Nach Jahren wieder Güterzug in Dabel

svz.de von
29. Mai 2008, 08:04 Uhr

Dabel - Zum ersten Mal seit Stilllegung der Eisenbahnstrecke Blankenberg - Dabel vor mehreren Jahren kam gestern wieder mal ein Zug von weither in Dabel an. Gestartet war er Mittwochabend im knapp 400 Kilometer entfernten Goslar. Auf jedem der insgesamt 30 Waggons hatte er jeweils 55 Tonnen Kalkmergel geladen, den die Landwirte zum Düngen ihrer Flächen brauchen. Insgesamt wurden also rund 1600 Tonnen Ladung umweltverträglich über die Schiene transportiert.

Wäre der Kalkmergel per Lkw in unsere Region gebracht worden, wären mehr als 60 Fahrten über eine weite Strecke erfor-derlich gewesen, schließlich stammt der aus dem Basisstoff Naturkalk gewonnene Bodendünger aus Niedersachsen.

„Diese Menge vom Harz aus im Lkw-Fernverkehr über die 400 Kilometer hierher zu bringen, wäre völlig undenkbar“, meint Hans-Joachim Möller, der Düngekalklader aus Goslar ist. Er überwachte gestern in Dabel die Entladung der Waggons per Bagger und übergab den Fahrern für jede Tour ihre Ladepapiere. „Wenn man überlegt, dass ein Lkw im Fernverkehr rund 35 Liter Diesel auf 100 Kilometer verbraucht, wird deutlich, wie viel günstiger da die Bahnfahrt mit so vielen Waggons ist“, stellt Möller fest. Außerdem dürfe ein Lkw-Fahrer nach geltendem Arbeitsrecht nur neun Stunden pro Tag arbeiten, erläutert er. Was eine weitere Schwierigkeit gewesen wäre.

„Dass man so eine große Menge auf einmal per Zug hierher bringen kann, ist auch für die Landwirte von Vorteil. Denn so kann der Dünger auf einmal gebündelt bei ihnen angeliefert werden. So kommt die Ladung nicht per Lkw kleckerweise bei ihnen an und der Landwirt kann die Düngung gleich in einem Ritt durchziehen“, so Hans-Joachim Möller.

Die gestrige Ladung wurde von Dabel aus mit acht Lkw vom Agroservice Parchim zu drei Landwirten in die nahen Ortschaften Demen, Groß Niendorf und Mestlin gebracht. „Die Lösung mit dem Zug ist einfach optimal“, stellt Hans-Joachim Möller fest.

Bisher habe er Güterzüge bereits bis nach Parchim beladen, doch dass er nun noch näher an seine Abnehmer herankommt, sei natürlich eine gute Sache. So etwas wünsche er sich auch an anderen Stellen, betont Möller.

Die Politiker reden immer davon, mehr Transporte von der Straße auf die Schiene zu verlegen. Doch die Realität sehe so aus, dass immer mehr abgelegene Bahnstrecken stillgelegt werden, stellt Möller fest.
Auf die Möglichkeit der Zugtransporte nach Dabel ist er durch die gute Zusammenarbeit mit der Eisenbahn-Gesellschaft Potsdam und der Prigniter Eisenbahn aufmerksam geworden. Letztere bewirtschaftet seit September 2007 die Eisenbahnstrecke Blankenberg, Sternberg, Dabel und übernimmt die wöchentliche Abfuhr von Biodiesel von der Firma EcoMotion GmbH. So gelingt es, die Stadt Sternberg pro Woche von wenigstens 40 Lkw-Fahrten zu entlasten. Die knapp 20 Kilometer lange Strecke Blankenberg - Dabel ist in Privatbesitz und wird dennoch als öffentliche Eisenbahnstrecke betrieben und steht so auch weiteren interessierten Nutzern zur Verfügung. Lade- und Umschlagmöglichkeiten gibt es sowohl in Dabel als auch in Sternberg.

„Ich freue mich, dass die Bahnstrecke bis nach Dabel wieder genutzt wird“, betont Dabels Bürgermeister Herbert Rohde. Vor allem dass am Samstag der Traditionszug wieder dorthin fährt (wir berichteten), sei eine schöne Sache.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen