Nordic holt neuen Auftrag

<strong>Lässt die Funken sprühen: </strong>Ingo Gramstat hat gestern die erste Stahlplatte für den Tanker zugeschnitten. <fotos>Reinhard Klawitter</fotos>
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Lässt die Funken sprühen: Ingo Gramstat hat gestern die erste Stahlplatte für den Tanker zugeschnitten. Reinhard Klawitter

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01. Juli 2010, 07:49 Uhr

Schwerin | Überraschung in der Schiffbauhalle: Die Nordic Werften in Wismar und Warnemünde bereiten mit einem ersten Projekt den Einstieg in das Offshore-Geschäft vor. Ab Frühjahr 2011 solle in Warnemünde eine Umrichterplattform für die Anbindung von Windparks in der Nordsee gebaut werden, kündigte Werfteigner Witaly Jussufow gestern in einem Gespräch mit unserer Zeitung an.

Die Planungen würden im Herbst beginnen. Allerdings: Die Finanzierung stehe noch aus. Entsprechende Verhandlungen würden jetzt beginnen, sagte Jussufow. Geschätzter Auftragswert: je nach Größe zwischen 30 und 60 Millionen Euro. Wie viele Beschäftigte über die zum 1. August 2010 unbefristet eingestellten Schiffbauer damit wieder Arbeit finden könne noch nicht genau abgeschätzt werden. Nur so viel: Das Stahlvolumen sei vergleichbar mit dem Bau eines Containerschiffes. Auftraggeber sei Siemens Energy. "Mit dem zweiten Auftrag und weiteren Projekten ergeben sich für die Werften klare Perspektiven", meinte Jussufow. Mit 160 geplanten Windparks auf See gebe es einen hohen Bedarf.

Das Engagement im Offshore-Geschäft sei Teil der neuen Unternehmenstrategie. Finanzielle stünden die beiden Werften "auf soliden Füssen". Derzeit werde die zweite RoPax-Fähre für die Stena-Reederei fertiggestellt und im September ausgeliefert. Künftig solle sich der Standort Wismar auf den Schiffbau, Warnemünde mit seinem großen Werkgelände und dem hohen Kranhaken im Außendock hingegen weitgehend auf Offshore-Projekte konzentrieren. Dazu zählten neben Schiffen für den arktischen Einsatz und Offshore-Anlagen auch Fähren und Passagierschiffe. "Bei Fähren gibt es einen hohen Ersatzbedarf." Dafür verfügten beide Standorte über die entsprechende Anlagen und die Kompetenz. Es gebe "kein Interesse Standortteile zu verkaufen", stellte der Werftchef klar. "Wir wollen über den Spezialschiffbau unsere unternehmerischen Ziele erreichen", sagte er. Mit herkömmlichen Tanker und Containerschiffen gebe es keine Chance, wirtschaftlich zu arbeiten. Der Spezialschiffbau werfe hingegen höhere Margen ab, begründete Jussufow die Neuausrichtung, die schon bei den früheren Eigner der Werften vor Jahren angekündigt, aber nicht umgesetzt worden war.

Dabei schloss Jussufow strategische Partnerschaften oder Beteiligungen nicht aus, weder Joint Venture noch Beteiligungen z. B. des russischen Schiffbaukonzerns OSK. "Das sei "keine ausgeschlossene Option", so Jussufow. Voraussetzung seien aber projektbezogene Kooperationen.

Indes sprühen seit gestern in Wismar indes wieder die Funken. Mit dem Stahlzuschnitt für den im Februar vom russischen Bergbaukonzern Norilsk Nickel bestellten, noch aber nicht komplett finanzierten eisbrechenden Tanker beginnt Nordic mit dem ersten Neubauauftrag. "Ein Meilenstein in unserer Geschichte", sagte Jussufow. Der Tanker bringt zumindest 620 Beschäftigten Arbeit, 80 steckten derzeit in Kurzarbeit. Jussufow geht davon aus, dass nach monatelangen Verhandlungen"zeitnah" eine Einigung mit den Banken über die ausstehende Finanzierung erreicht werden kann. Dabei gehe es lediglich um eine so genannte Anzahlungsgarantie, die ohnehin durch die von Land und Bund angekündigten Bürgschaften bereits abgesichert sei, krtisierte der Werftchef die zögerlichen Verhandlungen. "Damit beschäftigen wir uns jetzt schon seit zehn Monaten. Wir brauchen keinen Bankkredit." Stattdessen sei den Banken selbst das Restrisiko von neun Millionen Euro noch zu hoch.

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