, hat diesmal das Nachsehen", so Dr. Thiemann. Auf jeden Fall müsse man den Markt beobachten, "um möglicherweise Hilfsmaßnahmen für die Landwirte einzuleiten."

Nicht gut sehe es durch die Trockenheit auch in den Kartoffelbeständen aus. "Die Kartoffeln bilden ganz kleine und viel zu wenig Knollen."

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