"Monte Platschow" bleibt der Größte

Mit ihren Elefanten an die Spitze: Tochter Jenniffer (22), Chefdompteur Sonny Frankello (51) und Schwägerin Nadja (45) kehrten mit drei Preisen heim.Wolfried Pätzold
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Mit ihren Elefanten an die Spitze: Tochter Jenniffer (22), Chefdompteur Sonny Frankello (51) und Schwägerin Nadja (45) kehrten mit drei Preisen heim.Wolfried Pätzold

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06. Februar 2010, 02:15 Uhr

Platschow | Ein großer Traum der Zirkusfamilie Frankello, die seit elf Jahren mit ihren Elefanten im mecklenburgischen Platschow lebt, ist wahr geworden. Auf dem spektakulärsten und größten Zirkusfestival der Welt, das jeweils zum Jahresbeginn in Monte Carlo im Fürstentum Monaco stattfindet, räumten sie gleich drei der begehrten Preise ab. Mit dem "Bronzenen Clown", dem "Prix Special Marsupilami" - einem hochkarätigen französischen Naturschutzpreis - und dem Ehrenpreis der Gesellschaft für Circusfreunde Deutschlands kehrten sie in dieser Woche zurück in ihr tief verschneites Heimatdorf im Landkreis Parchim.

Nach einer überaus erfolgreichen Saison auf dem Elefantenhof waren der Elefantendompteur Sonny Frankello, Dompteuse Nadja, Tochter Jenniffer und Sohn Erwin Ende November vergangenen Jahres zu verschiedenen Auftritten in den Süden Deutschlands und nach Frankreich mit ihrem Elefantentrio Timba, Mala und Kenia aufgebrochen.

Derweilen hielten Lilian Kröplin zusammen mit dem jüngsten Sprössling Marlon die Stellung auf dem Hof in Mecklenburg. "Es gehört bei uns zum Alltag, dass wir oft getrennt sind und selbst die Feiertage nicht gemeinsam verbringen können", sagt Familienoberhaupt Sonny.

Die besten Zirkusakteure der Welt im Wettstreit

Doch diesmal stand der Frankelloclan vor einer besonderen Herausforderung. Nach einer ersten Teilnahme am wohl berühmtesten Zirkusfestival der Welt vor 13 Jahren, waren die Platschower erneut zur Meisterschaft der besten Zirkusakteure der Welt ins Fürstentum Monaco eingeladen. 1974 hatte Prince Rainer III. dieses Festival, das 2010 zum 34. Mal ausgerichtet worden ist, ins Leben gerufen.

"Da fühlt man sich wie ein Sportler, der zur Olympiade fährt", sagt Sonny Frankello. Und für den gestandenen Dompteur stand fest: "Wir nehmen es sportlich, dabei sein ist alles".

Als Frankellos im legendären Monaco eintrafen, hatten sie und ihre drei Elefantendamen eine beschwerliche Anreise über verschneite Straßen hinter sich. "Die Zeit bis zum ersten Auftritt war knapp. Die Elefantennummer, die in zwei Kategorien mehrfach vor einer hochkarätigen Jury und jeweils rund 3500 Zuschauern im riesigen Chapiteau präsentiert werden musste, konnte nur noch einmal geprobt werden. Trotz Lampenfiebers klappte alles wie am Schnürchen. "Unser Plan, in Monte Carlo die gleiche Show wie im heimischen Platschow zu zeigen, war ein Volltreffer", ist sich Nadja, die weltweit zu den wenigen Frauen gehört, die mit Elefanten auftritt, mit ihrem Schwager einig. "Die Tiere blieben ebenso cool wie wir", meint die 21-jährige Jenniffer, die in die Fußstapfen ihres berühmten Vaters tritt. Und die drei hatten mit Sohn Erwin, der in Platschow vor allem mit seiner Seelöwennummer die Herzen der Besucher erobert hat, und dem Nestor der Zirkusfamilie Claus Kröplin, seines Zeichens langjähriger Chef der Zirkustierlehrer Deutschlands, den nötigen Rückhalt . Nach der Zehn-Minuten-Show folgte rauschender Beifall. Doch, wie die siebenköpfige Jury mit Vertretern aus Russland, China, Deutschland, England, Italien, Ungarn und Frankreich, die Präsentation, den Schwierigkeitsgrad und die Originalität bewerten würden, blieb zunächst ihr Geheimnis. "Gut kam an, dass wir das Publikum so wie in Platschow üblich mit einbezogen haben, freut sich der Dompteur.

Nach dem Auftrittsmarathon waren die 65 Teilnehmer des 34. Zirkusfestivals von Monte Carlo, die wieder aus allen Kontinenten angereist waren, zu einer prunkvollen Party auf Einladung der Fürstenfamilie des zweitkleinsten unabhängigen Staates der Welt eingeladen. Als auf der Gala der Name Sonny Frankello als einer der vier Preisträger des Bronzenen Clowns aufgerufen wurde, war die Sensation perfekt. Zuvor hatten bereits zwei weitere deutsche Teilnehmer, Martin Lacey jr. für seine Raubtierdressur einen Goldenen Clown und Petra und Roland Duss für ihre See löwennummer einen Silbernen Clown, Preise bekommen.

Ganz besonders stolz sind Frankellos, dass ihnen auch der populäre französische Naturschutzpreis "Marsupilami" zuerkannt wurde. Damit würdigen die Experten die humane und artgerechte Haltung der Elefanten im mecklenburgischen Elefantendorf Platschow. Das hat auch die Gesellschaft der Circusfreunde Deutschlands zum Anlass genommen und den Frankellos einen Ehrenpreis verliehen.

Frankellos Showbühne bleibt das Chapiteau in Platschow

Zum Finale hat Prinzessin Stephanie von Monaco, die als exzellente Kennerin der Zirkusszene gilt, die Frankellos persönlich beglückwünscht. "Wir haben die überaus sympathische Prinzessin nach Platschow eingeladen und sie hat uns Hoffnung gemacht, dass sie uns besucht", freuen sich die Preisträger.

Im heimischen Platschow blieb kaum Zeit, die vielen Eindrücke aus Monte Carlo zu verarbeiten. Hier wartet jede Menge Arbeit auf die Familie. Für die neun Elefanten, die derzeit die meiste Zeit im beheizten Stall verbringen, müssen täglich rund 350 Kilogramm Heu herangeschafft werden. "Der Winter trifft uns hart. Futter ist inzwischen schwer zu bekommen und die Energiekosten steigen und steigen. Die Vorbereitungen auf die neue Saison verzögern sich", sagt Sonny Frankello.

Am 27. März werden sich die Tore auf dem Elefantenhof in Platschow für vielen Besucher aus nah und fern wieder öffnen. "Nach unserem Erfolg in Monaco gab es vor Ort Angebote, mit unseren Tieren auf der internationalen Showbühnen aufzutreten. Wir bleiben unseren Fans in Mecklenburg treu. ,Monte Platschow ist für uns der größte", steht für Frankellos fest. Und ihr Elefantenhof soll noch schöner werden. Die Pläne sind längst in Papier und Tüten, Baumaterial schon bestellt und wenn das Wetter es zulässt, geht der Ausbau der einzigen privaten Elefantenzuchtanlage Europas weiter.

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