Nach Ringstorffabgang - Weg frei für Erwin Sellering

Weg frei für Erwin Sellering. Der Sozialminister gilt spätestens seit seiner Wahl zum SPD-Landeschef im April 2007 als Kronprinz von Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD). Für die Nachfolge der drei frei werdenden SPD-Ministerposten sind dagegen mehrere Kandidaten im Gespräch. Heute tagt die SPD.

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06. August 2008, 10:43 Uhr

Schwerin - Nein, ein Landeskind ist Erwin Sellering nicht. Zwar lebt er seit nunmehr 14 Jahren in Greifswald, doch sein Dialekt lässt keinen Zweifel aufkommen: Er stammt aus dem Ruhrgebiet. Galt diese Wessi-Ossi-Frage vor einigen Jahren noch als Minuspunkt für eine mögliche Nachfolge Ringstorffs, spielt dieser Aspekt inzwischen aber kaum noch eine Rolle.

Nach dem Wechsel vom Justiz- ins Sozialressort hat Sellering sein Profil vor allem in der Kita- und Familienpolitik sowie beim Nichtraucherschutz geschärft. Seine Haltung zum Steinkohlekraftwerk als SPD-Landeschef blieb dagegen schwammig. Eine Hausmacht konnte er noch nicht aufbauen, genießt in der Partei aber trotzdem hohes Ansehen. Er gilt als durchsetzungsfähig, pragmatisch, teamorientiert und eloquent. Daher hegt inzwischen auch kaum noch jemand Zweifel daran, dass der 58-Jährige die Unterstützung seiner Partei für die Nachfolge von Ringstorff erhalten dürfte. Und das nicht nur, weil die schärfsten Konkurrenten im Laufe der Zeit abhanden gekommen sind.

Von 2003 bis 2005 galt Landwirtschaftsmininister Till Backhaus noch als aussichtsreichster Anwärter für die Ministerpräsidenten-Nachfolge. Doch dann servierte ihn Ringstorff ab. Im Dezember 2006 trat Backhaus als SPD-Landeschef zurück. Seinen Posten übernahm Sellering – mit einem klaren Wahlergebnis von 78,5 Prozent. Im Gespräch für den Landesvorsitz der Sozialdemokraten waren zuvor auch der ehemalige Innenminister Gottfried Timm und Wismars Bürgermeisterin Rosemarie Wilcken gewesen. Beide lehnten jedoch ab. Der enttäuschte Timm war in den Koalitionsverhandlungen überraschend von Ringstorff aus dem Rennen genommen worden. Nun ist Sellering, der als treuer Weggefährte Ringstorffs gilt, also der klare Favorit.

Heike Polzin könnte Sigrid Keler ablösen
Nicht ganz so eindeutig ist die Nachfolge-Frage dagegen bei den frei werdenden Ministerposten. Heiße Anwärterin auf das Amt von Finanzministerin Sigrid Keler ist in jedem Fall die SPD-Landtagsabgeordnete Heike Polzin. Die Bildungsexpertin ist auch Mitglied des Finanzausschusses im Landtag. Die Ernennung der 52-Jährigen aus Wismar wäre außerdem ein geschickter Schachzug in Sachen Frauen-Quote, da für die Sozialdemokraten sonst voraussichtlich nur Männer am Kabinettstisch sitzen würden. Polzin gilt außerdem als Vertraute von Sellering – ebenso wie der Hochschul- und Extremismusexperte Mathias Brodkorb und der Fachmann für die Verwaltungsreform, Heinz Müller.

Im Gespräch ist zumindest Brodkorb für die Sellering-Nachfolge im Sozialministerium. Der 31-jährige Rostocker würde zugleich die von Ringstorff angekündigte Verjüngungskur der Sozialdemokraten in Führungspositionen verkörpern.

Auch an SPD-Fraktionschef Volker Schlotmann dürfte Sellering wohl nicht vorbeikommen. Der 51-jährige gebürtige Duisburger ist als Nachfolger von Bauminister Otto Ebnet im Gespräch. Heinz Müller käme dann wiederum als möglicher Nachfolger von Schlotmann infrage. Der 54-jährige Müller, der auch Vorsitzender der SPD im Kreis Uecker-Randow ist, könnte dabei helfen, die schlechte Position der Partei in Vorpommern zu verbessern.

Als ehrgeizig gilt auch der SPD-Landtagsabgeordnete Jochen Schulte (45). Möglicherweise bringt sich der Rostocker Rechtsanwalt ebenfalls für eine Führungsposition ins Spiel. Bei dem desolaten Zustand der Rostocker SPD dürfte er damit jedoch einige Mühe haben.

Mit einem neuen Ministerpräsidenten wird zugleich das gesamte Kabinett neu berufen. Das heißt, auch bei der CDU gibt es Möglichkeiten für einen Wechsel? „Die CDU hat ihre Minister für fünf Jahre ins Kabinett geschickt, da gibt es keinen Handlungsbedarf“, sagt Vize-Regierungschef Jürgen Seidel (CDU) bestimmt. Er sieht für seine Partei erst beim Wahlparteitag 2009 neue Personaldebatten. Dann geht es um seinen Stuhl.

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