MV zieht in Redefin die Zügel an

Krach um die Neuausrichtung des angeschlagenen Landgestüts Redefin: Staatskanzlei und Agrarministerium streiten um die Hengstaufzucht. Morgen soll das neue Konzept im Kabinett beschlossen werden. Kosten für den Steuerzahler: 10,4 Millionen Euro Investitionen plus jährliche Zuschüsse bis zu 1,4 Millionen Euro.

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14. Dezember 2008, 08:34 Uhr

Schwerin | Daran gibt es für Agrarminister Till Backhaus (SPD) nichts zu rütteln. Trotz aller Kritik will er mit millionenschweren Zuschüssen an dem in die Kritik geratenen Landgestüt festhalten. Ein neues Konzept soll den Vorzeige-Pferdestall aus der Krise führen. Der Plan von Minister Backhaus: In den nächsten zehn Jahren möchte er das Gestüt zu einem "Kompetenzzentrum für Pferdezucht, -ausbildung und -sport unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten" profilieren, geht aus einer unserer Redaktion vorliegenden Kabinettsvorlage 182/08 hervor. Die Hengsthaltung, Deck- und Besamungsstation, ein Ausbildungs- und Sportzentrum, mehr Spitzenpferde - Backhaus will Redefin zu einem "Markenprodukt im Premiumbereich" entwickeln.

Doch das Land zieht auch in der Haushaltsführung die Zügel an: Die Kabinettsvorlage attestiert dem Gestüt bisher eine "lückenhafte Kosten- und Leistungsrechnung". Zudem verhängt Backhaus einen sofortigen Einstellungsstopp. Für Angestellte erhöht sich der Leistungsdruck.

Landesengagement teuer für SteuerzahlerDennoch bleibt das Landesengagement teuer für den Steuerzahler: Über 50 Prozent der Gesamterträge steuert die öffentliche Hand bei. Seit 1996 flossen bereits etwa 24 Millionen Euro ins Gestüt. Bis 2015 werden allein 10,5 Millionen Euro für Investitionen und den Um- und Neubau dazukommen. Außerdem soll die öffentliche Hand für die bis 2013 prognostizierten Verluste von mehr als fünf Millionen Euro geradestehen. Allerdings werde die Finanzhilfe schrittweise von derzeit 1,4 Millionen Euro auf 760 000 Euro jährlich reduziert.

Der Staatskanzlei reicht das Konzept nicht: Sie fordert "zwingend Alternativen mit einer Konzentration auf die Kernkompetenzen des Landgestüts" zu untersuchen. Sie bemängelt außerdem, dass "eine Empfehlung bzw. Zielstellung für eine Fortführung der Hengstaufzucht" fehle.

Hengsthaltung mit größtem Defizit Backhaus kontert: Es handele sich bei den "dargestellten Aufgaben" bereits um die Kernkompetenzen. Die Hengsthaltung weise zwar mit 300 000 Euro Einnahmen und über 1,1 Millionen Ausgaben das größte Defizit aus. Und auch in der Branche heißt es, dass die Zucht bei privaten Haltern besser angesiedelt sei. Für Backhaus steht die Hengstaufzucht dennoch nicht zur Debatte: Die "Bereitstellung hochwertiger Deckhengste" diene der "Verbesserung der Pferdezucht in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Anspruch auf weitere überregionale/internationale Akzeptanz".

Das Landgestüt war zu Jahresbeginn wegen Betrugsvorwürfen in die Kritik geraten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Backhaus hatte daraufhin die Gestütsführung ausgewechselt.

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