Nachtisch auf der Nase

Erdbeeren am Rahmen, Eislöffel an den Bügeln. Mit ihrem „fruchtigen“ Brillengestell erreicht Susann Gierer aus Rostock beim Bundeswettbewerb der Nachwuchs-Optiker den zweiten Platz.

svz.de von
16. Oktober 2008, 05:59 Uhr

Rostock - Eine neue Brille ist mehr. Mehr als nur ein Gestell, in das zwei Gläser eingesetzt werden. „Es ist ein Stück Lebensqualität, das man den Menschen wiedergibt“, sagt Susann Gierer. Die 23-Jährige hat gerade bei Fielmann ihre Ausbildung zur Optikerin absolviert und weiß, wovon sie spricht.

Als Kammersiegerin nach Dortmund eingeladen
Die Rostockerin gehört zu den besten Auszubildenden in Deutschland, die in diesem Sommer ihre Lehre zum Augenoptiker abschließen konnten. Unter 28 Teilnehmern hat sie jetzt beim Bundeswettbewerb der Handwerksjugend in Dortmund den zweiten Platz erreicht. Jedes Jahr lädt der Zentralverband der Augenoptiker (ZVA) die Besten aller Kammern dazu ein.

Eine rahmenlose Brille muss Gierer bei der Gesellenprüfung abliefern. „Ganz andere Anforderungen“ erwarten sie dann aber in Dortmund. Hier ist Farbe gefragt. Aus rötlichen Acetatplatten zaubert die junge Frau Erdbeeren, Eiskugeln und Schirmchen an das helle Brillengestell. Die Bügel verziert sie mit Eislöffeln. „Die hohe handwerkliche Qualität ihrer Arbeit hat uns überzeugt“, sagt Georg Pawlowski. Jedes Jahr, so der stellvertretende Geschäftsführer vom ZVA, steht der Wettbewerb unter einem anderen Motto: „Wir hatten zum Beispiel schon Olympische Spiele, Starlight Express und eine Gruppe sollte eine Brille für Hella von Sinnen entwerfen.“

Bei dem Auftrag, eine Brille für das perfekte Dinner zu gestalten, habe sie gleich an ein Drei-Gänge-Menü gedacht, so Gierer. „Und an die Freude aufs Dessert.“Die vorgegebenen roten und milchigen Farben inspirieren sie schließlich zu dem „fruchtig-erfrischenden“ Entwurf. Am ersten Wettbewerbstag fertigt sie die technische Zeichnung an. Ein weiterer Tag bleibt, um dem Ganzen Leben einzuhauchen. Knapp sei die Zeit gewesen und doch habe es Spaß gemacht. Nur eine Bedingung setzt der Kreativität Grenzen: Die Brille muss getragen werden können.

Das Dessert-Modell ist nicht das erste eigene Brillengestell der jungen Optikerin. Während der Ausbildung besucht sie die Lehrwerkstätten in Hamburg und Plön, fertigt eine Sonnenbrille an und ein Hansa-Rostock-Gestell. Auf der einen Seite die Kogge, auf der anderen ein Fußballschuh – alles in Rot-Blau-Weiß. „Die Sieger des Wettbewerbs haben es bei Bewerbungen viel leichter“, sagt Pawlowski. Eine Ehrung vom Land und ein Geldpreis kommen hinzu. Auch Susann Gierer hat von der Auszeichnung schon profitiert: Ihr Ausbildungsbetrieb wird sie übernehmen. Die kreative Seite am Beruf gefällt der Optikerin. Aber auch die Dankbarkeit, die ihr entgegengebracht wird, so Gierer – „wenn Kunden aus der Tür gehen und die einzelnen Blätter am Baum wieder erkennen können.“

Weg zum Sieg


In Deutschland gibt es 54 Handwerkskammern. Wer in der Gesellenprüfung am besten abschneidet, wird Kammersieger. Hat dieser Auszubildende auch mindestens die Note 2 erreicht, wird er zum Bundeswettbewerb eingeladen. Hier werden die Besten jedes Bundeslandes und dann der ganzen Republik ermittelt.
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