Noch fehlen die Studenten

Im Oktober möchte eine private Fachhochschule (FH) mit zwei Studiengängen in Wittenberge starten. Doch noch sucht die Preußische Akademie für Zukunftsentwicklung interessierte Studenten und Betriebe. Die Resonanz ist unterschiedlich.

von
20. Mai 2008, 07:09 Uhr

Prignitz - Fachkräftemangel. Gebetsmühlenartig wiederholen Prignitzer Unternehmer und Politiker dieses Wort. „Wir wollen etwas dagegen unternehmen“, sagt Hubert Schäfer. Der Geschäftsführer der Gemeinnützigen Bildungsgesellschaft Prignitz-Ruppin mbH verweist auf die in Gründung befindliche private FH.

Ab Oktober sollen erstmals in Wittenberge die Studiengänge Verfahrenstechnik mit dem Profil nachwachsende Rohstoffe und Technologiemanagement mit der Spezialisierung Mechatronik angeboten werden. 15 Studenten pro Fach, nach sechs Semestern winkt der Bachelor.

Kein Erfolg ohne Beteiligung der Betriebe

„Aber die Betriebe sind abwartend“, sagt Schäfer, dessen mbH Träger der FH ist. Und ohne Firmen scheitert das Projekt, denn geplant ist ein duales System: Theorie an der FH, Praxismodule in den Betrieben. Das bedeutet auch, Unternehmen und Studenten finanzieren gemeinsam das Studium. „Betriebe zahlen pro Platz für die Ausbildungszeit 30 000 Euro, Studenten monatlich 120 Euro“, erklärt Schäfer und verweist auf Vorteile. So könnten Firmen Praxisprojekte und Forschungsaufträge von Studenten bearbeiten lassen. Die Studenten wiederum könnten vor Ort einen Studienabschluss erzielen, anschließend in hiesigen Unternehmen arbeiten oder sich ergänzend für einen Masterstudiengang entscheiden.

„Die Not an Fachkräften wird größer, Betriebe können jederzeit einsteigen“, wirbt Schäfer. Zwei große Unternehmen hätten Interesse bekundet, wollen nach Schäfers Angaben langfristig pro Jahr jeweils 15 Plätze finanzieren. Namen nennt er nicht. Nur so viel: „Es sind keine regional ansässigen Firmen.“

Zurückhaltung bei potentiellen Studenten

Noch zögerlicher seien die Jugendlichen. Gerade mal zwei hätten bisher Interesse bekundet. Gymnasien und das OSZ kennen das Angebot. „Natürlich steht die FH allen Studierwilligen offen, aber in erster Linie sprechen wir Schulabsolventen aus der Prignitz an.“

Zusammenarbeit denkbar
Für wichtig erachtet Christoph Gurris dieses Studienangebot. Der technische Geschäftsführer der Prignitzer Chemie könne sich eine Zusammenarbeit vorstellen. „Studenten Projekte oder Themen für Diplomarbeiten anbieten, ist machbar“, sagt er. Ob sein Unternehmen direkt Studienplätze finanziert, bleibe abzuwarten. „Das kann ich kurzfristig nicht sagen“, so Gurris.

Ein klares Bekenntnis kommt auch aus Karstädt von der Firma Schorisch Magis: „Alles was Fachkräfte in der Region hält, ist wichtig“, meint Geschäftsführer Jost Weimer. Die bisher angebotenen Studiengänge passen aber nicht in das Karstädter Profil. „Wir suchen derzeit Schweißtechniker“, sagt er.

An der Realität vorbei Konsequente Ablehnung aus Pritzwalk: „Dieses Angebot geht an der Realität vorbei, ich halte eine weitere FH nicht für notwendig“, sagt Heiner van de Loo, Geschäftsführer des Zahnradwerks. Er begründet dies mit der Präsenzstelle der FH Brandenburg in Pritzwalk. Sie biete verschiedene Fachrichtungen an, derzeit studieren dort etwa 80 Prignitzer. „Auch unsere Kollegen nutzen das Angebot“, so van de Loo. Im Oktober möchte eine private Fachhochschule (FH) mit zwei Studiengängen in Wittenberge starten. Doch noch sucht die Preußische Akademie für Zukunftsentwicklung interessierte Studenten und Betriebe. Die Resonanz ist unterschiedlich.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen