Neue Stromzentrale für die Region

Rundgang auf sonst gesperrtem Gebiet, Hagenows Bürgermeisterin Gisela Schwarz (li) im Gespräch mit Boris Schucht, Vorstandsmitglied der Wemag. Fotos:Pohle
Rundgang auf sonst gesperrtem Gebiet, Hagenows Bürgermeisterin Gisela Schwarz (li) im Gespräch mit Boris Schucht, Vorstandsmitglied der Wemag. Fotos:Pohle

In knapp einem Jahr ist an der Hagenower Bahnhofstraße eine strategisch wichtige Schaltanlage entstanden, die künftig mehr als nur die Versorgungssicherheit einer ganzen Region sichern soll.

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29. September 2008, 08:14 Uhr

Hagenow - Die Wemag AG hatte für die Eröffnungsfeier der Anlage mit dem nüchternen Titel „110-KV Schaltanlage“ gestern groß aufgefahren. Der Aufwand erklärt sich weniger durch die Höhe der Investitionen als vielmehr durch die Aufgaben, die die hochmoderne Zentrale erfüllen soll. Es geht um die sichere Stromversorgung, es geht um den Hochspannungsbereich und es geht um viele Zukunftsprojekte. Vereinfacht gesagt eröffnet das 4,3 Millionen Euro teure Projekt einer ganzen Region den Eintritt in ein neues Zeitalter der Stromversorgung.

Die Anlage an der Bahnhofstraße schafft z. B. die Verbindung zwischen der Stromfernleitung Schwerin(Görries)-Hagenow mit der Verbindung Hagenow-Perleberg. In der Folge kann die Stichleitung in Richtung Wittenburg, Zarrentin und Boizenburg nunmehr sicher aus zwei Quellen gespeist werden. Das ist nicht nur für den Notfall wichtig, sondern auch für die tägliche Vesorgungssicherheit. Gerade in Anbetracht der vielen Betriebe und Neuansiedlungen in diesen Bereichen ist das sicher eine gute Nachricht.

Die neue Anlage in Hagenow soll aber noch mehr können. Sie ist z. B. technische Voraussetzung für die Einbindung einer neuen 110-Kilovolt-Leitung, die von Hamburg (Krümmel) nach Schwerin-Görries gebaut wird. Das ist die große Freileitung, um die in der Region seit Jahren gestritten wird. Nur das unter die geplante 380 Kilovolt-Leitung als quasi Strom-Autobahn dann noch eine 110-Kilovolt-Leitung gehangen wird. Mit dem Projekt, das kommenden Jahres wohl starten soll, wäre für den Bereich des alten Kreises Hagenow eine Ringlösung in der Stromversorgung komplett.

Nächster wichtiger Punkt ist die möglichst schnelle Ableitung des Stroms, der aus alternativen Energiequellen kommt. Schon jetzt gibt es für den Strom, der aus Bioanlagen oder von Windmühlen kommt, in Mecklenburg keine Abnehmer. Und das Problem wird sich in den kommenden Jahren noch deutlich verschärfen. Die Wemag rechnet für ihre Region mit einer Verdopplung der Stromerzeugung aus alternativen Energiequellen in den kommenden Jahren. Dafür will man gewappnet sein.

Stabilere Versorgung auch für Hagenow
Die gestern von Wemag-Vorstandsmitglied Boris Schucht im Beisein von Bürgermeisterin Gisela Schwarz eröffnete Anlage bietet schlussendlich auch für die Stadt Hagenow eine größere Versorgungssicherheit, auch weil Hochspannungsleitungen zum Teil neu verlegt und in der Anlage zusammengeführt wurden. Und die neue Anlage soll nicht der Schlusspunkt der Modernisierung sein, bisher hing Hagenows Stromschicksal an der aus den 1930-er Jahren stammenden Stromleitung nach Schwerin Görries. Diese Leitung soll in den kommenden Jahren mit beachtlichen Aufwand modernisiert werden.

Das Wemag-Vorstandsmitglied verwies gestern in seiner Rede auf zwei Tendenzen. Zum einen werde sich Mecklenburg weiter vom Stromempfänger zum Stromexporteur entwickeln, zum anderen gäbe es gerade im Bereich der Infrastruktur noch einen gewaltigen Aufholbedarf. Für Schucht im übrigen ein Grund für die vergleichsweise hohen Strompreise in der Region. Die Hagenower können in der Bahnhofstraße wenigstens nun teilweise sehen, wie moderne Strominfrastruktur so aussieht.

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