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Landwirbeltiere zieht es nachts unbeirrbar zu Wärme und Wasser : Moorfrösche leuchten in Blau

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Die hohen Temperaturen und die Sonne sorgen dafür, dass die Fauna und Flora wieder aktiv werden. In den Mooren zeigen sich derzeit für wenige Tage auch die Moorfrösche in Balzstimmung.

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erstellt am 06.Apr.2011 | 03:10 Uhr

Die hohen Temperaturen und die Sonne sorgen dafür, dass die Fauna und Flora wieder aktiv werden. In den Mooren der Region Gadebusch zeigen sich derzeit für wenige Tage auch die Moorfrösche in Balzstimmung. Die in blau leuchtenden Männchen von Rana arvalis, so der wissenschaftliche Name, imponieren damit den Weibchen.

Frühlingsluft lässt Frösche wandern

Rotbauchunken haben bereits ihre Laichgebiete erreicht. Die ebenfalls in der Roten Liste aufgenommenen Knoblauchkröten sind in Paarungsstimmung und werden dann dem Weg der rotbäuchigen Artverwandten folgen. Von den Bäumen zieht es nun auch die Grasfrösche, die zur Paarung und Brutablage ins Nass müssen. Kurz gesagt: Die Amphibien sind jetzt zur Arterhaltung unterwegs. Einige ihrer angestammten Laichplätze sind der uralte Graben entlang der Dömitzer Festungsmauer, die Elbniederungen und Feuchtgebiete beidseits der Bundesstraßen 191 und 195.
Damit der Trieb zur Vermehrung bei Kröten, Fröschen, Lurchen und anderer Landwirbeltiere geweckt wird, bedarf es auch äußerer Einflüsse, wie warme und möglichst feuchte Wetterverhältnisse, ruhige Laichgebiete und insbesondere Wege in diese Brutzonen, weiß Waltraud Nowe. Die 76-jährige Dömitzerin ist die Vorsitzende der BUND-Ortsgruppe Dömitz und zählt zu den Ur-Schützerinnen für Amphibien rund um die Festungsstadt. War sie es doch, die mit unermüdlicher Beständigkeit bei Behörden, mit Spendengeldern, Arbeitskraft und Unterstützung der Firma Vollbrecht und privaten Helfern dafür sorgte, dass in den 90er Jahren Leitzäune und Tunnel für Frosch und Co. gebaut wurden. Damit war eine lange Zeit beendet, in der man den nahenden Frühling an den zerquetschten Amphibienkörpern auf den Straßen erkennen konnte. Seit 2005 bestehen insgesamt 15 Tunnel und Leitbleche über eine Strecke von knapp einem Kilometer Länge entlang der B 191 und 195.
Damit sei diese Aufgabe jedoch nicht abgetan, informiert die BUND-Vorsitzende. Jeden Frühling müssten die Passagen regelmäßig kontrolliert werden, denn Dachse und andere Höhlenbewohner suchen ebenfalls diese Röhren auf, allerdings um dort ihren Nachwuchs zu beherbergen – und dann bleibt der Tunnel dicht, bis wir ihn wieder passierbar machen.
Häufig müssen sie und andere Helfer die Frösche jedoch immer noch einsammeln, um die Tiere in sichere Laichgebiete überzusetzen. Dazu trägt Waltraud Nowe stets Handschuhe: „Amphibien sind Hautatmer. Damit die Tiere nicht mit menschlichen Keimen infiziert werden, sollten Frosch und Co. nicht mit bloßen Händen berührt werden“, erklärt Nowe diese Schutzmaßnahme.
„Die Tiere kommen im Frühjahr nachts aus ihren Erdverstecken, die bis zu einen Meter tief sein können und suchen instinktiv Wärme und Wasser. Passieren sie dabei Asphaltstraßen, die wärmer als die Umgebungsluft sind, dann rasten die Tiere, um beim Ausruhen auch Wärme für einen besseren Stoffwechsel aufzunehmen. Ein uraltes, gespeichertes Verhalten, dass fatal mit dem modernen Straßenverkehr kollidiert“, bedauert Tierschützerin Nowe.
Die derzeitige Grundwasserabsenkung des Festunggrabens sei ebenfalls ein Übel für die Tiere. Je schneller das neue Fundament für die Zugbrücke stehe, desto schneller könne das Grundwasser wieder zurückströmen, damit auch die seltenen Moorfrösche ihren angestammten Lebensraum wieder zurückerobern können.

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