Mutter Schwan ist wieder da

Tierärztin Winnie Dreschel zeigt ein Röntgenbild in der Schweriner Klinik. Deutlich zu erkennen ist der Angelhaken im Hals des Schwans. Fotos: Michael Schmidt
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Tierärztin Winnie Dreschel zeigt ein Röntgenbild in der Schweriner Klinik. Deutlich zu erkennen ist der Angelhaken im Hals des Schwans. Fotos: Michael Schmidt

Eine Familienzusammenführung der besonderen Art hat es gestern in Gadebusch gegeben. Problemschwan „Trudchen“, in deren Hals einen Angelhaken steckte, durfte nach einer Operation in der Tierklinik Schwerin zurück zu ihrer Familie.

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24. Juli 2008, 08:53 Uhr

Gadebusch - „Trudchen“ hat alles überstanden und wirkt äußerst agil. Im Redkordtempo watschelt sie an den Rand eines Stegs und springt hinein in den Burgsee. Dann schwimmt sie direkt zur Kinderstube, wo bereits vier Junge und Schwanenvater „Jogi“ warten.

Mit dem Haken im Hals wäre der Schwan verhungert
Seit Dienstag Abend war Herr Schwan auf sich allein gestellt und musste sich um den Nachwuchs kümmern. Denn seine Herzensdame war in der Tierklinik Schwerin und unterzog sich einer Operation. Ihr Hals war massiv geschwollen, so dass sie kaum noch Nahrung aufnehmen konnte.

Was zunächst eine Vermutung war, bestätigte sich auf einem Röntgenbild. „Trudchen“ hatte einen Angelhaken verschluckt. Er war im Hals stecken geblieben und machte der Tiermutter das Leben schwer. „Der Schwan wäre verhungert“, verdeutlicht Tierärztin Winnie Dreschel. Ihr Chef Dr. Gerd Ricker operierte und löste den Haken. Danach peppelten sie den Schwan wieder auf. Eingeweichte Pferdepellets und Brot standen auf dem Futterplan.

Dass „Trudchen“ seit gestern wieder bei ihrer Familie ist, dürfte Waltraud Prochnow besonders freuen. Sie hatte sich hartnäckig für den Hilfseinsatz ausgesprochen. Mitarbeiter des Ordnungsamtes bekamen sogar zu hören: Wer Geld für ein totes blaues Pferd mit Flügeln (Werbefigur Pegasus) ausgibt, könne auch etwas für eine lebenden Schwan tun, der Hilfe benötige. Folge: Das Technische Hilfswerk Gadebusch rückte an, fing das Tier Dienstag Abend ein und brachte es in die Landeshauptstadt (wir berichteten).

Autofahrt statt Rückflug
Die Hilfe ging gestern so weit, dass „Trudchen“ auf einen anstrengenden Rückflug verzichten musste. Stattdessen wurde sie mit einem Dienstwagen des Amtes Gadebusch chauffiert. Andra Tiedemann vom Ordnungsamt saß am Steuer und schenkte dem Schwan die Freiheit.
Gadebusch und seine Schwäne – das ist ein Kapitel für sich. Vor fast genau drei Monaten enthüllten Gadebuscher Abiturienten von 1958 ein Kunstwerk am Burgsee. Darauf ist die Geschichte eines Schwans verewigt, der sich nicht länger ärgern lassen wollte und einst einen Gadebuscher Gymnasiasten angriff.

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