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Ratgeber Gesundheit: Schulterbeschwerden : Nicht auf die leichte Schulter nehmen

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Es ist unmodern geworden, sich gegenseitig in den Mantel zu helfen. Doch manch einer kommt ohne Hilfe erst gar nicht in die Jacke. Wer Sorgen mit der Schulter hat, kennt die Probleme. Genauso wie fehlenden Schlaf.

svz.de von
erstellt am 19.Mär.2012 | 11:10 Uhr

Es ist unmodern geworden, sich gegenseitig in den Mantel zu helfen. Doch manch einer kommt ohne Hilfe erst gar nicht in die Jacke. Wer Sorgen mit der Schulter hat, kennt die Probleme. Genauso wie fehlenden Schlaf, weil man nicht schmerzfrei auf der Seite liegen kann.

Nach Schätzungen von Fachleuten klagt hierzulande etwa jeder Zehnte über Schmerzen in der Schulter, und es scheinen immer mehr Menschen zu werden. Die Gründe sind vielfältig. Kurz zusammengefasst sind das: zu viel, zu wenig oder die falsche Bewegung. Computerarbeit und schlechte Sitzhaltung gehören dazu, aber auch das lange Arbeiten über Kopf. Andere Auslöser sind bestimmte bewegungs- und kraftintensive Sportarten. Gefährlich in puncto Schulter sind auch bestimmte Ballspiele, Tennis oder Badminton. Bezeichnenderweise spricht man auch von der Volleyballschulter.

Bei Jüngeren Sport, bei Älteren Kalk als Auslöser

"Natürlich spielt auch das Alter eine Rolle. Kommen die Jüngeren eher mit Verletzungen, sind es bei den über 40-Jährigen meist entzündliche Prozesse oder Kalkeinlagerungen", erklärt Dr. Christoph Eichhorn, Vorstandsmitglied im Deutschen Orthopäden-Verband. Die Schulter ist das beweglichste der Gelenke. Knochen, Sehnen, Muskeln und Bänder funktionieren hier gemeinsam.

Eine besondere Bedeutung kommt der Rotatorenmanschette zu, einer Gruppe von vier Muskeln samt Sehnen rund um das Gelenk. Die Rotatorenmanschette ist es, die die Schulterknochen zwischen Oberarmkopf und Schulterblattgelenkpfanne stabilisiert und zentriert. Durch sie wird die extreme Beweglichkeit der Schulter erst möglich. Die orthopädischen Krankheitsbilder der Schulter sind vielfältiger Art. Sehnen, Schleimbeutel, Knorpel, Knochen können entzündet oder degenerativ verändert sein. "Deshalb sollte am Beginn jeder Behandlung jeweils eine gründliche Anamnese stehen. Der Arzt muss wissen, wie lange schon und bei welchen Bewegungen die Schmerzen auftreten", sagt Dr. Eichhorn. Wichtig sei auch, den Arztbesuch nicht vor sich herzuschieben.

Die Zeit kann in vielen Fällen ein wichtiger Faktor bezüglich des Krankheitsverlaufs sein. Manchmal muss sofort oder innerhalb weniger Tage interveniert werden.

Im Hinterkopf sollte man da rüber hinaus haben, dass andere Krankheiten wie Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen auf die Schulter ausstrahlen können. Deshalb ist es wichtig, dem Orthopäden auch die übrigen körperlichen Beschwerden nicht zu verschweigen.

Bei Sportlern relativ häufig ist auch die Verrenkung beziehungsweise Auskugelung des Schultergelenks, auch als Schulterluxation bezeichnet. Unter Vollnarkose oder lokaler Betäubung wird der Arzt mittels chiropraktischer Verfahren das Gelenk wieder in seine angestammte Position bringen. Ehe mit vorsichtiger Mobilisierung begonnen werden kann muss die Schulter eine Zeit ruhig gestellt werden.

Stoßwellentherapie ist effektive Behandlungsmethode

Am meisten verbreitet unter den Beschwerdebildern der Schulter, sieht man einmal von Sportverletzungen und einfachen Verspannungen ab, ist das Impingementsyndrom. Hinter dieser Sammelbezeichnung können sich verschiedenartige Schultererkrankungen verbergen. Der Begriff "Impingement" kommt aus dem Englischen und heißt so viel wie "Zusammenstoß". "Bei einem Impingementsyndrom kommt es zu einer mechanischen Einengung des Raumes zwischen Schultergelenk und dem Schulterdach. Damit verbunden ist ein regelrechter Reibevorgang", sagt der Orthopäde Dr. Eichhorn. In der Folge könne es zu Reizungen, entzündlichen Reaktionen und Rissbildungen der Sehnen der Rotatorenmanschette kommen. Dadurch verstärken sich die Beschwerden. Schmerzen und massive Bewegungseinschränkungen sind die Folge. Damit die Schulter-Beweglichkeit erhalten bleibt, ist Krankengymnastik schon in den ersten Wochen der Erkrankung sehr wichtig.

"Hinter einem Impingementsyndrom kann aber auch eine Kalkschulter oder eine Schultersteife stecken", weiß Dr. Eichhorn. Für besonders schmerzhafte Probleme sorgen die Kalkablagerungen in der Schulter, die hauptsächlich bei Frauen zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auftreten.

Nicht wie man denken könnte, das Schultergelenk selbst ist dabei verkalkt, sondern die Kalkdepots bilden sich in den Strukturen, die das Schulterblatt umgeben, vor allem in den Sehnen. "Gerade die Stoßwellentherapie ist hier eine effektive Behandlungsmethode, leider aber keine Kassenleistung", schränkt der Orthopäde ein.

Eher bei älteren Menschen finden sich verschleißbedingte Veränderungen des Gelenks. Oft ist durch Arthrose die Knorpelsubstanz so weit degeneriert, dass die Knochen aufeinander reiben. Es kommt zu einem Knirschen oder Knacken.

Im Vergleich zur Knie- oder Hüftarthrose ist die Schulterarthrose aber vergleichsweise seltener. Die Schulter unterliegt nun einmal nicht der permanenten alltäglichen Belastung wie die anderen Gelenke.

"Eine Gelenkprothese an der Schulter kann aber höchstens die Schmerzen vermindern, die Beweglichkeit kommt so allerdings nicht wieder", dämpft Dr. Eichhorn übertriebene Erwartungen. Um so wichtiger sei es, die natürliche Schulter in jungen Jahren zu pflegen und deren Muskeln zu kräftigen. Schwimmen und entsprechende Gymnastik sind dazu am besten geeignet, so der Mediziner.

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