Neues Leben in der Stepenitz

Vor rund 90 Jahren sind sie im Stepenitzsystem ausgestorben, inzwischen fassen sie dort langsam wieder Fuß – oder Flosse: 40 000 Junglachse haben in dem Fluss und seinen Nebenarmen ein neues Zuhause gefunden.

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07. Oktober 2008, 06:56 Uhr

Telschow/Prignitz - Sechs Monate alt sind die Junglachse, die in der Stepenitz, der Dömnitz und der Kümmernitz ausgesetzt wurden. Sie stammen aus dem dänischen Fluss Skjern À. In dessen Gewässern lebt nach Einschätzung des dänischen „Centers for Vildlaks“ ein Lachsstamm, der sich selbst reproduziert, der geografisch der Elbmündung am nächsten ist und dessen Lebensraum die Nordsee ist, in die bekanntlich auch die Elbe mündet.

Damit kommt dieser Lachs den Lebensbedingungen im Elbe- und Stepenitzsystem am nächsten, beschreibt Steffen Zahn vom Institut für Binnenfischerei aus Potsdam. Letzteres begleitet das Projekt zur Wiederansiedlung von Lachs und Meerforelle seit dem Beginn 1999 im Auftrag des Landesanglerverbandes Brandenburg. Finanziert wird das Vorhaben aus der Fischereiabgabe des Landes Brandenburg. Allein die jüngst ausgesetzten Lachse kosteten rund 20 000 Euro, berichtet Ulrich Thiel vom Landesanglerverband.

Frühes Revierverhalten
„Die Lachse sind etwa sechs bis acht Zentimeter groß und zeigen bereits ein gewisses Revierverhalten. Das heißt es können immer nur wenige Fische an einem Platz ausgesetzt werden“, sagt Steffen Zahn. „Deshalb brauchen wir eben viele Helfer um die Fische großflächig zu verteilen“ Und die gab es: Mitglieder des Kreisanglerverbandes Prignitz mühten sich ebenso wie Angler aus Berlin und Potsdam, um den Jungfischen ein neues Zuhause zu geben.

Am Oberlauf von Stepenitz, Dömnitz und Kümmernitz erledigten das die Helfer, ausgerüstet mit Wathosen und Gummikleidung, direkt in den Fluten. Unterhalb von Wolfshagen wurden die Junglachse vom Boot aus ausgesetzt. „Damit erreichen wir Stellen die sonst vom Ufer aus unzugänglich wären und können die Fische so deutlich besser im Fluss verteilen“, sagt Zahn. In diesem Jahr haben die Experten laut Zahn ganz bewusst etwas größere Lachse für das Projekt ausgewählt – auch wenn die deutlich teurer seien als frisch geschlüpfte Brütlinge. „Die Junglachse haben eine deutlich höhere Überlebensquote. Untersuchungen haben außerdem ergeben, dass sie sich ihr Heimatgewässer sehr gut einprägen und dorthin zurückkehren, um zu laichen und für Nachwuchs zu sorgen“, so der Fischereibiologe.

Die Jungfische werden noch einige Wochen in der Stepenitz und den Nebenarmen verbringen. Dann machen sie sich auf den Weg in Richtung Nordsee. Dort werden sie etwa zwei bis drei Jahre leben, sich von Krebsen und Hering ernähren, um dann den Aufstieg in die Laichgewässer zu unternehmen: über den Hamburger Hafen, die Elbe hinauf bis zur Mündung der Stepenitz.
Auf ihren Weg haben die Fische eine Vielzahl an Hürden zu überwinden. Die größte Gefahr für die Tiere sind die Netze der Fischer in der Nordsee und in der Unterelbe, und im oberen Bereich müssen die Lachse ebenfalls Reusen und Netze umgehen.

Suche nach Rückkehrern
An diesem Freitag werden die Fischereibiologen aus Potsdam wieder in Perleberg an der Stepenitz sein, um Probefischungen zu unternehmen und zu kontrollieren, wieviele Lachse und Meerforellen – sie hatten bereits vor drei Jahren das Stepenitzsystem verlassen – in diesem Jahr den Rückweg gefunden haben. Zahn hofft, einige seiner Schützlinge in beeindruckender Größe wieder zu finden. Bis zu 80 Zentimeter lang und mehr als vier Kilogramm schwer sind manche der Fische, wenn sie zum Laichen in die Stepenitz zurückkehren. Als Erfolg können Steffen Zahn, Ulrich Thiel und ihre Helfern verbuchen, dass in den vergangenen Jahren bereits nachweislich Jungfische in der Stepenitz aus dem Ei geschlüpft sind – echte Prignitzer Lachse.

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