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Berliner Modell „Kein Täter werden“ in MV : Neues Projekt gegen sexuellen Missbrauch

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Im Land ist ein neues Präventionsprojekt gegen sexuellen Missbrauch von Kindern geplant. Mediziner wollen das Modellprojekt "Kein Täter werden" von der Berliner Charité nach MV holen.

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erstellt am 18.Jun.2011 | 01:47 Uhr

Im Land ist ein neues Präventionsprojekt gegen sexuellen Missbrauch von Kindern geplant. Mediziner wollen das Modellprojekt "Kein Täter werden" von der Berliner Charité nach Mecklenburg-Vorpommern holen. Das Sozialministerium und die Kinderhilfe begrüßen das Vorhaben.

Der Ansatz: Berlin bietet seit 2005 Männern, die auf Kinder gerichtete sexuelle Fantasien haben, aber keine Übergriffe begehen wollen, therapeutische Unterstützung an. Ziel ist es, sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen sowie Kinderpornographie zu verhindern. In der Ambulanz werden Männer, die Hilfe suchen, anonym behandelt. Dabei geht es den Angaben zufolge um die vollständige Kontrolle von sexuellen Impulsen mit Hilfe von Medikamenten und Verhaltenstherapie.

"Erste Ergebnisse der Behandlungen zeigen eine Abnahme von sexuellen Kontakten zu Kindern", berichtet der Greifswalder Sexualmediziner Dirk Rösing, der ein Jahr lang als Co-Therapeut in Berlin tätig war, und sich für eine Nachahmung in MV stark macht. Dies sei einer der Gründe, dass das Projekt gegenwärtig auch in Schleswig-Holstein, Bayern, Niedersachen und Sachsen etabliert wurde bzw. werden soll. Der Bund fördere die Forschung in Berlin. "Ziel muss es sein, flächendeckende Therapieangebote zur Verfügung zu stellen, um einen effektiven Opferschutz zu gewährleisten - nämlich Taten zu verhindern", sagt Rösing.

"Täterarbeit ist Opferschutz"

Das Kompetenzzentrum Sexualmedizin MV in Greifswald, in dem sich Ärzte mit sexualmedizinischer und psychotherapeutischer Ausbildung vernetzt haben, und die Deutsche Kinderhilfe arbeiten derzeit gemeinsam an der Umsetzung des Vorhabens in MV. Erste Gespräche mit dem Sozialministerium stimmten zuversichtlich, so Rösing.

Im Ministerium gibt es Zustimmung für das Projekt, wie Pressesprecher Christian Moeller bestätigt. Drei Monate vor der Wahl könne jedoch noch keine konkrete Zusage gemacht werden, da die Fördersumme für die anonymen Behandlungen von den Haushaltsverhandlungen nach der Wahl abhänge.

Die Kosten für das Projekt werden auf rund 135 000 Euro im Jahr geschätzt. Zugrunde liegen Statistiken. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass etwa ein Prozent aller Männer pädophile Neigungen aufweist. Für MV wären damit rund 5000 Männer betroffen. Nach den Erfahrungen aus Berlin gehen die Mediziner davon aus, dass sich in MV etwa 200 Männer melden werden. Voraussetzung für eine Behandlung ist beispielsweise, dass es keine laufenden Strafermittlungsverfahren gibt.

"Ich appelliere an die Verantwortlichen in der Landespolitik, die erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen", sagt Rainer Becker, Regionalbeauftragter Nord der Deutschen Kinderhilfe in MV. Wenn man die Sicherheit der Kinder nachhaltig verbessern wolle, müsse man sich davon lösen, die Arbeit mit potenziellen Tätern, die es nicht werden wollen und auch mit rückfallgefährdeten Tätern zu tabuisieren. "Täterarbeit ist Opferschutz", meint Becker.

Eine anonyme Hotline ist bereits geschaltet. Unter der Telefonnummer 0174 9113044 können Männer aus dem Land einen ersten Vorstellungstermin vereinbaren. Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter: www.kein-taeter-werden.de.

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