Schwerin : Neue Ideen für altes Krankenhaus

Der Eingang zum ehemaligen Seuchenhaus sieht malerisch aus und lässt auch Steffi Rogin von der Schweriner Denkmalbehörde und Hans-Jürgen Wehner von der Wirtschaftsförderung  von neuen Nutzungsmöglichkeiten träumen.reinhard Klawitter
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Der Eingang zum ehemaligen Seuchenhaus sieht malerisch aus und lässt auch Steffi Rogin von der Schweriner Denkmalbehörde und Hans-Jürgen Wehner von der Wirtschaftsförderung von neuen Nutzungsmöglichkeiten träumen.reinhard Klawitter

Auf das Areal der ehemaligen Werderklinik soll wieder Leben einkehren. Bei dem Interessenbekundungsverfahren, seien zahlreiche Vorschläge eingegangen, so Wehner von der Schweriner Wirtschaftsförderung.

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11. Mai 2011, 11:25 Uhr

Auf das riesige Areal der ehemaligen Werderklinik soll bald wieder Leben einkehren. Bei dem Interessenbekundungsverfahren, das die Stadt Anfang des Jahres ausgelobt hatte, seien zahlreiche Vorschläge und Angebote eingegangen, so Hans-Jürgen Wehner von der Schweriner Wirtschaftsförderung. Die aus Sicht der Experten vielversprechendsten Varianten würden bald den entsprechenden Gremien der Stadt vorgestellt. Noch vor der Sommerpause der Stadtvertretung könnte man sich auf einen Kandidaten einigen, der dann auch den Zuschlag erhält. Das gesamte Investitionsvolumen für das 22 000 Quadratmeter große Areal mit zahlreichen denkmalgeschützten Krankenhausbauten, Heiz- und Waschhaus, Schwesternbaracken, Pförtnerhaus und einem Einfamilienhaus schätzt Wehner auf zwölf Millionen Euro. Was genau zwischen Werder- und Barcastraße entstehen könnte, will er aber noch nicht verraten.

Mehr als 150 Jahre Schweriner Krankenhausgeschichte spiegelt das weitläufige Gelände heute wieder - und es zeigt auch, wie schwer ehemals prächtige und jetzt denkmalgeschützte Nutzbauten heute zu vermarkten sind. Seit dem Auszug der Pathologie stand es viele Jahre leer, bis ein "Zufallskontakt", wie Weh ner es nennt, den Stein Ende vergangenen Jahres ins Rollen brachte und gleich mehrere ernsthafte Interessenten anlockte. Das Areal wirkt mit seinen Gebäuden aus verschiedenen Jahrzehnten und seinem alten Baumbestand verlassen, fast verwunschen, erstaunlich uneinheitlich und nicht überall malerisch. "Ein Denkmal muss nicht in erster Linie schön sein. Es ist vor allem ein Zeitdokument", sagt Steffi Rogin von der Denkmalschutzbehörde Schwerin. Von diesen Dokumenten gibt es hier viele.

1840 wurde das Krankenhaus nach Entwürfen des berühmten Hofbaurates und Stadtplaners Georg Adolf Demmler gebaut - ein zweieinhalbgeschossiger, 15-achsiger Putzbau mit flach geneigtem Walmdach. "Schon Ende des 18. Jahrhunderts hatte Schwerin ein kleines Stadtkrankenhaus mit ambulanten Ärzten und Stationen in der Bergstraße", sagt Steffi Rogin . "Die große Werderklinik war sozusagen der nächste Schritt." Die Freifläche bis an den See hinunter ließ genügend Entwicklungspotenzial, das in den Folgejahren auch reichlich genutzt wurde. Gegen 1870 kam zuerst das Seuchenhaus hinzu. "Epedemien wie die Cholera zum Beispiel waren in Städten zu dieser Zeit ein großes Problem. Die Patienten mussten außerhalb der Stadt isoliert werden", erklärt Rogin. Das ehemalige Seuchenhaus ist als einziges und größtes seiner Art in Schwerin bis heute erhalten - und steht natürlich unter Denkmalschutz.

1901 wurde eine Infektionsbaracke errichtet, die 1927 zur Heizstation umgebaut wurde. 1913 kam ein Küchen- und Waschhaus hinzu. "Beide dokumentieren in ihrer Bauweise als Mauerfachwerkbau den zeittypischen Umgang mit sich wandelnden Nutzungstechnischen Anforderungen", erklärt Steffi Rogin die Unter-Schutz-Stellung. Für einen neuen Investor stellen diese alten Häuser allerdings eine echte Herausforderung dar.

1922 begannen die Planungen für die Erweiterung des Krankenhauses unter Leitung des Stadtbaudirektors Andreas Hamann. 1931 war der Bau vollendet, zusammen mit dem Pförtnerhaus, in dem offensichtlich lange Zeit auch der Verwaltungsdirektor der Klinik wohnte - die Räume im oberen Stockwerk deuten darauf hin. Exakte Bau- oder Nutzungspläne sind jedoch kaum noch erhalten.

1954 wurde im hinteren Grundstücksbereich dann ein Einfamilienhaus für den Chef errichtet - ein typisches Beispiel für Wohnungsbau in der Nachkriegszeit und ein Haus, das, wie der Laie meint, genau so an vielen anderen Stellen in Schwerin zu finden ist. Es ist jedoch so unverfälscht erhalten, dass es unter Denkmalschutz gestellt wurde, inklusive der beachtlichen Hainbuchenhecke, die allerdings dringend einen Rückschnitt nötig hat. Der Bau der Pathologie schloss in den 60er-Jahren die Entwicklung des Areals ab. Sie steht übrigens nicht auf der Liste der Denkmalbehörde.

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