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Musicals statt Oper auf Altem Garten?

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erstellt am 15.Sep.2010 | 08:03 Uhr

Schwerin | Vorhang auf für neue Ideen: Nachdem die 23 Vorstellungen der Verdi-Oper "Die Macht des Schicksals" bei den Schweriner Schlossfestspielen in diesem Sommer nur 25 000 Zuschauer auf den Alten Garten lockte, hat der Aufsichtsrat des Mecklenburgischen Staatstheaters die kommunale Bühne beauftragt, Pläne für die künftige Ausrichtung der Veranstaltung vorzulegen. Denn mit einer Halbierung der Zuschauerzahlen gegenüber den Vorjahren könne niemand zufrieden sein, sagt Silvio Horn, Vorsitzender des Theater-Aufsichtsrats. Mozarts "Zauberflöte" hatten 2009 noch 40 000 Gäste gesehen.

Welche Gründe der gesunkene Zuspruch in diesem Jahr gehabt habe und wie sich dieser betriebswirtschaftlich auf den Jahresabschluss der Bühne auswirke, werde die Geschäftsführung des Theaters dem Aufsichtsrat in Kürze erläutern, so Horn. Klar sei, dass Freiluft-Vorstellungen immer mit Unwägbarkeiten verbunden seien. Horn: "Stimmt das Wetter? Trifft man mit der Stückauswahl den Geschmack der Besucher? Wie kommt die Inszenierung an?"

Unstrittig sei auch, dass Theater in öffentlicher Trägerschaft auch künftig Zuschussbetriebe bleiben würden. "Sie haben laut Verfassung einen Kulturauftrag zu erfüllen, der Spielplan hat sich also nicht in erster Linie an wirtschaftlichen Gesichtspunkten auszurichten, wie das bei privaten Musicalhäusern der Fall ist", sagt Horn, der auch Vorsitzender der Stadtfraktion Unabhängige Bürger ist. Dennoch müssten öffentliche Bühnen den Spagat zwischen Kulturerbe und Geschmack einer möglichst breiten Öffentlichkeit meistern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Horn: "Also etwa zwischen dem Dramatiker Barlach und der Rocky Horror Show."

Deshalb solle jetzt auch das Schweriner Staatstheater prüfen, "ob man am bisherigen Schlossfestspiele-Konzept festhält oder neue Wege geht", so Horn. "Denkbar ist, mit populären Stücken wieder mehr und anderes Publikum anzusprechen."

Der Zeitpunkt für eine solche Strukturdebatte sei günstig, da die Schlossfestspiele im nächsten Jahr wegen der Umbauarbeiten auf dem Alten Garten ohnehin an einem neuen Spielort, der Freilichtbühne, stattfinden würden. Mit dem Stück der "Der Freischütz" von Carl Maria von Weber werde zudem keine weitere Verdi-Oper gegeben.

Keinesfalls stünden die Schlossfestspiele in Frage. "Dazu sind sie für Tourismus, Gastgewerbe und Einzelhandel zu wichtig", so der Aufsichtsratsvorsitzende.

Bis 2009 hatten sich die Schlossfestspiele zumeist als große Publikumserfolge erwiesen. Der Rekord datiert aus 2001, als 70 000 Zuschauer auf dem Alten Garten "Nabucco" von Giuseppe Verdi hörten. In der Kategorie "Schlossfestspiele" rangiert Schwerin beim größten Festspielmagazin Europas bislang noch auf Platz vier.

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