Nach dem Datenklau: Leserinnen schildern, wie sie von Firmen abgezockt wurden

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13. August 2008, 08:34 Uhr

Hagenow - Nichtsahnend bekam eine Leserin aus Kuhstorf (Kreis Ludwigslust) im Mai Post von einer ihr unbekannten Lottogesellschaft – gleich mit all ihren persönlichen Daten. Ihre „Glückszahlen “ waren schon vermerkt, auch ihre Kontoverbindung. Ein Kreuzchen zeigte ihr, wo sie unterschreiben sollte. Sie reagierte nicht.

Im Juni dann hatte sie eine Abbuchung von 60 Euro – von eben dieser Lottogesellschaft. Sie buchte das Geld zurück. Es dauerte nicht lange, da erhielt sie einen Anruf von einem Callcenter. Warum sie ihren Lottovertrag gekündigt habe, und ob sie nicht eventuell doch einen neuen? Die Leserin beendete empört das Gespräch. Seitdem hat sie ihre Kontoauszüge ständig im Blick.

Das macht auch eine Hagenower Rentnerin, die gestern ebenfalls in unsere Redaktion kam. Bei dem letzten Kontoauszug am Dienstag traute sie ihren Augen nicht: 147 Euro hatte ein Gewinnspiel Service abgezogen. Dieser Abbuchung vorausgegangen war ein salbungsvoller Anruf – bei dem sie nichts zugesagt habe, wie sie uns versicherte.

Dann kam das Schreiben einer Firma mit Postfachadresse in Wien und einer Anschrift in Düsseldorf. Der Brief aus Wien vom 23. Juli 2008 versprach der gelernten Wirtschaftskauffrau „Dem Glück ganz nah“ zu sein und „ nun brauchen Sie nur noch auf die Traumgewinne zu warten.“

Sie aber wartete nicht, sondern handelte umgehend. So hat sie am 27. Juli 2008 an die Düsseldorfer Adresse geschrieben und den nicht vorhandenen Vertrag storniert. Der Brief kam am 1. August zurück „Adressat unbekannt“. Am selben Tag hat die Rentnerin sich an die Postfachadresse in Wien gewandt. Ausgang offen

Jegliche Versuche unserer Redaktion, nähere Auskünfte zur Firma und zum Gewinnspiel über die angegebene Servicenummer in Düsseldorf zu erhalten, schlugen fehl. Ständig erfuhren wir vom Band: „Im Moment sind alle Mitarbeiter mit Kundenfragen beschäftigt“ – wir hätten warten können – bis wann und wer hätte daran verdient?

Das ist nur eine „Front“, an der die Leserin kämpft. In zwei weiteren Fällen hat sie ähnliche Erfahrungen gemacht. Das jetzt abgebuchte Geld ist inzwischen wieder auf dem Konto.
„Bisher ist uns kein Fall von Datenklau bekannt“, so Ulrich Kempf, Vorstandsmitglied der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin gestern gegenüber unserer Redaktion.

Die Sparkasse empfiehlt allerdings ihren Kunden, Kontendaten weder telefonisch noch im Internet preiszugeben. „Unberechtigte Abbuchungen vom Konto können die Folge sein“, führt Kempf aus. Ulrich Kempf rät , die Kontoauszüge einmal wöchentlich zu überprüfen und bei Unregelmäßigkeiten schnell mit dem Berater in der Sparkassen-Geschäftsstelle zu sprechen. „Ein Anruf genügt, um eine Abbuchung rückgängig zu machen“, so Kempf.

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