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Öko-Motoren aus Rostock : Neue Motoren gegen dicke Luft auf den Meeren

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Im Rostocker Caterpillar-Werk werden künftig umweltfreundlichere Schiffsmotoren hergestellt. In den kommenden Jahren sollen Motoren auf den Markt gebracht werden, die mit Diesel wie auch mit Gas betrieben werden können.

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erstellt am 01.Apr.2011 | 07:31 Uhr

Rostock | Die Luft auf der Ostsee und vielbefahrenen Meeren wird immer dicker, schuld ist der Rauch aus den Schornsteinen der Ozeanriesen. Damit soll bald Schluss sein, die International Maritime Organization (IMO) hat die Grenzwerte für verschiedene Luftschadstoffe drastisch herabgesetzt. Einschränkungen gelten von 2015 an für den Ausstoß von Schwefel und von 2016 an für Stickoxide.

„Bislang waren die Anforderungen moderat“, sagt Udo Schlemmer-Kelling, Entwicklungschef des Motorenherstellers Caterpillar Motoren Rostock GmbH. Sie hätten mit kleineren Verbesserungen der bestehenden Technik erfüllt werden können.

„Das wird in Zukunft nicht möglich sein, mit herkömmlichem Motortuning kommen wir nicht weiter“, schildert Schlemmer-Kelling die Situation. Einer der möglichen Wege ist die Entwicklung von Motoren, die sowohl das herkömmliche billige Schweröl mit hohem Schwefelanteil als auch umweltfreundliches Gas zum Antrieb benutzen können.

„Gasmotoren gibt es schon lange, jetzt muss der Motor noch aufs Wasser“, sagt der Ingenieur. Ziel ist der „Dual Fuel Motor“. Start der Serienproduktion der mehr als 200 Tonnen schweren Maschinen soll 2014 sein.

„Die beiden Kraftstoffe mögen sich nicht so gerne. Das ist die Kunst, an der wir arbeiten müssen“, sagt Schlemmer-Kelling. Eines der zentralen Probleme, über denen in den kommenden Jahren Techniker von Caterpillar zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Rostock brüten werden, sind die Anforderungen zur Sicherheit und Verfügbarkeit des Gases. Wirtschaftsstaatssekretär Stefan Rudolph übergab am Freitag einen Förderbescheid über 1,2 Millionen Euro, das Projektvolumen beträgt vier Millionen Euro.

Für das „Öko-Motor-Projekt“ wurde ein hochmoderner Serienprüfstand eingerichtet, ein zweiter befindet sich in der Endinstallation. Nach Worten von Egon Hassel von der Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik an der Universität Rostock hat die neue Gesetzgebung zu diesem Innovationsschub geführt.

Erster Einsatz der neuen Motoren werde in den Scandlines-Fähren sein, die derzeit in Stralsund gebaut werden - zunächst würden sie aber als reine Dieselmotoren geliefert und später nachgerüstet.
Aufwendig sei vor allem die Steuerung und Überwachung des Leitungssystems. „Wenn es bei Flüssigstoffen irgendwo ein bisschen tropft, ist es nicht so schlimm“, sagt Schlemmer-Kelling. „Ein Gasleitungssystem muss dicht sein - ohne Wenn und Aber.“

Ein Problem, das erhebliche bauliche und betriebswirtschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen wird, ist der Vergleich der Leistungsfähigkeit zwischen Schweröl und Gas. „Normalerweise hat Gas 20 bis 25 Prozent weniger Leistung aus dem gleichen Hubraum“, sagt Schlemmer-Kelling. Die Folge davon sei, dass für Gas ein etwa viermal so großes Tankvolumen benötigt wird, um die gleiche Energie zu speichern wie bei Schweröl. „Da werden entweder die Schiffe größer oder sie haben weniger Ladung.“

Staatssekretär Rudolph sieht in dem neuen Forschungsverbund erhebliche Vorteile für Mecklenburg-Vorpommern. „Wir haben gute Ingenieure, wir haben gute Hochschulen - die bringen wir zusammen.“ Üblicherweise seien die Forschungsabteilungen großer Firmen in deren Zentralen. Und die liegen nun mal nicht im Nordosten. Wenn dem Caterpillar-Beispiel weitere Firmen folgten, steige die Wertschöpfung im Land und damit auch das Selbstvertrauen der Menschen. Das Projekt sei auch eine Entwicklungschance für den gebeutelten Schiffbau, der seit 2009 einen 50-prozentigen Umsatzrückgang beklagen musste.

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