Muscheln im Barniner See

Fischer Matthias Brietzke hatte fürs Foto schnell eine  Hand voll Muscheln beisammen. Foto: Herbert Kewitz
Fischer Matthias Brietzke hatte fürs Foto schnell eine Hand voll Muscheln beisammen. Foto: Herbert Kewitz

Der Barniner See ist längst kein Geheimtipp mehr. Er bietet Badelustigen und Sonnenhungrigen ebenso wie Wanderern und Anglern ein idyllisches Ziel. In dem See fühlen sich auch Muscheln sehr wohl. Sie finden ideale Bedingungen vor, sind deshalb zahlreicher und größer als in den meisten anderen Seen. Ihre Spur führt sogar bis ins Warener Müritzeum.

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22. August 2008, 07:10 Uhr

Barnin - Lutz Webendörfer fährt gern an den Barniner See. Er genieße dort die Idylle, und sein kleiner Sohn könne abseits vom Straßenverkehr spielen. „Einfach paradiesisch“, bringt es der gerade 60 Jahre alt gewordene Hamburger auf den Punkt. Er hat mit seiner Familie ein Domizil in der Nähe gefunden, nur beruflich agiert er von der Hansestadt aus, „weil der Markt dort bedeutend mehr für einen freiberuflichen Sicherheitsberater hergibt“.

„Die Badestelle ist sehr schön angelegt und gepflegt, wirklich traumhaft“, schwärmt Webendörfer, der an einer Hamburger Hauptstraße aufgewachsen ist. Die Natur und Tierwelt zu schützen, habe er bei den Pfadfindern gelernt. Deshalb, so sagt der Mann mit dem Vollbart, sei er eingeschritten, als badende Kinder Muscheln aus dem See mitbrachten und versuchten, diese mit Steinen aufzuklopfen. „Ich habe ihnen erklärt, dass das Lebewesen sind, die sogar unter Naturschutz stehen. Sie würden beim Aufbrechen aber getötet. Die Kinder haben das nicht böswillig gemacht, sie waren sehr zugänglich. Es war einfach Unkenntnis und Neugier. Deshalb habe ich dem Bürgermeister vorgeschlagen, an der Badestelle eine Information anzubringen, dass Muscheln unter Naturschutz stehen.“

Siegfried Zimmermann hält so ein Schild für übertrieben. Dass Kinder Muscheln aufbrechen, komme kaum vor, sagt der Bürgermeister. Und wenn doch einmal, könnten Eltern oder andere Badegäste die richtigen Worte finden, wie das Lutz Webendörfer selbst gemacht habe. Fischer Matthias Brietzke, der seinen Betrieb gleich neben der Badestelle hat, stimmt Zimmermann zu. „Ich sehe da auch kein Problem. Die Muscheln gedeihen in diesem See prächtig. Er hat Teichcharakter, ist zum Großteil nur zwei Meter tief und erwärmt sich im Frühjahr sehr schnell. Die kleinste Art hier, die Dreikantmuschel, wird fast schon zur Plage. Doch andererseits ernähren sich Karpfen zu einem großen Teil davon. Auch das ist Natur.“

Der Barniner See bietet ideale Bedingungen für die kleinen Wassertiere. „Er ist sehr nährstoffreich, im Sommer trübe und hat einen weichen Boden“, erklärt Marco Kastner auf unsere Anfrage. Brietzkes Studienfreund ist Fachbereichsleiter im Warener Müritzeum, das bundesweit das größte Aquarium für heimische Süßwasserfische beherbergt.

Kastner kennt von Berufs wegen zahlreiche Seen im Land. „Mir ist noch keiner untergekommen, in dem Muscheln so verbreitet sind. Es ist sensationell, was sich schon im Uferbereich abkeschern lässt. Von den größeren Arten kommt die Teichmuschel am häufigsten vor, es gibt aber auch die Malermuschel“, weiß der Experte. Er holt selbst welche für das Müritzeum. „In der Müritz gibt es auch Muscheln, doch sie werden nicht so groß wie die im Barniner See. Das liegt am klareren Wasser und dem festeren Boden der Müritz.“

Zum einen wolle das Müritzeum den Besuchern die Vielfalt der Wassertiere zeigen, zum anderen könne sich der Bitterling nur mit Hilfe solcher Großmuscheln fortpflanzen. Der wenige Zentimeter große Fisch lege die Eier mittels einer Röhre völlig geschützt in einer Muschel ab, wo der Nachwuchs auch schlüpft, bevor er sofort die Behausung verlässt. „Übrigens wird der Bitterling, der sonst eher unscheinbar ist, in der Laichzeit knallbunt und kann es dann mit jedem tropischen Fisch aufnehmen“, meint der Ingenieur für Binnenfischerei.

Die im Barniner See stark vertretene Dreikantmuschel, die vor langer Zeit aus Asien eingeschleppt wurde, richte sogar eher Schaden an, sagt der Experte. Sie setze sich an Pfeilern, Balken und selbst an Großmuscheln fest. Letztere sehen dann wie ein Stein aus und könnten nicht mehr
atmen. Außerdem lauerten im Badebereich Verletzungsgefahren. Ein Muschelparadies, das nicht nur Freude bringt.

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