Nie gelernt, zu lernen

Wer nichts für die Schule tun musste, bekommt später, wenn es schwieriger wird, Probleme. Denn das Lernen will gelernt sein. Ganz genau dieses Problem hat auch Paul Schmidt (14) aus Baumgarten. Er ist hochbegabt.

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14. Mai 2008, 08:04 Uhr

Baumgarten - Seit einiger Zeit sieht Pauls Zensurenliste nicht mehr ganz so gut aus wie noch vor einem Jahr. „Da ärgert man sich schon, wenn man nur eine schlechte Zensur bekommt, weil man sich nicht zum Lernen aufraffen konnte“, sagt er. Mit der Zeit hat er sich „aus Langeweile“ einfach zu viele Hobbys angeschafft. Zu seiner Leidenschaft Kanu-Sport kamen noch das Lesen, Computer und das Tischtennis hinzu. „Wenn man sich dann erst mal angewöhnt hat, zu Hause nur zu machen, wozu man Lust hat, geht das nur ganz schwer wieder rückgängig zu machen“, erklärt der Baumgärtner. Pauls Problem: Er musste nie lernen, alles flog ihm zu. Jetzt in höheren Klassen ist das anders. „Zwar verstehe ich alles sehr schnell und kann eigentlich auch alles, aber das reicht jetzt nicht mehr. Faktenwissen kann man ohne lernen einfach nicht aufbringen!“

Seine Lehrerin Elke Polzin sah eine Möglichkeit, die Paul und sein Umfeld wahrscheinlich am wenigsten erwartet hatten. Sie vermutete, dass der 14-Jährige hochbegabt ist. „Das klang auch plausibel, da ich schon immer etwas auffällig war, was mein Verhalten angeht. Also informierte sich meine Familie, und ich ging zu einigen Tests, die die Vermutung bestätigten.“ Denn nach einem Besuch bei einer Schulpsychologin in Güstrow, der Universität Rostock und einem Test im Christophorus-Gymnasium in Rostock „war ich dann sicher und amtlich hochintelligent“, erzählt er schmunzelnd.

„Daraufhin bewarb ich mich beim Christophorus-Gymnasium in Rostock für die Hochbegabten-Klasse. In diesen Klassen werden die Schüler in ganz kleinen Klassen von 10 bis 15 Schülern intensiv gefördert“, erzählt Paul. Im Auswahlverfahren werden die Schüler in Tests auf ihre Qualifikationen, Interessen und Wünsche geprüft. Am Ende werden maximal 15 Glückliche erwählt, die dann im nächsten Schuljahr diese Klasse besuchen dürfen. Paul ist dabei.

„Es wird mir in der Klasse mehr Spaß machen zu lernen, da der Stoff durch den Ganztagsunterricht viel schneller geschafft wird“, glaubt der 14-Jährige. „Außerdem gibt es an der Schule auch viel mehr Möglichkeiten durch Arbeitsgruppen wie ,Jugend forscht’ und die wählbare dritte Fremdsprache.“
Der Haken ist, wie so oft, der Preis. Denn die meisten Schulen, die spezielle Klassen anbieten, sind Privatschulen und teuer. Paul jedoch empfiehlt jedem, der „in der Schule nicht viel machen muss, trotzdem schon mit der gezielten Vorbereitung anzufangen,“ bevor es, wie bei ihm, Probleme gibt.

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