Eltern beklagen Ausfallstunden : Nordwesten droht Bildungsnotstand

Grillmeister und Koch der Mecklenburger Landpute Felix Klaus ließ die Kohlen glühen. Der Duft von frischem Grillfleisch lockte viele SVZ-Leser an den Aktionsstand.
Grillmeister und Koch der Mecklenburger Landpute Felix Klaus ließ die Kohlen glühen. Der Duft von frischem Grillfleisch lockte viele SVZ-Leser an den Aktionsstand.

Nach monatelangem Lehrermangel in Selmsdorf soll ein neuer Pädagoge an der Grundschule unterrichten. Um zu verhindern, dass Stunden ausfallen, waren sogar Eltern eingesprungen.

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04. November 2010, 12:06 Uhr

Auf Anfrage unserer Zeitung sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums: Das Problem sei behoben, für die acht Grundschulklassen in Selmsdorf steht jeweils ein Lehrer zur Verfügung. Stimmt nicht, sagt dagegen ein Vater. Bei der Schule selbst wollte sich dazu niemand äußern. "Wir dürfen nicht, haben Verbot vom Bildungsministerium", hieß es. Der Elternratsvorsitzende Michael Tauchert sagte: "In der vergangenen Woche hat noch kein neuer Lehrer unterrichtet." Erst jetzt habe die Grundschule Selmsdorf eine Vertretungslehrerin, die die Klasse bis zur Einstellung einer Lehrkraft betreut. Nach Informationen des Bildungsministeriums laufen zurzeit noch Bewerbungsgespräche.

Nicht weniger problematisch sieht es anderenorts aus. In Carlow unterrichten derzeit zwei Lehrer vier Grundschulklassen. Rehnaer Eltern befürchten, dass insbesondere die Schüler der Abgangsklassen den für die Prüfungen notwendigen Lehrstoff nicht ausreichend vermittelt bekommen. Ausfallstunden und Selbststudium sind in den 9. und 10. Klassen keine Seltenheit. Elternvertreterin Christel Völzer: "Für uns sind das Auswirkungen des seit fünf Jahren praktizierten Ganztagsschulunterrichtes, welcher in den wesentlichen Punkten nicht den Bedürfnissen angepasst wurde."

Zielorientierte Unterrichtsstunden mit Fachlehrern sind nun die Antwort in puncto Wissensvermittlung.

Dabei sollte das Modell Selbstständige Schule das Erfolgsrezept in MV sein. Aber Lehrerfluktuation gehört zum Schulalltag. Und neues Personal ist nur schwer zu bekommen. Folglich lassen sich Fächer wie Mathematik und Geografie nicht immer fachgerecht absichern, was sich in Kombination mit lernschwachen Schülern problematisch darstellt.

Gegenüber der SVZ benennen die Lehrer das Problem, wollen wie in Selmsdorf nicht namentlich genannt werden. Sie monieren das Finanzdiktat des Landes gegenüber den Schulen. Die rein an den Schülerzahlen ausgerichteten Budgets der Selbstständigen Schulen torpedieren den Bildungsauftrag. "Bei 70 Prozent der Mittel können wir nicht 120 Prozent erbringen", so ein Lehrer.

Mit dieser Politik würden die Jugendlichen um ihre Chancen auf den Arbeitsmarkt gebracht, denn Firmenchefs registrieren die Wissenslücken, monieren die Eltern.

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