MV verprellt Fachgymnasiasten

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05. Mai 2008, 08:29 Uhr

Schwerin/Ludwigslust - An den Berufsschulen sorgt das vom Land verhängte Zusageverbot für Vollzeitbildungsgänge für helle Aufregung. Vor allem Bewerber für die rund 1100 Fachgymnasienplätze springen aus Verunsicherung reihenweise ab. Pädagogen warnen vor einer Abwanderungswelle des letzten großen Schulabsolventen-Jahrgangs .

„Eine ganz schlimme Sache ist das“, schimpft die Schweriner Berufsschulleiterin Christel Költzow. Gemeint ist das vom Bildungsministerium über die Schulämter durchgestellte strikte Verbot, feste Zusagen für vollzeitschulische Ausbildungsplätze zu erteilen. „Gerade junge Leute, die sich für zur Hochschulreife führende Bildungsgänge wie Fachgymnasien oder Fachoberschulen entscheiden wollen, sitzen im Moment auf dem Trockenen“, umreißt die Chefin der landeshauptstädtischen Schule Verwaltung und Wirtschaft die Situation.

Und das ausgerechnet in dem Bundesland, das deutschlandweit die rote Laterne bei der Studienberechtigtenquote halte, sagt die gleichzeitig im Bundesvorstand des Berufsschullehrerverbandes VLW präsente Schwerinerin.

Die Ungewissheit sorgt für eine unheilvolle Dynamik. Mangels Klarheit über die erhofften Stellen, machen sich junge Leute zunehmend auf die Suche nach Alternativen. So sind allein an der Beruflichen Schule Ludwigslust von den anfangs mehr als 50 Fachgymnasiums-Bewerbern fast 20 wieder abgesprungen, berichtet Schulleiter Gerd Jauert. Eine derart hohe Absagenquote zu diesem frühen Zeitpunkt sei äußerst ungewöhnlich, betont er. Und umso problematischer, als die Betreffenden durchweg zu den Leistungsstärkeren zählten.

Der Hintergrund ist für Jauert klar. „Durch die Streichliste des letzten Jahres ist die Verunsicherung unter den jungen Menschen groß“, weiß der Schulleiter. Mit Blick auf die Mitte 2007 um 1000 Plätze gekürzten Vollzeitbildungsgänge kämen vielen jetzt Bedenken, ob es erneut Streichungen von Stellen oder ganzen Schulen gebe. Deshalb fordern die jungen Leute verstärkt Zusicherungen ein, berichtet der Schulleiter. Schließlich gebe es noch gute Chancen, alternativ eine vernünftige Lehrstelle zu ergattern.

Gerade wegen des Doppel-Abiturs sei jedoch schon absehbar, dass es auch bei Berufen, für die im Vorjahr ein guter Realschulabschluss reichte, großes Gerangel geben werde, mahnte Jauert.
Wohin der Weg vieler Verprellter führt, ist für die Berufsbildungspraktiker keine Frage. „Wir befürchten, dass die in die alten Bundesländer abwandern“, sagt Schulleiterin Költzow. „Und das Fatale ist ja“, ergänzt ihr Kollege Jauert, „dass vor allem die Besten gehen“.

Im Ministerium sah man die Lage gänzlich anders. Ein Verbot von Zusagen für Vollzeitbildungsgänge durch das Bildungsministerium gebe es nicht, hieß es auf Anfrage. Die beruflichen Schulen seien lediglich angehalten, Zusagen erst nach Zuweisung der Lehrerstellen für das Schuljahr 2008/09 zu erteilen. Dafür gab es immerhin ein klares Datum: „Die Stellenzuweisung erfolgt bis zum 15. Mai “, lautet der ministeriale Bescheid.

„Endlich“ atmete Schulleiterin Költzow auf. Für etliche Fachgymnasiasten in spe dürfte das Ende der allgemeinen Verunsicherung allerdings zu spät kommen – zumindest, was eine Ausbildung im Heimatland angeht.

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