Notplan gegen Ärztemangel

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Mecklenburg-Vorpommern hat die höchste Arztdichte aller neuen Länder. Von 4762 Medizinern 1995 stieg die Zahl auf 6348. Statistisch kommt auf 267 Einwohner ein Arzt. Und doch muss das Land um die medizinische Versorgung ringen. 110 Ärztestellen sind frei.

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24. Juli 2008, 08:10 Uhr

Schwerin - Erst zu Wochenbeginn hat die Kassenärztliche Vereinigung mit dem Uniklinikum Rostock sowie mit Kliniken in Boizenburg, Wismar, Bergen und Stralsund Kooperationsvereinbarungen zu einer Verbundausbildung junger Allgemeinmediziner abgeschlossen, um Absolventen im Land zu halten. Vor Monatsfrist wurde eine Zusammenarbeit mit der Ärztekammer Österreichs vereinbart, um dort universitär zu viel ausgebildete Ärzte für die Facharztausbildung hier ins Land zu holen. Ziel auch hier: Junge Ärzte sollen für das Land begeistert werden. Ein Landarztprogramm aus dem Jahr 2005 komplettiert den Notplan gegen Ärztemangel von Landesregierung und KV: Wer sich in ländlichen Regionen niederlässt, erhielt von der KV Umsatzgarantien bis zu 40 000 Euro im Quartal und Investitionszuschüsse bis zu 25 000 Euro.

Dennoch bleiben die Erfolge aus: Seit dem Jahr 2000 blieb trotz steigender Ärztezahl die Zahl der niedergelassenen Haus- und Fachärzte konstant. Gab es vor acht Jahren 2487 Praxisinhaber, so sind es heute 2311. Bei allen Bemühungen gelang es nicht, die in den Ruhestand gehenden Mediziner durch Nachwuchs zu ersetzen. In anderen Bundesländern wird oft mehr verdient. Mehrarbeit lohnt sich zudem durch die Budgetierung kaum.

Und die Zukunft sieht nicht besser aus. In vielen Regionen fehlten bereits akut Hausärzte, sagte Wolfgang Eckert von der KV. Etwa jeder vierte der 1111 Hausärzte sei älter als 60 Jahre, viele fänden keinen Nachfolger für ihre Praxis. Bis zum Jahr 2015 werden 425 Hausärzte älter als 63 Jahre sein, so Zahlen aus dem Sozialministerium, zu dessen Notplan inzwischen auch Werbeveranstaltungen an medizinischen Fakultäten bundesweit gehören. Derzeit wäre es möglich, landesweit 110 Hausärzte zusätzlich zuzulassen.

Im Nachbarland Brandenburg unterstützt man derzeit zugewanderte Ärzte aus Polen und dem Osten, um für sie eine Zulassung auf EU-Standart zu erhalten. Sachsen zahlt als erstes Bundesland monatliche Stipendien von 600 Euro, wenn sich im Gegenzug die Medizinstudenten verpflichten, nach dem Abschluss vier Jahre in einem unterversorgten Gebiet zu arbeiten.

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