zur Navigation springen

Güstrow: Drastische Besucherverluste in musealen Einrichtungen : Museen stehen auf dem Prüfstand

vom

3712 Besucher wurden im Jahr 2010 im Güstrower Städtischen Museum erfasst. Ein Satz des Bürgermeisters, unkommentiert, der aufhorchen lässt, hat man die Zahlen vergangener Jahre im Kopf. Der Absturz ist dramatisch.

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2011 | 10:06 Uhr

Güstrow | 3712 Besucher wurden im Jahr 2010 im Städtischen Museum am Franz-Parr-Platz erfasst. Ein Satz des Bürgermeisters, unkommentiert, der aufhorchen lässt, hat man die Zahlen vergangener Jahre im Kopf. Denn der Absturz ist dramatisch, waren es 2009 doch noch gut 6000 Besucher - und das war der bis dato Minuswert aus den vergangenen Jahren. Dabei sollte doch der Umzug der Güstrow-Information ins Stadtmuseum vor zwei Jahren Synergieeffekte schaffen.

Die sind zunächst nicht erkennbar, auch wenn Bürgermeister Arne Schuldt die Bilanzen schön redet. Mit Verweis auf die Zuschussbudgetierung mit der Zusammenlegung der kulturellen Einrichtungen der Stadt bewertet Schuldt die zweijährige "Probezeit positiv". Richtig mag sein: Gestiegene Flexibilität erlaube es, schneller und konstruktiver zu reagieren, das Verwalten eigener Mittel sensibilisiere zudem den Umgang mit diesen durch die Mitarbeiter und trage somit "entscheidend zum sparsamen Wirtschaften " bei.

Für Torsten Renz (CDU) ist die Budgetierung - in diesem Jahr mit 669 000 Euro um 1000 Euro geringer angesetzt als noch vor einem Jahr - dennoch nur Augenauswischerei. Die realen Kosten würden dadurch nicht oder nur kaum beeinflusst werden. Renz: "Die Einsparungen standen schon vorher fest. Und ich frage mich, ob die Höhe des Budgets überhaupt richtig ist." Immerhin: 40 000 Euro habe man im vergangenen Jahr gegenüber 2009 schon im Ansatz verringern können, so der Bürgermeister, und das sei im Ergebnis sogar noch um knapp 4000 Euro unterschritten worden. Damit hätten die "deutlichen" (Schuldt) Einsparungen den im Ansatz defizitären Etat der Stadt positiv beeinflusst.

Renz Fraktionskollege Sebastian Berg reicht das längst nicht. Aus Sorge um die Zukunft von Wollhalle und Museum brachte der Stadtvertreter eine Diskussion auf den Weg. Insbesondere auch die Einnahmeseite will Berg gestärkt sehen. 52 500 Euro vergangenes Jahr sind zwar gut 4000 mehr als 2009, im Vergleich der letzten fünf Jahre jedoch das zweitschlechteste Ergebnis. Logisch, wenn, wie von Berg persönlich erlebt, zur "besten Flanierzeit" an einem sonnigen Sonntagnachmittag er mit seinen zwei Begleitern allein in der Wollhalle ist. Berg: "Wie also können durch zusätzliche Angebote zusätzliche Einnahmen generiert werden?" Dazu müsste die "Attraktivität der städtischen Kultureinrichtungen, insbesondere der Wollhalle, verbessert" werden, fordert er allerdings noch sehr vage.

Allein mit Kaffee- und Kuchen-Angeboten, wie von Berg beispielhaft angedeutet, werde das wohl nichts, meint Sascha Zimmermann (FDP). Dessen Fraktion wollte daher Bergs Antrag weiter gefasst wissen. Zimmermann stellt die Gretchenfrage: "Was und wen wollen wir mit unserer Kultur erreichen?" Die Aufmerksamkeit will Zimmermann da eher auf das Museum richten. Ihm geht es um Konzepte "hinsichtlich ihrer kulturpolitischen Zielrichtungen". Auftrag der Stadtvertretung an den Bürgermeister: Die werden jetzt (noch einmal) überprüft.

Die Güstrower Problematik in die Gesamtsituation von Kultur und Tourismus im Land einzuordnen, fällt schwer. Zwar bauten 2010 Museen und Ausstellungen generell in den Besucherzahlen ab, jedoch bei weitem nicht so gravierend wie in Güstrow. Andererseits sind Verluste bei Stadtführungen besonders erheblich - nicht jedoch in der Barlachstadt, wo die ein boomender Renner sind, wie es beim Tourismus-Verein heißt. Fakt ist: In Güstrows musealen Einrichtungen gibt es vergangenes Jahr durchgängig und zum Teil erhebliche Besucherverluste (siehe unten). Das dürfte auch auf das Renaissanceschloss zutreffen - das gibt die Zahlen erst gar nicht mehr preis.

Sinds die langen Winter? Oder die heißen Sommer? Oder doch die Konzepte? Die Diskussion ist in Gang gesetzt.

Das städtische Museum indes baut stark auf die Vervollständigung seines Expositionsspektrums. "2011 ist das entscheidende Jahr für die Fertigstellung der Ausstellung ,Güstrow im 20. Jahrhundert", sagt Bürgermeister Arne Schuldt. Und hofft darauf, dass eine geplante Uwe-Johnson-Ausstellung wieder mehr Besucher anlockt. Eröffnung ist am 16. Juni.

Kultur in Güstrow: Besucherzahlen der letzten sechs Jahre

 2005   2006   2007   2008   2009   2010

Stadtmuseum  6976   7719   6119   6428   6070   3712
Galerie Wollhalle  5686   7886   5644   6300   4499   4253
Schloss 40250  46708  41225  37200  34624   k.A.
Barlachstiftung 50398  45598  43173  40719  45784  39958
Krippenmuseum   -     -    5250    7538   5446   4924
Barlachtheater 30619    30120    26935   30185   29097   24957
   Quelle: Stadt Güstrow

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen