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Milchbauerntag in Karow : Neue Vermarktungswege für die Milch

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Der Rohstoff Milch wird derzeit so hoch gehandelt wie nie. Momentan sei die Nachfrage ungebremst. Doch die hohen Preise kommen bei den Bauern nicht an. Das muss sich ändern - die Branche braucht neue Vermarktungswege.

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erstellt am 17.Apr.2013 | 11:22 Uhr

Der Rohstoff Milch wird derzeit so hoch gehandelt wie noch nie. Momentan sei die Nachfrage ungebremst. Doch die hohen Preise kommen bei den Bauern nicht an. "Die Bauern bekommen derzeit einen Milchpreis von gerade mal rund 33 Cent pro Kilogramm", erzählt Peter Guhl, Vorsitzender der Milchboard MV. "Die Bauern müssten 57 Cent bekommen. Wenn Angebot und Nachfrage den Markt regeln, müssten die Milchpreise ja steigen. Doch das ist nicht der Fall." In Mecklenburg-Vorpommern sind viele der Betriebe genossenschaftlich organisiert. Dies bedeute, dass die Bauern an die Genossenschaften liefern müssten. "So kann der Wettbewerb auf dem Markt nicht funktionieren", ergänzt Guhl.

Es muss sich einiges ändern - die Branche braucht neue Vermarktungswege. Besonders im Hinblick auf das Jahr 2015. Laut EU wird ab dem 1. April die Milchquote wegfallen. Wie sich der Markt ohne Begrenzung der Milchliefergrenze gestalten lässt, war Thema des 6. Milchbauerntages in Karow.

Rund 80 Milcherzeuger, Landwirtschaftsminister Till Backhaus, Vertreter der EU sowie Bauernvertreter aus Nordirland und Belgien debattierten über neue Strategien. Der Bundesverband Deutscher Bauern, Initiator der Veranstaltung, tritt für eine weitere Mengenregulierung in der EU ein. "Es dürfe keine Milch produziert werden, die nicht gebraucht wird", so BDM-Landesteamleiter Christian Karb. Eine Möglichkeit wäre eine sogenannte Milchmonitoringstelle, die die Trends auf dem Markt rechtzeitig erkenne und so die Entwicklungen steuern könne.

Ein weiteres Thema war die Bündelung der Milchangebote. Eine Gemeinschaft wäre eine Möglichkeit für Bauern, ihre Position in den Preisverhandlungen mit den Molkereien zu stärken. Im Januar war nach dem Vorbild der Bayern MeG die Norddeutsche Milcherzeugungsgemeinschaft Nord MeG als gemeinsame Vermarktungsorganisation gegründet worden. Das Ziel sei, höhere Milchpreise zu erzielen und so die Existenz der Milchbauern zu sichern. "Es muss allerhand passieren. Wir werden auf den freien Markt entlassen. Es wird Zeit, die alten Strukturen abzulegen", erklärt der Geschäftsführer der Bayern MeG Markus Seemüller. 60 Jahre lang stand der Markt unter der schützenden Hand des Staates. Ab 2015 falle dies weg. "Wir brauchen ganz klar gesetzliche Rahmenbedingungen. Und auch die Bereitschaft der Bauern mitzuwirken."

Nach Ansicht der Landesregierung sind die Bauern in Mecklenburg-Vorpommern gut auf den Wegfall der Milchquote aufgestellt. "Die Anträge auf Investitionen in dem Sektor bei uns sind ungebremst", sagt Agrarminister Till Backhaus. Die Umstrukturierung zugunsten größerer Betriebe gehe weiter. Im Nordosten gebe es noch 900 Milchviehhalter, 130 weniger als 2008. Die Zahl der Milchkühe stieg dagegen um 4000. Kritik äußerte Backhaus am Lebensmittelhandel, dessen Gewinne von den Bauern über den "desaströsen Milchpreis" subventioniert würden. "Bei einem Milchpreis von 34 Cent pro Kilogramm Milch - wie derzeit - subventioniert jeder Milchbauer die Konzerne mit 5 Cent", so Backhaus. Grund dafür sei, dass die Bauern diese Gelder erst nach einer 90-Tage-Frist bekämen, obwohl der Handel das Geld bei Frische produkten schon nach maximal zehn Tagen in den Kassen hätte.

"Einen Milchmarkt ohne Grenzen - Sind wir auf dem richtigen Weg?" Die Hauptfrage auf dem 6. Milchbauerntag wurde in Karow zwar nicht eindeutig beantwortet, doch zahlreiche Strategien wurden vorgestellt und diskutiert. Es sei schwierig, den richtigen Weg zu finden. Doch die Schilder, in welche Richtungen sich die Branche orientieren könne, wurden nun aufgestellt.

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