Fall Barschel : Neue Spur nach 25 Jahren

<strong>Uwe Barschel </strong>starb 1987.<foto>dpa</foto>
Uwe Barschel starb 1987.dpa

Auf den ersten Blick hört es sich vielversprechend an: Eine neue DNA-Spur könnte im Fall des vor 25 Jahren ums Leben gekommenen CDU-Politikers Uwe Barschel für einen Durchbruch bei den festgefahrenen Ermittlungen sorgen.

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29. Juli 2012, 07:24 Uhr

Kiel/Hamburg | Auf den ersten Blick hört es sich vielversprechend an. Knapp 25 Jahre nach dem mysteriösen Tod von Uwe Barschel in einem Genfer Hotelzimmer haben Spezialisten des Landeskriminalamts in Kiel DNA-Spuren eines Unbekannten an der Kleidung des CDU-Politikers gefunden. Könnte damit nun doch noch Licht in den bislang ungelösten Polit-Krimi um den früheren schleswig-holsteinischen Regierungschef kommen? Klären die Spuren, ob sich Barschel nach der Waterkant-Affäre 1987 umgebracht hat oder ob er womöglich doch ermordet wurde, weil er angeblich über illegale, internationale Waffenschiebereien auspacken wollte?

Für den früheren schleswig-holsteinischen CDU-Abgeordneten Werner Kalinka, der bereits Bücher über den Fall verfasst hat, steht schon lange fest, dass Barschel ermordet wurde. Er sieht sich durch die Ergebnisse der von ihm selbst 2010 angeregten DNA-Analyse von Asservaten in seiner Vermutung bestätigt. Stehe doch nun fest, dass es eine zweite Spur gebe, die nicht von Barschel selbst stamme, und dass dieser damals in seinem Hotelzimmer eigentlich nicht allein gewesen sein könne. In der Tat haben die Spezialisten Rückstände von DNS (engl.: DNA) einer fremden Person auf der Strickjacke, den Socken und der Krawatte sichergestellt, die der CDU-Politiker in der Nacht seines Todes 11. Oktober 1987 im Genfer Hotel "Beau Rivage" trug. Auch auf einem Hotel-Handtuch im Zimmer 317, in dem Barschel tot in der Badewanne lag, seien Spuren entdeckt worden, berichtet die "Welt am Sonntag".

Doch helfen sie bei der Lösung des Falls? Sicher ist bislang nur, dass Barschel 1987 in einen der größten deutschen Politskandale verwickelt war, bei dem SPD-Spitzenkandidat Björn Engholm illegal ausgespäht und denunziert wurde. Als Ministerpräsident gab Barschel damals sein "Ehrenwort", dass die Vorwürfe haltlos seien. Rund eine Woche später trat er zurück, noch drei Wochen später war er tot. Während etliche danach auf einen Selbstmord aus Verzweiflung schlossen, mehrten sich später Stimmen, die von einem Mord ausgingen.

Und nun? Für die Staatsanwaltschaft Lübeck gibt es trotz der Spur bislang keinen Grund für neue Ermittlungen. "Die Ergebnisse können der Staatsanwaltschaft Lübeck keinen Anlass geben, in die Todesermittlungssache wieder einzutreten", sagte Oberstaatsanwalt Ralf Peter Anders dem NDR.

Genetischer Fingerabdruck

Der genetische Fingerabdruck ist eines der erfolgreichsten Instrumente auf der Jagd nach Verbrechern: Laut Bundeskriminalamt konnten bislang 104 000 Spuren einer Person zugeordnet und damit wohl eine Tat aufgeklärt werden. Bei der Analyse werden Teile der Erbsubstanz Desoxyribonukleinsäure (DNS - engl.: DNA) untersucht. Für einen Test genügen geringste Spuren von Sperma, Schweiß oder Speichel sowie Haare oder Hautschuppen – wenn sie vollständig erhalten sind, reichen sie oft auch noch nach Jahrzehnten. 1986 wurde in Deutschland so das erste Verbrechen gelöst – ein Mann hatte zwei Schülerinnen ermordet. Die 1998 angelegte DNA-Analyse-Datei des BKA umfasst derzeit rund 960 000 Datensätze, jeden Monat kommen etwa 8000 neue hinzu. Die aufgeklärten Fälle reichen von Sachbeschädigung und Diebstahl bis zum Mord.

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