Raus aus der Arbeitslosigkeit, rein in die Selbstständigkeit : Neustart ohne Geschmacksverstärker

Ingo Dauer serviert den Dauerbrenner: Hamburger Schnitzel mit Bratkartoffeln - von der Karte des 'früh.mi' nicht wegzudenken. susanne lang
Ingo Dauer serviert den Dauerbrenner: Hamburger Schnitzel mit Bratkartoffeln - von der Karte des "früh.mi" nicht wegzudenken. susanne lang

Entweder es klappt - oder eben nicht" - mit dieser Einstellung hat Dauer den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Seit drei Monaten betreibt er das "früh.mi" in Laage - eineMischung aus Gaststätte und Kantine.

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07. Dezember 2010, 11:56 Uhr

Frühstück und Gerichte wie Hamburger Schnitzel, selbstgemachte Boulette oder Bratkartoffeln stehen fest auf der Karte, zusätzlich serviert Dauer ein wechselndes Tagesgericht. "Heute gibt es Böhmischen Schweinebraten mit Klößen und Rotkohl."

Der gelernte Berufskraftfahrer hat einen Weg aus der Arbeitslosigkeit gesucht. Seine Frau Kerstin betreibt einen Friseursalon in Kölzow und ist zusätzlich im Brautmoden-Geschäft tätig. "Ihre Kunden haben öfter nach einem guten Catering-Service gefragt", erzählt der 36-Jährige. Kurzerhand packten die beiden die Gelegenheit beim Schopf und entwickelten gemeinsam einen Business-Plan.

20 000 Euro hat er in die ehemalige Pizzeria gesteckt

"Eine Küche wie zu DDR-Zeiten" wollten sie anbieten. Das heißt: "ohne künstliche Geschmacksverstärker oder Fertigsaucen", erklärt Dauer. "Es soll wie bei Oma schmecken", ruft Ilse Rothe aus der Küche. Die Rentnerin greift dem frisch gebackenen Gastronom unter die Arme. Auch finanziell hat sich Dauer Unterstützung geholt. "Ohne den neunmonatigen Gründerzuschuss wäre es echt schwierig geworden", sagt er. 20 000 Euro hat er in die ehemalige Pizzeria gesteckt - ein Kredit über 10 000 bei der Gesellschaft für Struktur- und Arbeitsmarktentwicklung (GSA) sei allerdings geplatzt. Die Mühlen der Bürokratie seien vermutlich Schuld. Dauer zuckt die Achseln. "Dann muss ich jetzt eben überbrücken." Ein Gehalt könne er sich nämlich noch nicht zahlen. "Bis jetzt buttere ich selber noch rein", sagt er lachend. Doch Dauer ist zuversichtlich, dass die Laager bald auf den Geschmack kommen. Einige Schüler kämen fast täglich. Einige Stammgäste habe er auch schon. "Die Leute sind noch ein bisschen skeptisch", sagt er. Dabei hat er ein vorbildliches Konzept: Sein Fleischlieferant kommt aus Marlow, die Eier aus Kritzkow, auch Obst und Gemüse bezieht er aus der Region. Dauer ist flexibel. Er bietet Catering außer Haus, vermietet aber auch für Feiern - mit oder ohne Verköstigung, am Wochenende Brunch auf Bestellung. Momentan denkt er über Skatabende nach. "Mal sehen, entweder es klappt - oder eben nicht."

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