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24. November 2017 | 02:54 Uhr

Natürlich, norddeutsch, sympathisch

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erstellt am 13.Okt.2010 | 12:03 Uhr

Schwerin | Natürlich, norddeutsch, sympathisch - das sind die Eigenschaften, die nach Meinung der Mecklenburger und der Vorpommern ganz besonders auf ihr Bundesland zutreffen. Zwei Drittel halten es jedoch auch für provinziell...

Das geht aus dem Mecklenburg-Vorpommern-Monitor 2010 hervor, den die Staatskanzlei beim Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid in Auftrag gegeben hat. Die Bielefelder Umfragespezialisten führten dazu vom 22. September bis 2. Oktober 1000 Telefoninterviews. Sie wollten herausbekommen, wie sich die Mecklenburger und Vorpommern nach 20 Jahren Einheit fühlen. Eine ähnliche Umfrage 2009 hatte für einen politischen Eklat gesorgt, weil die Staatskanzlei die Verortung von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) als geborener Westdeutscher bei den Bürgern hinterfragen ließ. 85 000 Euro hatte die Erhebung damals gekostet. Diesmal agierte die Regierung vorsichtiger: 41 174 Euro. Auch auf die Sonntagsfrage nach der Zustimmung bei den Wählern wurde verzichtet.

Mecklenburg ist Heimat

Resultat 1: Die Bürger zwischen Küste und brandenburgischer Grenze sind eng mit ihrer Heimat verbunden. Vier von Zehn fühlen sich in erster Linie als Mecklenburger, als Vorpommer oder eben als Mecklenburg-Vorpommer. Erst danach wird gesagt: Ich fühle mich als Deutscher oder als Norddeutscher. Interessant: Die norddeutsche Verbundenheit ist im Jahr 20 nach der Wende offenbar stärker als die Identifizierung mit dem Gefühl als Ossi. Hier gibt es geringe Unterschiede zwischen Mecklenburgern und Vorpommern, die sich noch mehr als Ostdeutsche fühlen.

MV kann sich sehen lassen

Woher kommt dieses deutliche Bekenntnis zum Land? Resultat 2: In der Meinung der 1000 Befragten steht MV im Vergleich zu anderen ostdeutschen Bundesländern heute wesentlich besser da als noch vor zehn Jahren. Sagten im Jahr 2000 bei einem Polit-Barometer immerhin 69 Prozent der Befragten, MV stehe schlechter da als Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen oder Brandenburg, so sind es heute nur noch 33 Prozent. Für 44 Prozent steht MV genau so gut da wie die anderen, für 21 Prozent sogar besser. "Mecklenburg-Vorpommern befindet sich inzwischen auf Sachsen-Niveau. Und Sachsen wird als Motor unter den neuen Bundesländern gesehen", sagte Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführer von Emnid gestern bei der Präsentation im Kabinett und danach vor der Landes-Presse.

Folglich sagen auch 87 Prozent der Befragten: "Wir können schon ein bisschen stolz darauf sein, was wir in den letzten Jahren geschaffen haben." Hier der Vergleich zu 2008: Damals waren 61 Prozent stolz auf das Erreichte, 35 Prozente stimmen dem nicht zu. "Die Landesregierung zeigte sich im Kabinett mit diesen Ergebnissen sehr zufrieden", sagt Regierungssprecher Andreas Timm.

Tourismus top, Arbeitsplätze flop

Resultat 3: Bei näherer Nachfrage, was denn in den letzten 20 Jahren gelungen sei und was nicht, steht für 98 Prozent der Bürger der Tourismus ganz oben in der Rangliste, wie nebenstehende Grafik zeigt. Auch Umwelt und Städte, Dörfer und Straßen haben sich nach der Auffassung der Mecklenburger überdurchschnittlich gut entwickelt. Wirtschaft, Ausbildungsplätze und die Verringerung der Arbeitslosigkeit stehen naturgemäß ziemlich weit unten. Wobei sich in der Realität die Arbeitslosigkeit in den vergangenen zehn Jahren von 190 000 Betroffenen auf inzwischen unter 100 000 reduziert hat.

Auftrag an die Politik: Alles für neue Jobs

Resultat 4: Folgerichtig muss die Schaffung von zukunftsfähigen Arbeitsplätzen höchste Priorität für die Politik haben, geben die Befragten an.

Bei einer Auflistung von zwölf Aufgabenbereichen, die für die Zukunft in MV wichtig sind, sagten 84 Prozent der Befragten: neue Jobs. Auf den nächsten Rängen folgen "Bürger vor Kriminalität schützen" (76 Prozent), "Rechtsextremismus bekämpfen" (73), "Bildungsmöglichkeiten verbessern" (70), "solide Finanzpolitik ohne Schulden" (70), "Ausbildungsplätze schaffen" (70). Dann kommen Umweltschutz, Unternehmensförderung, Familienfreundlichkeit, Tourismus, erneuerbare Energien - und ganz zum Schluss mit 45 Prozent Zustimmung: MV zum Gesundheitsland zu entwickeln. Da setzt die Landesregierung andere Prioritäten, die jetzt sicherlich überdacht werden müssen.

Vor allem Vorteile aus der Einheit gezogen

Resultat 5: "Die Einheit ist gelungen. Die persönlichen Vorteile wiegen stark", schlussfolgert Emnid-Chef Schöppner aus den Antworten zu den Fragen nach dem Zusammenwachsen von Ost und West. 57 Prozent der Mecklenburger und Vorpommern gaben an, die Vorteile der Einheit überwiegen. Ein Viertel meint, dass sich Vor- und Nachteile die Waage halten. Nur für 14 Prozent überwiegen die Nachteile. Warenangebot (82 Prozent), Meinungsfreiheit (77), Reisefreiheit (74), freie Wahlen (73) sind Indikatoren für einen Gewinn an Lebensqualität in den vergangenen 20 Jahren. Acht Prozent erklären allerdings auch, auf freie Wahlen hätten sie lieber verzichtet. Nahezu zwei Drittel stören allerdings die sozialen Unterschiede, die sich in der Marktwirtschaft verstärkt haben.

MV und Meck-Pomm beliebte Abkürzungen

Resultat 6: Im Glaubenskrieg der Marketingexperten hat die Landesregierung zudem Emnid den Vergleich zwischen der Abkürzung "MV" wie in "MV tut gut" und "Meck-Pomm" ziehen lassen. Ergebnis: MV wird von 72 Prozent der Befragten benutzt Meck-Pomm von 62 Prozent. Regierungssprecher Andreas Timm hofft, dass diese Umfrage "dazu beiträgt, die Auseinandersetzung um MV oder Meck-Pomm zu beenden". Fakt ist jedoch, dass inzwischen "MV tut gut" bei 78 Prozent der Bevölkerung bekannt ist und noch mehr den Slogan gut finden.

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