Nachts wird auf Bestellung gestohlen: Bootsklau dramatisch gestiegen, Polizei rät zur Codierung

Diebstahl schwer gemacht: Polizeihauptkommissar Thomas Müller graviert im Hafen von Altefähr auf Rügen die registrierte Codierungs-Nummer auf einen Bootsmotor. Foto: dpa
Diebstahl schwer gemacht: Polizeihauptkommissar Thomas Müller graviert im Hafen von Altefähr auf Rügen die registrierte Codierungs-Nummer auf einen Bootsmotor. Foto: dpa

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10. Juli 2008, 06:57 Uhr

Rostock - Geklaut wird alles, was sich später wieder verkaufen lässt. Zur Diebesbeute gehören einfache Plastikboote, Außenbordmotoren, Navigations- und Radargeräte bis hin zur 300000-Euro-Baltic-Yacht. Ermittler vermuten, dass die Liegeplätze oft schon tagsüber ausspioniert werden. Des Nachts werde dann auf Bestellung gestohlen, sagt der Chef der Stralsunder Inspektion der Wasserschutzpolizei, Lutz Klement.

Die Zahl der Bootsdiebstähle in Mecklenburg-Vorpommern steigt. Nach Angaben der Wasserschutzpolizei wurden seit Jahresbeginn bereits 180 Anzeigen wegen Diebstahls in Sportboothäfen, Bootshäusern und Marinas erstattet. Damit sei bereits zur Jahresmitte die Zahl der Delikte des gesamten Jahres 2007 nahezu erreicht, sagte am Mittwoch Kriminalhauptkommissar Hartmut Richter. Im vergangenen Jahr waren in dem seenreichen Küstenland 190 Diebstähle aktenkundig geworden.

Der Weg der Beute ist schwer nachzuverfolgen. Im Land gibt es über 800 schiffbare Seen. Viele sind über Flussläufe und Schleusen miteinander verbunden. Noch schwieriger wird die Fahndung entlang der 1945 Kilometer langen Küste. Nur selten wird das Diebesgut wiedergefunden, etwa im Oktober 2007, als die Polizei zwei 18-jährige Stralsunder festnahm. Zuvor hatte das Duo gleich sechs Sportboote aus den Häfen Schaprode, Wiek und Barhöft entwendet. Eine 47 000 Euro teure Motoryacht war bereits in Neuhof mit einem anderen Namen versehen worden.

Die Suche nach gestohlenen Booten und Bordausrüstungen könnte einfacher sein, wenn die Sachen vorher fachgerecht codiert würden, sagt Polizeihauptkommissar Thomas Müller. Er leitet eines von landesweit drei Spezialteams, die auf Wunsch der Skipper die Boote und Geräte mit einem nahezu unlöschbaren Sicherheitscode versehen.

Die Prozedur, die regelmäßig in den Marinas angeboten wird, dauert nur wenige Minuten. Mit einer Spezialnadel wird der Schriftzug im Säureätzverfahren im Metall verewigt. Dabei wird das Material an jener Stelle so verdichtet, dass das veränderte Gefüge per Röntgenanalyse auch dann noch erkennbar ist, wenn jemand die Codierung wieder wegschleift. Boote, Motoren oder wertvolle Schiffsausrüstungen, die auf diese Weise registriert wurden, erhalten einen Aufkleber, der vor einem Diebstahl warnt. Zudem bekommen die Besitzer einen Boots-Pass, in dem alle Daten eingetragen werden sollten.

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