Nächster Dämpfer für EM-Gastgeber - Österreich nur 1:1 gegen Polen

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13. Juni 2008, 07:34 Uhr

Wien - Polen hat dem EM-Gastgeber einen weiteren Dämpfer versetzt, aber noch ist Österreich nicht verloren. Ein Elfmeter- Treffer von „Oldie“ Ivica Vastic in der dritten Minute der Nachspielzeit bescherte den Österreichern im Duell der EM-Neulinge in letzter Minute ein 1:1 (0:1). Die Österreicher müssen damit am Montag ausgerechnet gegen den Erzrivalen Deutschland gewinnen und auf kroatische Schützenhilfe hoffen, um doch noch ins Viertelfinale der Fußball-Europameisterschaft einzuziehen. Die Kroaten (6 Punkte) stehen nach dem 2:1 gegen Deutschland als Gruppensieger fest.

„Ich glaube schon, dass die Deutschen zu besiegen sind“, sagte Torschütze Vastic. „Die sind jetzt angeschlagen. Werden wir sehen, wer die stärkeren Nerven hat.“ Abwehrspieler Sebastian Prödl, der vor dem Elfmeter umgerissen worden war, erklärte: „Jetzt haben wir das nächste Endspiel gegen Deutschland. Die sind haushoher Favorit, aber mit den Zuschauern im Rücken haben wir eine Chance.“

Vor 51 428 Zuschauern im ausverkauften Ernst-Happel-Stadion in Wien hatte der eingebürgerte Brasilianer Roger Guerreiro am Donnerstag nach einer halben Stunde die Polen in Führung geschossen. Das Austria-Team verhinderte nach dem 0:1 gegen Kroatien mit einem Kraftakt die zweite Niederlage im zweiten Gruppenspiel und kann dank des Last-Minute-Treffers des eingewechselten Vastic noch auf ein Weiterkommen hoffen. Auch Polen (1 Punkt) könnte mit einem hohen Sieg gegen Kroatien und einer deutschen Niederlage gegen Österreich zum Vorrunden-Abschluss am Montag theoretisch noch das Viertelfinale erreichen - woran aber selbst der Trainer nicht mehr so recht glaubt.

„Ich glaube, das ist das Aus in diesem Turnier. Wir haben es nicht mehr in den eigenen Händen. Das ist es wohl gewesen“, sagte Polens Coach Leo Beenhakker. Der Niederländer schimpfte über den Elfmeter- Pfiff. „Der Schiedsrichter hat etwas gesehen, was niemand gesehen hat.“ Beenhakkers Trainerkollege war mit dem Remis nicht unzufrieden. „Der Einsatz der Mannschaft war sehr gut. Wir haben mit Leidenschaft gespielt“, sagte Österreichs Teamchef Josef Hickersberger.

Der Austria-Trainer hatte sein Team im Vergleich zur Pleite gegen Kroatien auf ein offensiveres 4-4-2-System umgestellt. Das machte sich sofort bemerkbar. Drei Großchancen erarbeiteten sich die Österreicher in den ersten 15 Minuten. Zweimal scheiterte Bremens Angreifer Martin Harnik an Polens Torwart Artur Boruc (11./14.), und auch Christoph Leitgeb konnte den starken Schlussmann von Celtic Glasgow aus kurzer Distanz nicht überwinden (16.).

Die Polen beschränkten sich nach dem 0:2 im ersten Gruppenspiel gegen Deutschland zunächst auf die Defensive - und stellten nach einer halben Stunde den Spielverlauf auf den Kopf. Die erste gefährliche Aktion vor dem Tor von Austria-Keeper Jürgen Macho wurde mit dem ersten polnischen Treffer bei einer EM belohnt. Nach einer Hereingabe von Marek Saganowski war der neu ins Team gerückte Guerreiro zur Stelle und staubte aus kurzer Distanz ab. Die Fernsehbilder zeigten allerdings, dass der im April eingebürgerte Brasilianer aus Sao Paulo beim Querpass von Saganowski klar im Abseits stand. „Das ist ein Riesenfehler“, analysierte der frühere internationale Fußball-Schiedsrichter und ZDF-Experte Urs Meier.

Die Gastgeber waren sichtlich schockiert von dem überraschenden Gegentreffer. Das Offensiv-Feuerwerk war erst einmal verglüht, der ansehnliche Risiko-Fußball der Anfangsphase nicht mehr zu erkennen. Österreich tat sich plötzlich schwer gegen die dicht gestaffelte Hintermannschaft der Elf von Trainerfuchs Beenhakker. Die Polen agierten deutlich verbessert im Vergleich zum Deutschland-Spiel.

Nach dem Wechsel musste Macho gegen den Wolfsburger Jacek Krzynowek in höchster Not retten (64.). Hickersberger reagierte auf das Nachlassen seiner Auswahl und brachte Vastic für Ivanschitz und Roman Kienast für den harmlosen Angreifer Roland Linz. Österreich berannte das Tor der Polen und wurde in der Nachspielzeit belohnt.

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