Müll im Kleidersack

Heimo Klingner sammelt mit die Säcke mit den Kleiderspenden ein. Was am wenigsten drin ist, sind alte Kleider. Stattdessen zieht er immer öfter Miefiges heraus. Beim Sortieren haben sich seine DRK-Kollegen auch schon an Scherben verletzt. Foto: Thorsten Meier
Heimo Klingner sammelt mit die Säcke mit den Kleiderspenden ein. Was am wenigsten drin ist, sind alte Kleider. Stattdessen zieht er immer öfter Miefiges heraus. Beim Sortieren haben sich seine DRK-Kollegen auch schon an Scherben verletzt. Foto: Thorsten Meier

In den „Kleiderspende“-Containern finden die Mitarbeiter vom Rotem Kreuz nur noch zwei Drittel Kleidung. Der Rest ist Müll und muss kostenpflichtig entsorgt werden.

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17. September 2008, 07:51 Uhr

LudwigslustThorsten MeierWenn DRK-Mitarbeiter Heimo Klingner DRK-Altkleider-Container aufschließt, kann er sicher sein: Was am wenigsten drin ist, sind alte Kleider. Stattdessen zieht er immer öfter Miefiges heraus. Einen Sack voller Kleiderbügel, Plasteflaschen, Plastiktüten mit alten Zeitschriften, zerschlissene Fußmatten, Teppichboden. Alles Müll.
Jede Plastiktüte wird von den DRK-Helfern geöffnet - man weiß ja nicht, was drin ist. „Wir haben neben reinem Hausmüll sogar schon ein totes Kaninchen darin gefunden. Die Bequemlichkeit mancher Zeitgenossen kennt keine Grenzen mehr“, weiß auch Dietmar Jonitz. Der 51-Jährige steht seit sechs Jahren dem DRK-Kreisverband Ludwigslust e. V. als Geschäftsführer vor.
40 Altkleider-Container hat das Rote Kreuz im Landkreis stehen, davon sechs in Ludwigslust. Jonitz: „Altkleidersammlung ist ein steuerpflichtiger Geschäftsbetrieb. Wir dürfen keine gemeinnützigen Gelder einsetzen, um das zu finanzieren. Wenn wir Minus schreiben, muss ich das einstellen.“
Teuer ist es vor allem, wenn Leute ihren Sperrmüll neben die Container stellen. Dann gilt das Rote Kreuz rechtlich als Verursacher und muss den Müll auf eigene Kosten beseitigen. Und darauf achten die Städte inzwischen penibel. Ludwigslust macht da keine Ausnahme.
Die Einstellung der Menschen habe sich gewandelt, beklagt Jonitz: „Die Bürger betrachten das nicht mehr als Spende, sondern als Müllentsorgung. Ein Drittel der Kleiderspenden, die in unsere Container geworfen werden, sind reiner Müll und müssen von uns entsorgt werden. Das kostet uns pro Jahr bis zu 800 Euro. Es kann ja sein, dass jemand guten Gewissens eine alte Bettdecke in den Container stopft, weil er es nicht besser weiß," sagt der DRK-Geschäftsführer weiter. Beim Wort Kleiderspende liegt die Betonung auf Spende. Erwünscht sind: Getragene, aber saubere Kleidung, Schuhe, wenn sie gut erhalten sind und gebündelt eingeworfen werden. Stofftiere sind ebenfalls möglich. Unerwünscht sind: Zerschlissene, verdreckte Kleidung, Lumpen, einzelne Schuhe, Gardinnen, Teppiche, Bettzeug, Kissen, Decken. Und natürlich Müll.
Das Rote Kreuz sortiert gut erhaltene und einigermaßen aktuelle Kleidung für die eigenen Kleiderkammern in Ludwigslust, Hagenow und Boizenburg aus. Darüber hinaus tragbare Kleidung wird zur weiteren Verwertung an eine Vertragsfirma geliefert. Die sortiert Kleidung aus, die sich für Katastrophenfälle einlagern lässt, reinigt sie und verpackt sie luftdicht und seewasserfest. Kleidung, die durch dieses Raster fällt, behält der Verwerter, zum Beispiel für Produktion von Putzlappen. Er muss aber auch Abfälle, die nicht verwertbar sind, selber entsorgen.
Was bringen Kleiderspenden dem Bürger? Pro Kopf kaufen die Deutschen im Jahr 12 bis 14 Kilogramm Textilien. Entsprechend hoch ist auch der Berg von Kleidern, die nicht mehr gebraucht werden. Pro Jahr sind das weit über eine Million Tonnen. Ein nicht geringer Teil davon landet auf dem Müll und stellt eine Belastung für die Umwelt dar. Die Ehrenamtler des Deutschen Roten Kreuzes sortieren Gespendetes und beseitigen kleine Mängel. Vor allem sozial Schwache, Asylbewerber und Langzeitarbeitslose erhalten dann Kleidung und Schuhe, beispielsweise auch aus der Ludwigsluster Kleiderkammer, die derzeit gut für die kälteren Tage bestückt ist.
Das Deutsche Rote Kreuz kann auf den Weiterverkauf nicht verzichten. Das Unterhalten der Kleiderkammern, das Einsammeln, Sortieren und Verteilen verursacht nämlich hohe Kosten. „Ehrenamtlich arbeiten bedeutet nicht kostenlos arbeiten“, gibt Dietmar Jonitz allen Kritikern zu bedenken. Der Erlös aus Kleidern und Schuhen gewinne vor diesem Hintergrund und angesichts wegfallender staatlicher Zuschüsse für die soziale Arbeit immer mehr an Bedeutung.

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