Nicht provinziell in der Provinz - Zum ersten Mal luden am Wochenende Künstler unter dem Motto „Kunst heute“ in ihre Ateliers

Die Süße des Südens - Einen Platz zum Leben und Arbeiten fand  Renate U. Schürmeyer in  Jeese bei Grevesmühlen. In einer Schmiede richtete sie ihr Atelier ein und  präsentierte dort ihre Arbeit „Süße des Südens“. Über den Aktionstag sagt sie: „Es ist wichtig zu zeigen, dass es Kunst auf dem Lande gibt und dieses Land viele Freiräume bietet.“ Foto: Michael Schmidt
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Die Süße des Südens - Einen Platz zum Leben und Arbeiten fand Renate U. Schürmeyer in Jeese bei Grevesmühlen. In einer Schmiede richtete sie ihr Atelier ein und präsentierte dort ihre Arbeit „Süße des Südens“. Über den Aktionstag sagt sie: „Es ist wichtig zu zeigen, dass es Kunst auf dem Lande gibt und dieses Land viele Freiräume bietet.“ Foto: Michael Schmidt

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27. Oktober 2008, 08:17 Uhr

Plüschow - Im Künstlerhaus Plüschow war der Tag der zeitgenössischen Kunst eingebettet in die bereits bewährte Veranstaltung „Plueschow Lounge“. Seit vier Jahren lädt das Künstlerhaus immer wieder zu dieser Form der Ausstellung ein. Für ein Wochenende wird dann das Schloss bei Grevesmühlen zu einer Galerie, die Werke von Künstlern präsentiert, die für einige Monate im Künstlerhaus wohnen und arbeiten, so dessen Leiterin Miro Zahra.

Am Wochenende wurden Arbeiten von Annette Czerny, Renate U. Schürmeyer, Regina Zacharski, Till Freiwald und Ingmar Bruhn gezeigt. Sie sind alle zurzeit in Mecklenburg zu Hause.

MV – nicht „Epizentrum des Kunstbetriebs“
Zum Tag der zeitgenössischen Kunst fand am Sonnabendnachmittag eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Über die Möglichkeiten der Peripherie“ mit den ausstellenden Künstlern statt. Als Gäste waren Christine Hoffmann vom Verein LandKunstLeben aus Brandenburg und Reinhard Buch aus Rostock eingeladen. NDR-Journalist Wolfram Pilz leitete die Talkrunde ein mit der Frage, was die Künstler nach Mecklenburg-Vorpommern getrieben habe.

Annette Czerny, ursprünglich aus Arnstadt, berichtete von ihrer Zwischenstation in Lübeck und im Holsteinischen, dass ihr aber „zu geordnet, zu aufgeräumt“ erschien. In Mecklenburg, das für sie auch mit Kindheitserinnerungen verbunden ist, habe sie die Landschaft gefunden, die sie anspricht, und Menschen, beschrieb Czerny ihre Entscheidung für Pohnstorf.

Der Maler Ingmar Bruhn gab zu bedenken, dass man sich auch als Künstler fragen müsse, ob man ins Großstadtgefüge passe.

Dass der Rückzug in die Provinz nicht ein provinzielles Leben bedeute, betonte Zacharski. Wer im ländliche Raum lebe, um dort zu arbeiten, pflegt meistens trotzdem bestehende Kontakte in die Großstädte. Alle Diskussionsteilnehmer haben zumindest zeitweise in Großstädten in Deutschland und Europa gelebt.

Die Entscheidung für ein Leben in Mecklenburg-Vorpommern ist gleichzeitig eine Entscheidung für die Peripherie, so Wolfram Pilz, denn das Flächenland sei eben nicht gerade das „Epizentrum des Kunstbetriebes“.

„Da sein, wo es echt ist“

Wie Künstler im ländlichen Raum sich vernetzen und gegenseitig unterstützen können, damit hat Christine Hoffmann viel Erfahrung. Seit 2001 arbeitet ihr Verein mit anderen Netzwerken auf regionaler Ebene in Brandenburg, aber auch auf deutschlandweiter und europäischer Ebene zusammen. Für sie liegt die Stärke des ländlichen Raumes in „seinem Charakter des Unfertigen“.

Miro Zahra, selbst auch Künstlerin, brachte den Wunsch derer, die sich für die Peripherie entschieden haben, auf den Punkt mit der Formulierung „da sein, wo es echt ist“.

Authentizität und der intensive Kontakt zu den Menschen in der eigenen Umgebung ist für die meisten Künstler ein Grund für die Arbeit in dieser Region. Sie bemängelten die kaum vorhandenen Vermarktungsmöglichkeiten in Mecklenburg-Vorpommern.

Zahra gab zu bedenken, dass die wirtschaftliche Situation kaum mehr Raum für mehr Galeristen ließe, denn in der Region gebe es zu wenige Käufer für zeitgenössische Kunst. Das Fehlen eines breiten Fachpublikums wurde zu einem zentralen Thema der Talkrunde, an der sich auch das Publikum, mehrheitlich ebenfalls Künstler, beteiligte.

Während Regina Zacharski sich über die häufigen Fragen von Besuchern ihrer Ausstellung freute, warf ein Zuhörer ein, dass es doch kaum die Aufgabe des Künstlers sein könne, ständig seine Arbeiten erklären zu müssen. Auch Till Freiwald sah Vorteile in der Abwesenheit eines großen Fachpublikums.

Dieses würde, so Freiwald, immer die neuesten Tendenzen und damit eine sehr starke Erwartungshaltung mitbringen.

Mit „Kunst heute“ haben Künstler und Museen gemeinam auf die Vielfalt zeitgenössicher Kunst in MV aufmekrsam gemacht. Die Resonanz schätzt Miro Zahra als sehr gut ein.

Allein zu der Eröffnung waren am Freitagabend rund 120 Besucher nach Plüschow gekommen. Auch wenn es wohl hauptsächlich Künstler selbst waren.

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