zur Navigation springen

Universität Greifswald : Neuer Streit um Namensgeber Arndt

vom

Namen sind nicht in jedem Falle Schall und Rauch. Im Falle der Greifswalder Universität wird schon seit Jahren Anstoß am Namenspatron Ernst Moritz Arndt genommen.

svz.de von
erstellt am 04.Nov.2011 | 11:11 Uhr

Namen sind nicht in jedem Falle Schall und Rauch. Im Falle der Greifswalder Universität wird schon seit Jahren Anstoß am Namenspatron Ernst Moritz Arndt genommen. Nun soll die Debatte um den angeblichen Nationalisten und Judenhasser aus dem 19. Jahrhundert offenbar in eine neue Runde gehen. Losgetreten hat die Diskussion die weitgehend bei Nacht operierende Greifswalder Sektion der Hedonistischen Internationale. Sie fordert „Arndt von Sockel fegen“.
Auf eine Anfrage unserer Redaktion haben die Hedonisten bislang nicht reagiert. Gemäß ihrem Manifest wollen die Hedonisten „Freude, Lust, Genuss und ein selbst bestimmtes Leben in Freiheit für alle Menschen!“ Niemand außer den Handelnden sei für Aktionen verantwortlich, heißt es dort weiter. Eine der letzten Aktionen der Greifswalder Akteure fand am 555. Jahrestag der Universitätseröffnung zu nächtlicher Stunde vor dem Uni-Hauptgebäude statt. Jedenfalls verweist ein Video darauf, dass das Greifswalder Internetportal „fleischervorstadtblog“ ins Netz gestellt hat. Die maskierten Hedonisten fordern auf einem Transparent eine namenlose Uni Greifswald und skandieren „Wir haben Euch gewarnt. Wir haben keinen Bock auf Arndt“ und „Mit der EMAU (Ernst Moritz Arndt Universität) ist jetzt Schluss – gebt dem Arndt den Gnadenschuss“.
Der Unmut rührt offenkundig daher, dass auch 18 Monate nach der Senatsentscheidung nicht mit einer kritischen Aufarbeitung des universitären Namenspatrons begonnen wurde. Damals gab es eine Abstimmung unter den Studenten für oder gegen Arndt. Etwa zehn Prozent der Kommilitonen beteiligten sich daran. Eine Mehrheit gegen Arndt kam nicht zustande. Auch der Senat hatte sich des Themas angenommen. Vorangetrieben von einigen Professoren und dem studentischen Senator Sebastian Jabbusch wurde die Problematik vielschichtig beleuchtet. Gutachter rieten zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Arndt auf wissenschaftlichem Niveau. An der Tatsache, dass die Nationalsozialisten es waren, die an Arndt einen Narren gefressen hatten, wurde erinnert. Ebenso an die Tatsache, dass es die Nazis waren, die der Uni diesen Namenspatron aufs Auge drückten.

Offensive Auseinandersetzung gefordert
Daran erinnern nun auch die Greifswalder Hedonisten: „Wir finden es unerträglich, dass die ehrwürdige Alma Mater Gryphiswaldensis weiterhin durch den Namen des Rassisten Ernst Moritz Arndt besudelt wird, welcher von den Nationalsozialisten als Vordenker betrachtet wurde und deswegen 1933 von Hermann Göring zum Namenspatron ernannt wurde. Entnazifizierung des Uninamens selber machen!“, fordern sie.
Bei der Aktion der Nachtgespenster ist es aber nicht geblieben. Wenige Tage später meldete sich der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) zu Wort. Er verwies darauf, dass der Namenspatron als kritische Figur der Zeitgeschichte immer noch nicht genügend Beachtung seitens der Universitätsleitung gefunden habe. „Die Studierendenschaft verlangt weiterhin eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema und kein bloßes Totschweigen von Seiten der Universitätsleitung“, hieß es. Rektor Rainer Westermann müsse „endlich seinen Elfenbeinturm verlassen und die Studierenden und ihre Forderungen ernst nehmen“, so Franz Küntzel, AStA-Referent für Hochschulpolitik. Die Uni-Leitung zeigt sich gelassen. Es werde immer wieder Kräfte und Aktionen geben, die sich an Arndt reiben, so Sprecher Jan Messerschmidt. Die Uni sei sich der Zwiespältigkeit des Namenspatrons bewusst.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen