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Wiedereröffnung im Frühjahr : Neue Farbe für die Niederländer

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Insgesamt fünf Ausstellungsräume sind leergezogen und werden jetzt von Handwerkern statt von Kunstfreunden bevölkert. Von Jahresanfang bis Ostern dauern ihre Sanierungsarbeiten im Staatlichen Museum Schwerin.

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erstellt am 25.Jan.2011 | 09:17 Uhr

Altstadt | Günther Pries fackelt nicht lange. Beherzt nimmt der erfahrene Haustechniker das Messer in die Hand und sticht zu, durchschneidet mehrere Schichten Stoff, dann Papier, landet schließlich auf rohen Holzplanken und zieht das Messer einmal glatt durch. Es staubt gewaltig. Holz- und Faserpartikel aus 130 Jahren Museumsgeschichte wirbeln durch den großen Raum und machen aus einer ehemals gepflegten Ausstellungswand eine Baustelle.

Die Niederländer des 17. Jahrhunderts sind von ihren angestammten Plätzen verschwunden, deponiert in einem vergleichsweise winzigen Raum. Aufgereiht im Holzständer oder in Kartons verpackt. Der Raum ist zurzeit ein Hochsicherheitstrakt - immerhin befinden sich hier mehr als 400 Meisterwerke, auf die das Staatliche Museum Schwerin Schwerin seinen guten Ruf gründet. Die Sammlung wurde in ihren wesentlichen Teilen im 18. Jahrhundert durch den mecklenburgischen Herzog Christian II. Ludwig (1683-1756) zusammengetragen.

Insgesamt fünf Ausstellungsräume mit einer Gesamtfläche von 500 Quadratmetern sind heute leergezogen und werden jetzt von Handwerkern statt von Kunstfreunden bevölkert. Von Jahresanfang bis Ostern dauern ihre Sanierungsarbeiten. Die Kosten von rund 400 000 Euro trägt das Land, die Ausführung liegt beim landeseigenen Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL).

Kunsthandwerk ergänzt die Bildersammlung

Die Stoffbespannung der Wände aus dem Eröffnungsjahr des Museums 1882 wurde in den vergangenen 100 Jahren immer wieder übermalt und schließlich auch mit Tapete überklebt. Jetzt kommt sie runter und wird durch eine neue ersetzt. Nur wenige Firmen in Deutschland können den brandsicheren Stoff weben, Spezialisten aus München werden die eingefärbten Bahnen dann anbringen. "Allein diese Arbeit dauert gut sechs Wochen", sagt Restauratorin Kerstin Binzer. Schon die Ausstellungsräume der Alten Meister wurden vor zwei Jahren mit denselben Firmen und auf dieselbe Art erneuert. Während die Räume dort alle im gleichen Schilfgrün gehalten sind, ist das Farbkonzept für die Niederländer ein anderes. Jeder Raum bekommt eine eigene Farbe, die sich an den Originalnuancen von 1882 orientieren. Auch ein Altrosé ist dabei, allerdings so zart, dass es nicht den Blick vom eigentlichen Kunstwerk ablenkt.

"Die Hängung wird nach der Sanierung ebenfalls eine andere sein als bislang gewohnt", fügt Pressesprecherin Heidemarie Otto hinzu. Zurzeit sind die Bilder platziert wie es im Barock üblich war, nach Ostern dürfen die Museumsbesucher auf etwas ganz Neues gespannt sein. So neu, dass Museumsvize-Direktor Dr. Gerhard Graulich, der mit einem Expertenteam zusammen das Konzept entwirft, noch nichts Genaueres verraten will. Nur so viel: Es sollen passende kunsthandwerkliche Stücke zusammen mit den Bildern ausgestellt werden. "Das Stilleben ,Frühstückstisch mit Nautiluskanne von Willem van Aelst bildet beispielsweise einen Pokal ab, den wir artgleich in unserem Depot haben", sagt Heidemarie Otto. "Geplant ist, diesen Nautiluspokal vor dem van Aelst-Bild zu zeigen."

Neben der Wandbespannung wird auch der Fußboden erneuert. Er wird abgeschliffen und bekommt dann drei Schichten Wachsemulsion. Die Zeiten von hochgiftigen Holzschutzmitteln sind vorbei, die entsprechenden Beläge wurden schon vor langer Zeit abgetragen, berichtet Günther Pries. Er trat vor 32 Jahren seinen Dienst im Museum an. "Damals wurden die Fußböden auch gerade versiegelt", erinnert er sich lächelnd. Alle zehn bis 14 Jahre würden Museumsräume durchschnittlich renoviert, erläutert Heidemarie Otto. Eine Komplettsanierung der Wände wie sie derzeit ausgeführt wird, sei allerdings nur alle hundert Jahre dran.

Zu der 400 000 Euro teuren Baumaßnahme im Museum gehört noch ein zweiter Teil, der im Sommer beginnt: Dann wird vom Keller bis zum Dach der Brandschutz auf den neusten Stand gebracht.


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