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Mehr als Hälfte der Anspruchsberechtigten in MV nutzen Zuschüsse : Nachfrage nach Bildungspaket steigt

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Das Bildungspaket des Bundes für bedürftige Kinder kommt langsam an. Jedoch dürfen Schulen in MV die Nachhilfebedürftigkeit erst bei schlechten Noten auf dem Halbjahreszeugnis bestätigen.

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erstellt am 02.Nov.2011 | 08:26 Uhr

Schwerin | Das Bildungspaket des Bundes für bedürftige Kinder kommt langsam bei mehr Familien in Mecklenburg-Vorpommern an. Das Wirtschaftsministerium in Schwerin geht davon aus, dass inzwischen "deutlich mehr als die Hälfte" der Betroffenen im Land die angebotenen Leistungen nutzen. Anfang Juni war noch von etwa 20 Prozent die Rede.

Das Ministerium muss allerdings immer noch auf Schätzzahlen zurückgreifen. Nach Angaben von Pressesprecher Gerd Lange ist auch sieben Monate nach Einführung des Bildungs- und Teilhabepakets keine landesweite Statistik verfügbar, weil die Umsetzung in den Kommunen unterschiedlich geregelt ist. Seit Anfang April können bedürftige Familien zusätzliche Mittel für Schulmaterial, warme Mittagessen in Schule und Kita, Nachhilfe und Freizeitaktivitäten aus dem Bundespaket beantragen.

Die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit kann allerdings genaue Daten zu den Ausgaben liefern. Demnach sind bislang 3,41 Millionen Euro aus dem Paket nach Mecklenburg-Vorpommern geflossen. Ende August waren es noch 2,6 Millionen Euro. Allein 1,5 Millionen Euro wurden für Schulbasispakete abgerufen - jedem bedürftigen Kind stehen 100 Euro für Schulmaterial zu. 782 000 Euro sind bislang dafür gezahlt worden, dass Kinder aus ärmeren Familien im Land ein warmes Mittagessen in ihrer Einrichtung bekommen. Dritthöchster Posten: 740 000 Euro für mehrtägige Klassenfahrten. Für Lernförderung wurden dagegen nur 49 000 Euro ausgezahlt. Das hat allerdings auch mit der heftig kritisierten Regelung zu tun, dass Schulen in MV die Nachhilfebedürftigkeit erst bei schlechten Noten auf dem Halbjahreszeugnis bestätigen dürfen.

Insgesamt gibt es 74 000 Anspruchsberechtigte in MV. Jürgen Goecke, Chef der Arbeitsagentur Nord, fordert die Eltern auf, das Hilfsangebot zu nutzen. "Das Bildungspaket ist ein Beitrag, jede Verfestigung in Hartz IV über Generationen hinweg zu verhindern", so Goecke. Präventive Bildungs- und Sozialpolitik sei erfolgreicher als nachsorgende Arbeitsmarktpolitik.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will sich heute mit Vertretern der Länder und kommunalen Spitzenverbände treffen, um eine Zwischenbilanz zum Bildungspaket zu ziehen. Nach Angaben der Kommunen nehmen bundesweit inzwischen rund 45 Prozent der bedürftigen Familien Zuschüsse für ihre Kinder in Anspruch.

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