Ministerin: Risiko höher als angenommen : Normalverdiener droht Altersarmutsfalle

Foto: Philipp Guelland/dapd
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Fleißig gearbeitet, durchschnittlich verdient, immer Rentenbeiträge gezahlt – und im Alter dennoch nur eine Mini-Rente unter Hartz-IV-Niveau? Die Bundesarbeitsministerin schlägt Alarm. Wir beleuchten die Hintergründe.

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03. September 2012, 09:20 Uhr

Fleißig gearbeitet, durchschnittlich verdient, immer Rentenbeiträge gezahlt – und im Alter dennoch nur eine Mini-Rente unter Hartz-IV-Niveau? Bundesarbeitsministerin von der Leyen schlägt Alarm: Selbst mit einem Monatsverdienst von 2500 Euro drohe Altersarmut, der Gang zum Sozialamt. Antworten auf die wichtigsten Fragen von Christoph Slangen.

Wem droht die Mini-Rente?

Die Ministerin hat zwei Szenarien durchrechnen lassen: Wer 35 Jahre ununterbrochen arbeitet, muss von heute an 2500 Euro im Monat verdienen (Stundenlohn 14,20 Euro), damit er im Alter einen Rentenanspruch knapp über dem Niveau der Grundsicherung erzielt. Diese beträgt heute 688 Euro netto. Bei 40 Jahren ununterbrochener Erwerbstätigkeit wird ein Rentenanspruch knapp über Grundsicherungsniveau bei einem konstanten Monatseinkommen von 2200 Euro (Stundenlohn 12,43 Euro) erzielt.

Alle, die weniger verdienen, seien „ohne zusätzliche Altersvorsorge Kandidaten für die Grundsicherung“, schreibt die Ministerin in einem siebenseitigen Brief an junge CDU-Abgeordnete, in dem sie für die Zuschussrente wirbt. Derzeit erhalten rund 400 000 Menschen ab 65 Jahre – knapp 2,5 Prozent der Senioren – wegen zu geringer oder keiner Rente Grundsicherung.

Welche Berufe sind betroffen?

Arzthelferinnen, Bäcker, Dachdecker, Einzelhandelskaufleute, Kellner, Köche oder Erzieherinnen sind Berufsgruppen, die durchschnittlich weniger als 2500 Euro brutto verdienen. Auch Physiotherapeuten, Maler oder Verkäuferinnen fallen laut dem Lohnspiegel der Hans-Böckler-Stiftung dazu.

Wie realistisch sind die Annahmen?

Die Absenkung des Renteniveaus ist seit den Riester-Reformen beschlossene Sache. Zurzeit liegt das Niveau laut Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung vom November 2011 bei 49,8 Prozent. Daraus errechnet sich eine Standardrente West von 1265 Euro und Ost von 1097 Euro.

Das Rentenniveau wird gemessen am Einkommen eines Durchschnittsverdieners. In den Rentenreformen 2003 wurde unterstellt, dass die Beschäftigten mit der Riester-Rente vorsorgen und vier Prozent ihres Einkommens sparen.

Gibt es Alternativen?

Die Arbeitsministerin plant, geringe Renten bis 425 Euro zu verdoppeln. Ab 426 Euro würden Renten dann bis auf 850 Euro aufgefüllt.

Gegner in der Koalition kritisieren, dass damit ein Grundprinzip der Rente ausgehebelt würde, das lautet: Die Höhe der Auszahlung richtet sich weitgehend nach den zuvor geleisteten Beiträgen.

In der Koalition kämpft Ministerin von der Leyen um die Zuschussrente. Im Oktober soll die Entscheidung fallen. Es wird immer wieder über ein Tauschgeschäft spekuliert: Die FDP könnte ihren Widerstand aufgeben, falls die Union in die Abschaffung der Praxisgebühr einwilligt.

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