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Staatskapelle kritisiert fehlendes Engagement : Musiker fordern Brodkorb-Rücktritt

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In der Debatte um die Streichpläne am Staatstheater meldet sich auch der Orchestervorstand der Staatskapelle zu Wort. Sie protestierten gegen den Beschluss des Aufsichtsrates, die Staatskapelle zu reduzieren.

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erstellt am 22.Dez.2011 | 12:53 Uhr

In der Debatte um die Streichpläne am Mecklenburgischen Staatstheater meldet sich jetzt auch der Orchestervorstand der Mecklenburgischen Staatskapelle zu Wort - und das in ungewohnt hartem Ton. Die Künstler nehmen dabei vor allem das Land und den Kultusminister in die Pflicht. Letzteren halten sie angesichts seines Verhaltens in der Diskussion um die Zukunft der Theaterlandschaft sogar "für untragbar".

"Die Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin protestiert entschieden gegen den Beschluss des Aufsichtsrates, die Staatskapelle auf 55 Musiker zu reduzieren und die Fritz Reuter Bühne zu schließen", erklären die Vorstandsmitglieder Florian Heinl, Karsten Lauke und Hajo Willimczik. "Wenn dieser Beschluss Realität wird, beginnt das Jubiläumsjahr ,450 Jahre Staatskapelle 2013 mit betriebsbedingten Kündigungen." Und diese hätten erhebliche Auswirkungen: Die Staatskapelle, einst mit 108 Musikern besetzt, wäre dann das kleinste Orchester in Mecklenburg- Vorpommern. Für die Landeshauptstadt ein kulturelles Armutszeugnis, lautet das Fazit des Ensembles.

Einen der Hauptverantwortlichen sehen die Künstler in Mathias Brodkorb. "Ein Kultusminister, der Kündigungen von Musikern und das Schließen von Sparten an Theatern ausdrücklich begrüßt, ist aus unserer Sicht untragbar", erklärt der Orchestervorstand. "Von einem Minister für Kultur erwartet man, dass er sich für sein Ressort einsetzt und nicht den mangelhaften Status Quo der Theaterfinanzierung ideenlos akzeptiert. Dieses Verhalten ist beispiellos in der Bundesrepublik Deutschland und müsste aus unserer Sicht seinen sofortigen Rücktritt zur Folge haben. Wir werfen der Landesregierung vor, von Strukturmaßnahmen zu sprechen, aber Personalabbau ohne Konzept und Verstand zu meinen."

Wenn die Landesregierung an der Schaffung von sinnvollen Strukturen interessiert wäre, müssten ernsthafte Gespräche zwischen Landesregierung, Kommunen und Theatern stattfinden, argumentiert der Orchechstervorstand. Doch das Land überlasse diesen schwierigen Teil den Kommunen und den Theatern. Ebenso müssten funktionierende Strukturen belohnt und weiterentwickelt werden, anstatt ein erfolgreiches Theater wie das Schweriner mit einer Einspielquote von mehr als 20 Prozent "dankbar in die Insolvenz gehen zu lassen", sagen die Musiker. "Uns ist völlig unverständlich, wie die Landesregierung ungerührt zusehen kann, wie der immer wieder beschworene Leuchtturm Mecklenburgisches Staatstheater zum Lagerfeuer verkommt, und das obwohl in den vergangenen Jahren mehr als 200 Stellen abgebaut wurden und jahrelanger Gehaltsverzicht der Beschäftigten geübt wurde", so die Vertreter der Staatskapelle. "In einem Land wie Mecklenburg-Vorpommern kann es gar nicht genug Kultur geben, denn die Politik allein ist anscheinend nicht in der Lage kulturlosem Denken Einhalt zu gebieten, wie der letzte Platz in Bildungsstudien und die Wiederwahl der NPD in den Landtag beweisen."

Es gäbe bereits Diskussionen, ob die Schlossfestspiele in Zukunft noch stattfinden sollen und können. Wenn nicht, kann sich der auf die Fahnen geschriebene Kulturtourismus auf magere Sommer einstellen, prognostizieren die Musiker. Dem Ziel, Einwohner in MV zu halten und Menschen zu bewegen, ihr Leben in diesem Land zu verbringen, komme man mit radikalem Kulturabbau sicherlich nicht näher.

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