Nächtliches Familiendrama

Eine Kleinstadt steht unter Schock. Ein 50-jähriger Goldberger verliert bei einem Streit mit seiner Frau die Nerven und schießt ihr mit einem Bolzenschussgerät ins Bein. Ein Großaufgebot der Polizei beendet das Drama in der Nacht.

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25. April 2008, 09:06 Uhr

Goldberg - Ein Familiendrama versetzt das idyllische Goldberg in einen Schockzustand. In der Nacht zu Freitag reißt ein Schuss die Kleinstadt aus der nächtlichen Ruhe. Was ist passiert? Gegen 1.30 Uhr kommt es in der Crivitzer Chaussee zu einem heftigen Streit zwischen den Eheleuten Wolfgang und Katrin R. Nach Informationen unserer Zeitung liegen die beiden in Scheidung. Der Beziehungsstress eskaliert, der 50 Jahre alte Mann verliert die Kontrolle: Vor dem Einfamilienhaus setzt der arbeitslose Schlachter ein Bolzenschussgerät am rechten Bein seiner Frau an, drückt ab und verletzt sie dabei schwer. Blut tränkt den spärlich wachsenden Rasen am Straßenrand.

Bekannter des Opfers alarmiert die Polizei

Ein Bekannter der 33-Jährigen alarmiert die Polizei – er habe eine Auseinandersetzung und schließlich einen Schuss gehört, gibt er am Telefon zu Protokoll. Wenige Minuten später steht ein Großaufgebot der Polizei vor dem Gehöft. Fast ein Dutzend Beamte aus dem Landkreis Parchim sind im Einsatz. Auch ein Spezialeinsatzkommando (SEK) macht sich auf den Weg in die Mildenitzstadt, kann aber unverrichteter Dinge den Rückzug antreten, denn am Tatort entspannt sich allmählich die Situation. Als Wolfgang R. die Streifenwagen vor seinem Haus bemerkt, meldet er sich telefonisch bei der Polizei. Den Beamten gelingt es, den Mann zum Verlassen des Hauses zu überreden. Wenig später ist der Spuk vorbei: Wolfgang R., der zu diesem Zeitpunkt unter Alkoholeinfluss steht, stellt sich und wird festgenommen. Katrin R. kommt mit schweren, aber nicht lebensbedrohlichen Verletzungen am Unterschenkel in ein Schweriner Krankenhaus. Noch gestern Vormittag wurde sie hier operiert.

Wolfgang R. ist in der Region kein Unbekannter. Als Discjockey sorgt er bei Festen und Feiern für gute Stimmung. Außerdem gehört er dem Goldberger Schützenverein „Grüner Jäger 1931 e.V.“ an – das Vereinsgelände befindet sich direkt neben seinem Wohnhaus. In der Vergangenheit war er hier sogar als Vorstandsmitglied für die Jugendarbeit zuständig, betreute den Nachwuchs der Sportschützen. „Dieser Vorfall bringt den Ruf aller Schützen in Misskredit“, bedauert ein Vorstandsmitglied der „Grünen Jäger“. Bereits in den zurückliegenden Monaten zerbrach das Verhältnis zwischen Wolfgang R. – 2006 noch Goldberger Schützenkönig – und dem Verein. Bei den Vorstandswahlen im Herbst 2007 wurde er nicht wieder in die Führungsriege delegiert.

Ordnungsamt zog Waffen vor einigen Wochen ein

Unbestätigten Angaben zufolge sei Wolfgang R. psychisch labil gewesen. Vielleicht auch deshalb reagierte der Verein vor einigen Wochen und informierte das Ordnungsamt des Landkreises Parchim, deren Mitarbeiter daraufhin die Waffen laut Waffenbesitzkarte einzogen. Nach Polizeiangaben fanden die Ermittler im Haus neben dem Bolzenschussgerät noch eine doppelläufige Langwaffe. Bei dem Gewehr soll es sich um ein Sammlerstück handeln, das sich nicht mehr zum Schießen eignet. Wolfgang R. wurde noch gestern Nachmittag dem Haftrichter vorgeführt und anschließend in die Justizvollzugsanstalt Bützow überstellt.

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